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Politik

Ex-Premier Sharif wegen Korruption angeklagt

19. Oktober 2017

Im Juli hatte das Oberste Gericht den pakistanischen Premierminister Nawaz Sharif wegen Korruptionsvorwürfen des Amtes enthoben. Jetzt hat ein Gericht in Islamabad den 67-Jährigen deswegen auch angeklagt.

Pakistan Ex-Premierminister Nawaz Sharif
Bild: Getty Images/AFP/A. Qureshi

Nicht nur Nawaz Sharif ist mit einer Anklage wegen Korruption konfrontiert, das Gleiche gilt für seine Tochter Maryam und ihren Ehemann Mohammed Safdar. Dem mehrfachen Ex-Regierungschef droht eine längere Haftstrafe. Er hält sich derzeit mit seiner krebskranken Frau Kalsum in London auf, die sich dort einer medizinischen Behandlung unterzieht.

In dem Prozess geht es um verschleierten luxuriösen Immobilienbesitz der Sharif-Familie in London, der nach der Veröffentlichung der sogenannten Panama-Papiere bekannt wurde. Alle drei Angeklagten beteuern ihre Unschuld. Maryam Sharif, die als politische Nachfolgerin ihres Vaters gilt, erklärte nach der jüngsten Gerichtsverhandlung, die Familie habe "kein faires Verfahren" bekommen. Der Gerichtsbeschluss sei unbegründet, gegenstandslos und leichtfertig.

Eine Haftstrafe würde die Chancen der Sharif-Partei Pakistan Muslim League-Nawaz bei den Wahlen Ende 2018 erheblich schmälern. Zwar hat Nawaz Sharif im Moment keinen Sitz im Parlament, ist aber weiterhin Parteivorsitzender und relativ beliebt bei den Wählern. Vor der Amtsenthebung wurde Sharif, der seit 35 Jahren die Politik des islamischen Landes mitbestimmt, zweimal von der mächtigen Armee gestürzt. Eine volle Amtszeit von fünf Jahren hat Sharif nie absolviert. In der 70-jährigen Geschichte des Landes ist er bereits der 15. Premier, der seine Amtszeit nicht vollenden konnte.

Auslöser: Daten-Leck in Panama

Die Affäre war ins Rollen gekommen, nachdem die pakistanische Opposition Sharif und dessen Familie der Geldwäsche beschuldigt hatte. Sie hätten Schwarzgeld benutzt, um Immobilien in London zu kaufen. Oppositionspolitiker stützten ihre Vorwürfe auch auf Dokumente, die 2016 im Zuge der Panama-Papers-Enthüllungen über mutmaßlichen Steuerbetrug mit Hilfe Zehntausender Briefkastenfirmen aufgetaucht waren. Damals wurden mehr als elf Millionen Finanz-Dokumente einer Rechtsanwaltskanzlei in der Steueroase Panama veröffentlicht.

Die Unterlagen boten ein Einblick in die Finanz-Geschäfte der Reichen und Mächtigen der Welt, die über Briefkastenfirmen Steuern umgehen und Einkünfte verbergen. Dokumente zu Offshore-Firmen nannten auch die Namen von Kindern Sharifs, nicht aber seinen eigenen. Eine vom Obersten Gericht ernannte Ermittlungskommission kam in einem Hunderte Seiten langen Bericht zu dem Schluss, dass es "krasse Lücken" in den Belegen zum Vermögen der Sharif-Familie gebe.

kle/sti (epd, dpa, afpe, rtre)

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