Ostkongo: Letzte Chance für den Frieden?
17. Februar 2026
Die zunehmend instabile Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) beschäftigte in den vergangenen Tagen Politiker und Diplomaten, sowohl beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba als auch auf der parallel stattfindenden Münchener Sicherheitskonferenz.
Kongos Präsident Félix Tshisekedi entsandte seine Außenministerin Thérèse Kayikwamba Wagner nach München. Dort versicherte sie, dass ihre Regierung den für den 18. Februar angekündigten Waffenstillstand einhalten wolle: "Wir müssen alles unternehmen, um die Waffen ruhen zu lassen", sagte sie im DW-Exklusivinterview.
Alle bisherigen Friedensbemühungen gescheitert
Grundlage für den angekündigten Waffenstillstand ist das "Washingtoner Abkommen für Frieden und Wohlstand", ein von US-Präsident Trump vermitteltes Friedensabkommen, das am 4. Dezember 2025 in Washington D.C. zwischen der DRK und Ruanda unterzeichnet wurde. Die Vereinten Nationen und andere beschuldigen Ruanda seit Langem, die gegen die Regierungstruppen kämpfende M23-Miliz zu unterstützen, was Ruanda stets leugnete. Der Krieg im Osten der DRK tobt in verschiedenen Intensitätsstufen seit über 30 Jahren. Frühere Friedensbemühungen unter der Vermittlung Angolas, Kenias, Togos oder Katars blieben ohne tiefgreifenden Erfolg.
"Der aktuelle Vorstoß ist nicht die erste Friedensbemühung. Wir werden alles tun, um unsere Verpflichtungen einzuhalten und hoffen, dass die andere Seite dasselbe tut", sagte Thérèse Kayikwamba Wagner. Sie betonte, dass die verschiedenen Friedensprozesse komplementär seien und sich gegenseitig stärkten. Entscheidend sei nun, dass Ruandas Präsident Paul Kagame seine Unterstützung für die M23 aufgebe.
Ruanda: "Wir sind nicht Teil des Konflikts"
Kagame fehlte in München, Innenminister Vincent Biruta erläuterte die Position Ruandas: "Die Konfliktparteien sind M23 und die Regierung der DR Kongo. Ruanda ist keine kriegführende Partei", so Biruta im DW-Exklusivinterview. Zugleich betonte er, dass die Wiedereröffnung des Flughafens in Goma nach dem Waffenstillstand mit den De-facto-Behörden der M23 abgestimmt werden müsse. Goma, Hauptstadt von Nord-Kivu, war im Januar 2025 von M23-Milizen eingenommen worden, die sich mit den islamistischen ADF-Milizen verbündet hatten. Mindestens 3000 Tote wurden von den Vereinten Nationen gemeldet; zudem kam es zu Vergewaltigungen und massiver Unsicherheit.
USA droht bei Verletzung des Friedensvertrags mit Sanktionen
Die Vereinigten Staaten erklärten mehrfach, dass jede Partei, die den Waffenstillstand verletzt, mit Sanktionen rechnen müsse – sowohl Ruanda als auch der DR Kongo. Massad Boulos, Berater Trumps für Afrika, betonte im DW-Gespräch: "Wir werden nicht akzeptieren, dass das Abkommen von einer der Parteien ignoriert wird." Die USA würden bei ihren Friedensbemühungen eng mit afrikanischen Partnern wie Angola, Togo und bald auch Burundi zusammenarbeiten, fügte Boulos hinzu.
Afrikanische Union: "Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme"
Angolas Präsident João Lourenço, der am 14. Februar 2026 den Vorsitz der Afrikanischen Union an Burundis Évariste Ndayishimiye abgab, gilt seit Langem als ein zentraler Vermittler im Ostkongo-Konflikt. Zusammen mit Kenia leitete er den so genannten "Luanda-Prozess" in die Wege. In seiner Rede vor dem AU-Gipfel in AddisAbeba hob Lourenço hervor, dass der Luanda-Prozess den Weg für den Washington-Friedensvertrag geebnet habe. Andere afrikanische Länder wie Kenia, Togo und nun auch Burundi würden ihren Beitrag leisten und sich weiterhin um "afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme" bemühen.
Experten: "Waffenstillstand ist unwahrscheinlich"
"Ich halte einen Waffenstillstand ab Mittwoch für unwahrscheinlich", sagt Timo Roujean Leiter des Büros der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Kinshasa. Neben der Regierung und M23 seien auch die so genannten Wazalendo-Milizen beteiligt, die nicht staatlich kontrolliert seien. Politikwissenschaftler und Friedensforscher Jona Thiel ergänzt im DW-Gespräch: "Rund 120 Rebellengruppen operieren im Osten der DRK, jede mit eigenen Interessen. Einen umfassenden Frieden unter einem einzige Abkommen herzustellen, ist nahezu unmöglich."
Neben den Wazalendo bekämpfen zum Beispiel die IS-nahen ADF-Milizen, ursprünglich aus Uganda, die Bevölkerung in Nord-Kivu und Beni. Nach UN-Angaben verüben sie Massaker und setzen Kindersoldaten ein.
Amerikanische Wirtschaftsinteressen könnten Frieden befördern
Hat also die Diplomatie in der Region alle Chancen verwirkt? "Nein, im Gegenteil: Die Diplomatie läuft auf Hochtouren, auch wegen US-Interessen an einem dauerhaften Frieden in der rohstoffreichen Region", sagt Timo Roujean von der Adenauer-Stiftung. Fünf Rohstoffkonzessionen seien vor Kurzem in der DR Kongo amerikanischen Unternehmen zugesagt worden, erklärt Roujean. Politikwissenschaftler Thiel fügt hinzu: "Wir sprechen hier von enormen Mengen an Kobalt, Kupfer, Coltan, und so weiter. Für die Trump-Regierung ist der Kongo ein Mittel, Chinas Vormachtstellung im Rohstoffsektor zu brechen."
Eines der größten Rohstoffprojekte soll in Manono (Region Tanganyika) entstehen: Dort wollen US-Unternehmen in großem Stil Lithium abbauen. Roujean: "Die Amerikaner haben ein Interesse, dass der Frontverlauf eingefroren wird und die M23 nicht weiter nach Süden rückt." Nach der Einnahme von Goma im Januar 2025 drangen die Rebellen auch nach Uvira vor. Durch diplomatischen Druck der USA auf Ruanda zog sich die M23 vor zwei Wochen zurück.
Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass ab dem 18. Februar tatsächlich die Waffen schweigen: Die Diplomatie hat Chancen, den Konflikt zu lösen. Die wirtschaftlichen Interessen der USA und der kongolesichen Regierung könnten diese Chancen befördern.