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GlaubeAfrika

Papst Leo, Afrika und die Zukunft der Kirche

12. April 2026

Die bislang längste Reise von Papst Leo führt in vier afrikanische Länder. Warum ist der Kontinent für die Weltkirche so wichtig?

Papst Leo XIV. mit Mikrofon in einem Flugzeug
Papst Leo XIV. bereist Afrika vom 13. bis zum 23. AprilBild: Baris Seckin/Anadolu/picture alliance

Papst Leo reist auf den afrikanischen Kontinent - und dabei in ganz verschiedene Welten. Denn zunächst besucht Leo das nordafrikanische Algerien. In dem Land war noch nie ein Papst zu Gast. Dabei braucht der Papstflieger nur eine Stunde von Rom nach Algier.

"In der Antike gehörte die Region des heutigen Algerien einfach zu Rom", sagt der Ordensmann Hans Vöcking der DW, der das Land seit über 50 Jahren kennt. Das galt für die politische Macht wie für den kulturellen Einfluss. Bis zu 300 Diözesen, eine schier unvorstellbare Zahl, gab es vor 1600 Jahren in Nordafrika.

Robert Prevost, der heutige Papst, ist seit knapp 49 Jahren Mitglied des Augustinerordens. Diese im 13. Jahrhundert entstandene Gemeinschaft orientiert sich an den Gedanken des römischen Bischofs Augustinus von Hippo (354 - 430), der zu den wichtigsten Denkern der frühen Kirche zählte und bis heute als Kirchenlehrer gilt. Die Gestalt des Augustinus steht für die christliche Prägung des vorislamischen Nordafrikas. Und auch wenn bislang kein Papst nach Algerien kam, Pater Prevost besuchte als Leiter seines Ordens das größte Land Nordafrikas zwei Mal.

Der heilige Augustinus wird weltweit verehrt, hier ein Kirchenfenster in einer Kirche in Vietnam Bild: Pascal Deloche/Godong/picture alliance

"Der Vater des Augustinus war Berber, seine Mutter eine Römerin", erläutert Pater Vöcking. Das stehe bis heute für das Miteinander der Kulturen. Und auch wenn sich durch die Jahrhunderte, durch islamischen Einfluss, französische Kolonialzeit, Unabhängigkeit und blutigem Bürgerkrieg vieles geändert habe, so gebe es doch seit der Unabhängigkeit einen christlich-islamischen Dialog. Vöcking lebte bis 1978 acht Jahre im Land und besuchte es seitdem regelmäßig, er schätzt den Dialog. So wie die französische Sprache lange präsent gewesen sei, gelte das auch für kulturelle Einflüsse.

Die persönliche Bedeutung des Augustinus für Papst Leo wird im Programm deutlich. Am ersten Tag im Land besucht er in Algier die Große Moschee, den Präsidenten und trifft Vertreter der Zivilgesellschaft. Am zweiten Tag reist er nach Annaba im Nordwesten des Landes; dort lag einst das antike Hippo. Ein Zitat des Augustinus, das Leos Vorgänger Franziskus mehrfach zitierte, kann die Aktualität des Kirchenlehrers aufzeigen: "Was anders sind also Reiche, wenn ihnen Gerechtigkeit fehlt, als große Räuberbanden? Sind doch auch Räuberbanden nichts anders als kleine Reiche." Es würde nicht überraschen, wenn Leo auch diese Worte in Kürze zitiert.

Ostermesse 2026 in der Kathedrale Notre Dame des Victoires in Kameruns Hauptstadt JaundeBild: Daniel Beloumou Olomo/AFP

Von Algier aus reist das Kirchenoberhaupt weiter nach Kamerun. Was seinen drei an der westafrikanischen Atlantikküste gelegenen Zielländern gemein ist: Alle drei haben eine Kolonialgeschichte, wenngleich mit unterschiedlichen europäischen Mächten. In allen dreien gibt es eine abgehobene Führungsschicht mit etablierten wirtschaftlichen Strukturen. Und trotz mancher wirtschaftlicher Fortschritte gibt es eine verbreitete Armut.

Länder mit Wohlstand und Armut

In allen drei Ländern besucht Papst Leo jeweils nicht nur die Hauptstädte, sondern absolviert eine Reihe von Inlandsflügen, um auch Menschen jenseits der wirtschaftlichen und politischen Macht zu begegnen. Und in allen drei Ländern gibt es religiöse Vielfalt, wobei die katholische Kirche jeweils die größte neben ähnlich großen anderen Gruppen stellt.

Leos zweites Zielland Kamerun (gut 30 Millionen Einwohner) hat im Norden seit Jahren unter blutigen Anschlägen der aus dem Nachbarland Nigeria stammenden islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zu kämpfen. Zudem leidet das Land unter einer wachsenden Kluft zwischen dem frankophonen und dem anglophonen Teil, unter Korruption und Einschränkungen von Grundrechten.

Bertha Mballa, Projektleiterin der Vereinigung für interreligiösen Dialog in KamerunBild: Moki Edwin Kindzeka/DW

Bertha Mballa, Projektmanagerin der Nationalen Vereinigung für den interreligiösen Dialog (ACADIR), verweist im DW-Gespräch auf "beispiellose Einigkeit" unter den Religionsgemeinschaften, traditionellen Führern und Gemeinschaften des Landes bei den Vorbereitungen für den Papstbesuch. Das spiegele "die großen Hoffnungen einer Nation wider, die sich nach Frieden sehnt". Die Kameruner seien für "eine Botschaft der Versöhnung, der nationalen Einheit und des Zusammenlebens". Sie baue darauf, so Mballa, dass es dem Papst gelinge, zum Dialog anzuregen, alle Beteiligten dazu zu bewegen, die Waffen niederzulegen und den Weg des Friedens einzuschlagen.

Dabei verweist Mballa ausdrücklich auch auf die Verantwortung des seit 1982 regierenden Langzeitherrschers Paul Biya (93), dem ältesten Staatschef weltweit. Der Papst solle Biya dazu auffordern, "mutige Schritte in Richtung einer inklusiven Regierungsführung und sozialer Gerechtigkeit zu unternehmen".

Auch Angola (38 Millionen Einwohner) gilt als ein Land der Ungleichheit. Zwar ist das Land einer der größten Öllieferanten auf dem Kontinent und reich an fruchtbaren Böden. Doch belegt es auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen Platz 148 von 193. All das ist der Ausbeutung durch eine Machtelite geschuldet. Mballas Erwartungen treffen auch auf diese Situation zu.

In dem eher kleinen (1,9 Millionen Einwohner) Land Äquatorialguinea, dem letzten Reiseziel von Leo, bietet sich letztlich ein ähnliches Bild. Es gibt Öl-Vorkommen und durchaus wirtschaftlichen Wohlstand. Doch die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

1969 besuchte Paul VI. als erster Papst ein afrikanisches Land und wurde in Ugandas Hauptstadt Kampala begeistert empfangenBild: AP Photo/picture alliance

Binnen elf Tagen absolviert Papst Leo 18 Flüge. Die Reise nach Afrika reiht sich ein in eine Aufmerksamkeit für den Kontinent, die bereits mit Papst Paul VI. (1963-1978) begann, der seit 1964 als erster Papst überhaupt päpstliche Flugreisen unternahm. Paul VI. reiste, damals 70 Jahre alt, 1969 nach Uganda.

Papstbesuche bislang in drei Dutzend Ländern Afrikas

Seitdem gab es elf Papst-Reisen auf den Kontinent, bei denen rund drei Dutzend Länder erreicht wurden. Zuletzt besuchte Papst Franziskus (2013-2025), der vier Mal nach Afrika reiste, 2023 die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan.

In mehreren Teilen Afrikas toben Kriege oder grausame Konflikte, die weltweit selten wahrgenommen werden. In einigen Ländern gibt es immer wieder mörderische Attacken auf Christen. Und doch: Welche Bedeutung die kirchliche Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent für die Weltkirche hat, machten vor wenigen Tagen die neuesten Zahlen des Päpstlichen Jahrbuchs 2026 anschaulich. Demnach stieg die Zahl der Katholiken in Afrika von 281 Millionen Ende des Jahres 2023 auf mehr als 288 Millionen Ende 2024. Das bedeutete ein Plus von 2,7 Prozent binnen eines Jahres. In Europa sind es demnach 286 Millionen Katholiken. 20,3 Prozent aller Katholiken weltweit leben in Afrika, nur noch 20,1 in Europa.

Erstmals hat Afrika also Europa überholt. Und die Statistiken zeigen auch, dass die Zahlen der Ordensleute und der Priester auf dem afrikanischen Kontinent steigen, während sie in Europa schon länger sinken. Wer als Tourist durch Rom läuft, begegnet dort gewiss mehr Theologiestudenten auf dem Weg zum Priesteramt aus Afrika als aus Europa.

Vielflieger Papst Leo in einer Maschine von ITA Airways, die zur Lufthansa Gruppe gehört, hier bei seiner Landung in Istanbul im November 2025Bild: Dilara Senkaya/REUTERS

Das lässt vermuten, dass auch der neue Papst, wie auch Franziskus, häufiger als seine Vorgänger nach Afrika reisen wird. Wie sagte Papst Paul VI. am 31. Juli 1969 nach seiner Landung in Entebbe zu seinem Uganda-Besuch unter anderem: Gott sei gedankt für die großzügige Antwort Afrikas auf die Botschaft des Evangeliums."

Mitarbeit: Moki Edwin Kindzeka, Yaounde

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