Pakistan verkündet "offenen Krieg" gegen Afghanistan
27. Februar 2026
"Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und ihnen", verkündete der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif. Pakistan habe darauf gehofft, dass sich die islamistischen Taliban auf die Interessen des afghanischen Volks und Frieden in der Region konzentrieren würden, ließ er verlauten. Doch die Taliban seien zum Stellvertreter Indiens geworden. Indien ist der Erzrivale Pakistans. "Unsere Geduld ist am Ende", teilte Asif mit.
Die Beziehungen zwischen der Regierung in Islamabad und der Führung in Kabul sind seit Langem angespannt. Die pakistanische Regierung wirft den in Afghanistan herrschenden Taliban unter anderem auch vor, Extremisten der Gruppierung Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) Unterschlupf zu bieten. Die Taliban weisen dies zurück. Die 2007 gegründete TTP hat an der Seite der Taliban gegen die US-geführten Truppen am Hindukusch gekämpft und verübt immer wieder Anschläge. Die Organisation steht auch hinter dem Attentat im Jahr 2012 auf Malala Yousafzai, die damals noch zur Schule ging und zwei Jahre später für ihr Engagement als Kinder- und Frauenrechtlerin den Friedensnobelpreis erhielt.
In der Nacht zu Freitag griff Pakistan Ziele in mehreren afghanischen Großstädten an. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahm das Militär die Hauptstadt Kabul sowie die Provinzen Kandahar und Paktia ins Visier. Es habe Raketenangriffe auf Posten, Hauptquartiere und Munitionsdepots der Taliban gegeben. Laut Pakistan kam es zudem zu Zusammenstößen in mehreren Bereichen entlang der rund 2600 Kilometer langen Grenze.
Beide Seiten melden schwere Verluste
Ein pakistanischer Regierungssprecher sprach von 133 getöteten Taliban-Kämpfern. Die Taliban meldeten den Tod von 55 pakistanischen Soldaten. Die Zahlen konnten unabhängig nicht bestätigt werden.
Pakistan ist Afghanistan militärisch weitaus überlegen. Allerdings verfügen die Taliban über viel Erfahrung in der Guerillakriegsführung. Sie haben Jahrzehnte gegen US-geführte Truppen gekämpft, bevor sie 2021 in Kabul wieder die Macht übernahmen.
Reaktionen aus China und Russland
Die chinesische Regierung äußerte sich "zutiefst besorgt" über die Kämpfe zwischen Afghanistan und Pakistan. China rufe beide Seiten auf, "ruhig zu bleiben und Zurückhaltung zu üben", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Mao Ning.
Die Länder sollten so bald wie möglich eine Waffenruhe erzielen und weiteres Blutvergießen vermeiden. Das Ministerium und die chinesischen Botschaften in Pakistan und Afghanistan würden in der Angelegenheit "mit den relevanten Parteien in beiden Ländern" zusammenarbeiten.
Auch die Regierung in Moskau rief Staatsmedien zufolge zu einer Einstellung der Kämpfe auf und bot eine Vermittlung an. Russland ist das einzige Land, das die Taliban-Regierung offiziell anerkennt.
gri/AR (rtr, AFP, dpa)