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Ost-Berlin am 17. Juni 1953: Arbeiteraufstand im Arbeiterstaat

Patrick H. Leusch (Mit Material von DDP und DPA)17. Juni 2002

Russische Panzer erstickten Heute vor 49 Jahren die Proteste der Arbeiter. Mindestens 125 Menschen wurden getötet.

Russische T 34 Panzer auf der Leipziger Strasse in Ost-Berlin am 17. Juni 1953.Bild: AP

Ein Zeitungsbericht brachte das Fass zum Überlaufen: Als die Bauarbeiter von der Berliner Stalinallee am 16. Juni 1953 in der DDR-Gewerkschaftszeitung «Tribüne» eine Rechtfertigung der Erhöhung der Arbeitsnormen lasen, legten sie spontan die Arbeit nieder. Schnell wuchs ein Protestmarsch von mehreren hundert Demonstranten an. Zunächst hieß die Parole noch «Nieder mit den Normen». Für den Folgetag wurde zum Generalstreik aufgerufen, obwohl noch am Abend das SED-Politbüro die Rücknahme der Normenerhöhung beschloss.

Am 17. Juni griff der Streik von Ost-Berlin auf alle wichtigen Industriezentren der DDR über. Der Ausstand wurde zum Aufstand gegen das politische System. Nun forderten die Demonstranten: «Rücktritt der Regierung», «Freiheit für politische Gefangene» und «Freie Wahlen». Nachdem jedoch im Laufe des Tages die sowjetische Besatzungsmacht den Ausnahmezustand über Ost-Berlin, 13 Bezirks- und 51 Kreisstädte und eine Reihe von Landkreisen in der DDR verhängt hatte, brach die Erhebung zusammen. Die Panzer hatten zunächst das Überleben der SED-Führung ermöglicht.

Nach Erkenntnissen der Zentralen Ermittlungsstelle Regierungs- und Vereinigungskriminalität in Berlin sollen am 17. Juni mindestens 125 Menschen ums Leben gekommen sein. 1 600 Teilnehmer des Aufstands wurden zu teilweise hohen Freiheitsstrafen verurteilt, zumindest zwei
Todesurteile wurden verhängt und auch vollstreckt.

Mit einer bundesweiten Initiative soll der 17.
Juni 1953 wieder stärker im Bewusstsein verankert werden. Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Wissenschaft und Medien dazu aufgerufen, die Opfer der niedergeschlagenen Erhebung in Ost und West öffentlich zu ehren. Sie fordern dazu auf, «Orte des Erinnerns» zu schaffen, indem Straßen und Plätze nach den Akteuren benannt werden.

Für die Chefin der Stasi-Akten-Behörde, Marianne Birthler kann die intensive Auseinandersetzung mit dem Ereignis und den Protagonisten helfen, sich einer «positiv besetzten Tradition» zu erinnern. Der Aufstand gehöre zu den herausragenden demokratischen Massenbewegungen
der deutschen Geschichte, dessen Opfer eine öffentliche Würdigung «verdient» hätten. Die Erforschung der Schicksale bis zum Jubiläum 2003 sei infolge des Streits um den Zugang zu den Stasi-Akten jedoch «nicht unerheblich eingeschränkt», sagte Birthler.

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