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Politik

Panda-Diplomatie in Berlin

Heiner Kiesel
5. Juli 2017

Zwei Bären werden zum Symbol für die erstarkten Beziehungen zwischen Deutschland und China erklärt. Im Berliner Zoo wurden die Tiere von Bundeskanzlerin Merkel und Chinas Präsidenten Xi Jinping begrüßt.

Berlin Willkommenszeremonie Pandabären
Bild: Reuters/A. Schmidt

Das soll nun der große Tag der Panda-Diplomatie in Berlin sein. Die Straßen vor dem Bundeskanzleramt in der Hauptstadt sind – rot, blau, schwarzrotgold - mit den Flaggen der Volksrepublik China, der Europäischen Union und Deutschlands geschmückt und, wo immer nötig, weiträumig abgesperrt. Chinas Präsident ist in der Stadt, und er hat zwei Pandabären vorausgeschickt, quasi als Botschafter, damit die Begegnungen mit seinen deutschen Gesprächspartnern optimal verlaufen. Es sieht so aus, als hätte er die richtige Karte gespielt.

Die Vorgeschichte: Die Berliner sind verrückt nach den großen pelzigen Raubtieren. Das "Flaggschiff der Flaggschiffe unter den Bären", so die eigenwillige Wortwahl des Direktors des Berliner Zoos, Andreas Knieriem, ist wiederum der Große Panda. Berlin hatte schon drei, der letzte ist vor fünf Jahren hochbetagt gestorben. Ihn verdankte die deutsche Hauptstadt dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt. Diesmal setzte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in China für die Neuzugänge ein - 2015, bei ihrem Besuch bei Präsident Xi Jinping. Der fand das okay, was nachvollziehbar ist, wenn man die Bedingungen kennt. So zogen die Tiere Meng Meng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen) von ihrer Zuchtstation bei Chengdu an die Spree - in ein neues Gehege, den Panda Garden.

Berlins Regierender Bürgermeister Peter Müller: "Es hat etwas gefehlt in Berlin ohne Pandas."Bild: DW/H. Kiesel

Panda-Journalismus mit hohen Erwartungen

Panda-Diplomatie gibt es natürlich nicht ohne Panda-Journalisten. Davon gibt es an diesem Tag ziemlich viele. Ihr erster Termin ist am späten Vormittag im Kanzleramt. Merkel und ihr Gast Xi wohnen der Unterzeichnung von sieben Abkommen zwischen chinesischen und deutschen beziehungsweise europäischen Unternehmen bei. Sie stehen hinter dem Tisch, an dem die Firmenlenker die Urkunden unterzeichnen. Airbus wird 140 Flugzeuge nach China liefern, Daimler setzt auf Kooperationen bei der Elektromobilität, Siemens bei der Digitalisierung. Es geht um Milliardengeschäfte. Und schließlich setzt sich Berlins Regierender Bürgermeister zum Chef des chinesischen Forstministeriums, und beide unterzeichnen ein Abkommen zum Schutz des Großen Panda in China. Die Hürde ist genommen. Jetzt steht dem Treffen der Panda-Journalisten mit den pelzigen Ikonen für liebens- und schützenswerte Tiere nichts mehr im Wege. Endlich!

Xi Jinping und Angela Merkel im Kanzleramt: Besser waren die Beziehungen noch nieBild: Reuters/F. Bensch

Aber zuerst geben die Bundeskanzlerin und der chinesische Präsident ein kurzes Statement zum Stand ihrer Unterredungen. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist offenbar besser denn je zuvor. Man habe es, sagt Merkel, von einer "strategischen Partnerschaft" zu einer "umfassenden strategischen Partnerschaft" ausgeweitet. Sie verweist auf gemeinsame Unternehmungen in Angola und Afghanistan und eine mögliche Teilnahme am ambitionierten Seidenstraßen-Projekt der Chinesen. "Den Menschenrechtsdialog müsste man aus meiner Sicht noch intensiv fortsetzen", merkt sie noch an.

Xi Jinping verzieht keine Miene, auch wenn er wohl weiß, dass sich die deutsche Zivilgesellschaft aufregt über die Haftbedingungen chinesischer Dissidenten wie dem todkranken Liu Xiabao. Der Präsident nutzt seine Redezeit, um über das "Spitzenniveau" zu sprechen, auf dem sich die deutsch-chinesischen Beziehungen befinden. Da ist er ganz entspannt, denn er weiß: Wenn es um Klimaschutz und Freihandel geht, kommt man um die Volksrepublik nicht mehr herum. Die Gespräche verliefen "sehr, sehr ergiebig", betont der Präsident. Und schließlich das Wichtigste: "Ich freue mich, das Berlin ein neues Pandapärchen hat, und bin überzeugt, dass sie Botschafter unserer Freundschaft werden können." Ein echter Trumpf. Da wird China schon viel sympathischer, wenn es gedanklich mit den Tieren verknüpft wird, die so traurige schwarze Augenringe und so kindlich große kuschelpelzige Köpfe haben. Das ist besser als Bilder von gefolterten Bloggern.

Der neue Berliner Panda Garden

Während Angela Merkel und Xi Jinping sich zum Mittagstisch begeben, um über die Probleme der Welt - Nordkorea, Terrorismus - und die Themen des anstehenden G20-Treffens zu reden, versammeln sich die 200 akkreditierten Panda-Journalisten aus aller Welt vor dem Elefantentor des Berliner Zoos und sickern langsam durch die Sicherheitsschleusen. Im Zoo führt ein Lampion-gesäumter Weg zum Panda Garden.

Panda-Euphorie im Zoologischen GartenBild: DW/H. Kiesel

An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Zoologische Garten neun Millionen Euro für das neue Gehege ausgegeben hat. In dem pagodenartigen Bau gibt es sogar eine Spezialklinik für die Tiere. Und wenn wir schon über Geld reden: Die Tiere sind nur geliehen. China bekommt jährlich rund eine Million Euro Panda-Miete - neben dem Geld für das vereinbarte Schutzprogramm.

Der große Moment bei den Pandas

Als schließlich Angela Merkel und Xi Jinping frisch gestärkt im Zoo erscheinen, kommt die große Enttäuschung für den Panda-fixierten Berichterstatter. Vielleicht war das auch absehbar: In Berlin haben sie ja öfters -  Stichwort Flughafen - Probleme mit Bauvorhaben. So sind auch die Bauarbeiten am Außengehege der Pandas nicht rechtzeitig fertig geworden. Die Folge: die Bären können nur im Innengehege besichtigt werden, und nur von ein paar ausgewählten Gästen. So ein Pech. 

Die Bundeskanzlerin und der chinesische Präsident dürfen natürlich rein. Auf einer Videoleinwand sieht man sie und die putzigen Raubtiere. Merkel gestikuliert aufgeregt und ihr Lächeln hat eine verklärte Note. Die Bären, 112 und 88 Kilogramm schwer, kümmern sich nicht darum. Sie sitzen einfach nur da und schroten eine Bambusstange nach der anderen mit ihren beachtlichen Reißern. So ein Panda vertilgt um die 12 Kilo Bambus am Tag, da muss er sich ranhalten.

Gruppenbild mit PandaBild: DW/H. Kiesel

Der chinesische Präsident lächelt diplomatisch kontrolliert neben der Kanzlerin und bleibt eher cool, die Hände vor dem Nabel verschränkt. Er hat allen Grund dazu. Die Weltlage und ein bizarrer US-Präsident spielen ihm zu. Und außerdem: Die Zuchtstation, aus der "Schätzchen" und "Träumchen" stammen, hält noch weitere 150 Exemplare vor.