1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
KonflikteAsien

Pakistan: Massive Anschlagsserie erschüttert Belutschistan

1. Februar 2026

Separatisten haben in Pakistans Provinz Belutschistan mehr als zwölf Orte gleichzeitig angegriffen. Dabei starben mindestens 190 Menschen. Die Lage bleibt laut Behörden weiter angespannt.

Pakistan Quetta 2026 | Uniformierte und ein Mann (mit verpixeltem Gesicht) auf einer Trage an der Hecktür eines Transportfahrzeugs (31.01.2026)
Verletzte wurden in ein Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Quetta gebracht (am Samstag)Bild: Adnan Ahmed/AFP/Getty Images

Nach den Angriffen von Aufständischen in der Unruheprovinz Belutschistan im Südwesten Pakistans geht die Armee von mittlerweile mindestens 190 Toten aus. Die Separatisten griffen an mehreren Orten an, vor allem aber in der  Provinzhauptstadt Quetta und in Gwadar, wie der Pressedienst des Militärs mitteilte.

Dabei seien 31 Zivilisten und 17 Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden. Zudem starben laut Militär mindestens 145 Aufständische, darunter drei Selbstmordattentäter.

Ausgebranntes Polizeifahrzeug nach Terrorangriff in Quetta (am Samstag)Bild: Asad/Xinhua/IMAGO

Die "koordinierten Schusswaffen- und Selbstmordanschläge" seien in ganz Belutschistan verübt worden, teilte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter mit. Insgesamt hätten Angriffe an mehr als zwölf Orten stattgefunden. Auch der stellvertretende Verwaltungschef des Bezirks Nushki sei entführt worden.

Lage ist noch nicht wieder unter Kontrolle

In einem weiteren Bezirk hätten die Aufständischen mindestens 30 Gefängnisinsassen befreit und dabei Schusswaffen und Munition an sich gebracht, teilte ein weiterer hochrangiger Sicherheitsbeamter mit. Zudem hätten die Kämpfer eine Polizeiwache angegriffen und dort ebenfalls Munition geraubt.

Laut Polizeiangaben aus vier Bezirken ist die Lage noch nicht wieder vollständig unter Kontrolle. Das Mobilfunknetz war eingeschränkt, der Zugverkehr wurde in der gesamten Provinz Belutschistan eingestellt.

Sharif beschuldigt Indien    

Ein hochrangiger Armeevertreter in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bestätigte die Angriffe. Diese seien "koordiniert, aber schlecht ausgeführt" gewesen. Die Angriffe seien "aufgrund schlechter Planung" und wegen wirksamer Sicherheitsmaßnahmen "gescheitert".

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lobte den Einsatz der Sicherheitskräfte, denen es gelungen sei, die "koordinierten Angriffe" an zwölf verschiedenen Orten zu vereiteln. "Gemeinsam mit der gesamten Nation bin ich stolz auf unserer Märtyrer", ließ Sharif verlauten.

Zugleich beschuldigte der pakistanische Regierungschef das Nachbarland Indien, die für die Anschläge verantwortlichen Separatisten unterstützt zu haben. "Wir werden den Krieg gegen den Terrorismus fortsetzen, bis er vollständig aus dem Land getilgt ist", kündigte Sharif an. Indien wies die Anschuldigungen umgehend zurück.

Hilfe aus Afghanistan?

Ein pakistanischer Sicherheitsbeamter warf wiederum dem Nachbarland Afghanistan vor, die Angreifer unterstützt zu haben: "Während der gesamten Operation standen die Terroristen Berichten zufolge in ständigem Kontakt mit ihren Hintermännern in Afghanistan."

Die verbotene ‍Separatistengruppe Befreiungsarmee von Belutschistan (BLA) bekannte sich ​zu ​den Angriffen an mehreren Orten in der Region. Die militante Separatistengruppe erklärte, die Angriffe hätten sich gegen militärische Einrichtungen sowie Polizei- und Zivilverwaltungsbeamte gerichtet.

Belutschistan: Hohe Armut, trotz reicher Rohstoffe

Die rohstoffreiche Provinz Belutschistan an der Grenze zu Afghanistan und dem Iran wird regelmäßig von Gewalt erschüttert. Seit Jahrzehnten kämpfen dort ethnische belutschische Gruppen für Unabhängigkeit. Ebenfalls seit Jahrzehnten geht Pakistans Armee  in Belutschistan gegen separatistische Aufständische vor. Erst am Freitag hatte die Armee mitgeteilt, bei zwei Einsätzen in der Provinz 41 Aufständische getötet zu haben.

Minenarbeiter protestieren für bessere Arbeitsbedingungen in der Region Belutschistan (2024)Bild: Abdul Ghani/DW

Die Separatisten haben in den vergangenen Jahren ihre Angriffe aus benachbarten Provinzen verstärkt. Dabei attackieren sie auch ausländische Energieunternehmen, denen sie vorwerfen, die Rohstoffe der Provinz auszubeuten.

Trotz hoher Rohstoffvorkommen ist Belutschistan die ärmste Provinz Pakistans und hinkt bei Bildung, Arbeit und wirtschaftlicher Entwicklung dem Rest des Landes hinterher.

Im vergangenen Jahr hatten belutschische Aufständische in der Nähe der Stadt Sibi einen Zug gestoppt und rund 450 Passagiere als Geiseln genommen. Zahlreiche Menschen wurden getötet.

as/AR (afp, rtr)

Redaktionsschluss 17.30 Uhr (MEZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert!

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen