Wortgefecht mit Trump: Papst sendet Zeichen der Entspannung
19. April 2026
Es war eine Art verbales Fernduell zwischen dem mächtigsten Mann der Welt und dem Oberhaupt der katholischen Kirche, das seit Wochen für Schlagzeilen sorgte. Entzündet hatte sich der Disput zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. an mahnenden Worten des Pontifex zum Iran-Krieg der USA und Israels.
Nun wird der Ton wieder diplomatischer und auf seiner Afrika-Reise bemüht sich Leo sichtlich, die Wogen zu glätten. Manche Äußerung sei "nicht in allen Aspekten korrekt" gedeutet worden, sagte Leo auf seinem Weiterflug nach Angola den mitreisenden Journalisten.
Zuvor hatte er in Kamerun allerdings erneut den Missbrauch der Religion für politische Zwecke und eine zerstörerische Macht von "Tyrannen" kritisiert - ohne konkrete Namen von Politikern zu nennen. Dies wurde vielfach in Zusammenhang mit religiös aufgeladenen Social-Media-Posts von Trump gebracht.
Seine Rede in Bamenda in Kamerun sei so aufgefasst worden, "als würde ich erneut versuchen, mit dem Präsidenten zu debattieren, was überhaupt nicht in meinem Interesse liegt", stellte der Papst nun klar. Diese Rede sei vor zwei Wochen vorbereitet worden, "also lange bevor der Präsident sich überhaupt zu meiner Person und zu der Friedensbotschaft, für die ich eintrete, geäußert hatte", sagte Leo. Seine Rede hielt er allerdings erst zwei Tage nach den Worten aus dem Weißen Haus - Änderungen im Manuskript wären also problemlos möglich gewesen.
Offener Streit zwischen Präsident und Papst
Der in den USA geborene Leo hatte sich zuvor aus der Distanz ein heftiges Wortgefecht mit dem US-Präsidenten geliefert. In verschiedenen Appellen machte der Papst immer wieder deutlich, dass er mit dem Krieg der USA gegen den Iran nicht einverstanden ist.
In einem Friedensgebet nach Ostern verlangte er: "Schluss mit der Selbstvergötterung und der Vergötterung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!" Offensichtlich zog sich der Papst damit im Weißen Haus großen Zorn zu.
Der US-Präsident, der sich auf einen christlichen Glauben beruft, warf dem Papst eine "schreckliche" Außenpolitik vor. Trump empfahl Leo, sich auf seine Rolle als Papst zu konzentrieren und sich mit politischen Äußerungen zurückzuhalten. Zudem stellte Trump vorübergehend ein KI-generiertes Gemälde ins Internet, das ihn selbst als Heiland zeigte. Auch von US-Vizepräsident JD Vance, der vor einigen Jahren zum katholischen Glauben übertrat, kam Kritik. Leo entgegnete: "Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung."
Was hat Leo bewogen den Ton zu ändern?
Die aktuellen Worte des Papstes zum Streit mit Trump könnte man als weise oder auch anders interpretieren. US-Vizepräsident JD Vance dankte dem katholischen Kirchenoberhaupt jedenfalls für dessen Klarstellung. "Papst Leo predigt das Evangelium, so wie er es sollte, und das bedeutet unweigerlich, dass er seine Meinung zu den moralischen Fragen dieser Tage äußern wird. Der Präsident und die gesamte Regierung arbeiten daran, sich für diese moralischen Prinzipien in einer chaotischen Welt einzusetzen", ließ Vance verlauten.
"Während das Narrativ der Medien ständig Konflikte hoch schreibt", betonte der US-Vize, "ist die Realität oft sehr viel komplexer". Er wolle den Papst in seine Gebete aufnehmen, gab sich Vance versöhnlich, "und ich hoffe, dass wir auch in seinen sind".
Leo ging auf dem Flug von Kamerun nach Angola nicht näher darauf ein, was ihn jetzt zu der neuen Äußerung bewog. Allerdings geriet durch die Auseinandersetzung mit dem US-Präsidenten das eigentliche Programm von Leos Afrika-Reise in den Hintergrund. Auch das könnte Anlass für ihn gewesen sein, sich nochmals zu erklären.
Papst-Kritik an Ausbeutung
In Angola prangerte Leo eine Ausbeutung Afrikas an. "Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich!", sagte er am Samstagabend bei einer Begegnung mit Vertretern von Behörden, Zivilgesellschaft und Diplomaten in Luanda. Der Papst sprach von einem weitverbreiteten "Entwicklungsmodell, das diskriminiert und ausgrenzt, aber dennoch vorgibt, sich als einzig mögliche Lösung durchzusetzen".
Leo kritisierte auch, dass auf Afrika immer noch mit einem Blick geschaut werde, "um etwas zu nehmen". "Diese Kette von Interessen, die das Leben auf eine Tauschware reduziert, muss durchbrochen werden."
Nach seinem Besuch in Angola wird Papst Leo am Dienstag nach Äquatorialguinea weiterreisen. Am Donnerstag wird er am Abend wieder in Rom erwartet. Die elftägige Afrikareise ist die bisher längste im fast einjährigen Pontifikat von Leo XIV.
AR/se (dpa, epd, kna)
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