Papst Leo auf heikler Mission im Libanon
30. November 2025
Zum Auftakt seines Besuchs im Libanon rief der Papst zu neuem Engagement für Frieden und Versöhnung auf. "Hier ist der Friede eine Sehnsucht und eine Berufung, ein Geschenk und eine stets offene Baustelle", sagte der Pontifex bei einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun. Leo XIV. will noch eine Zeder im Garten des Präsidentenpalastes pflanzen. Die Zeder ist das Nationalsymbol des Libanon und befindet sich als Motiv auf der libanesischen Flagge.
Hunderte Menschen versammelten sich zur Ankunft des Papstes am Rande der Straße, die zum Präsidentenpalast führt. Viele schwenkten libanesische Fahnen in Erwartung des Papstes. Entlang der Route hingen zahlreiche Willkommensplakate. Auf einem stand: "Lieber Papst, bete für unser verwundetes Land, den Libanon".
Konfessionell gespalten
Im Libanon sind etwa 30 Prozent der Bevölkerung Christen. Etwa 70 Prozent sind Muslime, jeweils etwa zur Hälfte Anhänger der schiitischen und sunnitischen Strömung im Islam. In dem konfessionell stark gespaltenen Land leben zudem weitere Religionsgemeinschaften wie etwa die Drusen. Die Christen spielen eine zentrale Rolle im politischen System des Landes, das auf einem konfessionellen Machtverteilungssystem basiert.
Der libanesische Staatspräsident ist diesem System zufolge immer ein Christ, der Regierungschef ein Sunnit und der Parlamentspräsident ein Schiit. In der Vergangenheit sorgte die religiöse Vielfalt für Konflikte. Während des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 mit schätzungsweise 150.000 Toten bekämpften sich Konfessionen in wechselnden Bündnissen. Auch innerhalb konfessioneller Gruppen kam es zu Kämpfen.
Trotz Waffenruhe ist die Lage angespannt
Die Sicherheitslage im Libanon gilt derzeit als angespannt. Nach einem offenen Krieg zwischen der Hisbollah und Israel wurde Ende November vergangenen Jahres eine Waffenruhe geschlossen. Dennoch hielten die Spannungen an. Zuletzt hatte sich die Lage wieder verschärft. Israel greift nahezu täglich Ziele im Süden des Libanons an, dabei wurden seit Inkrafttreten der Waffenruhe nach UN-Angaben fast 120 Zivilisten getötet.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen im Libanon seien alle Sicherheitsvorkehrungen ergriffen worden, teilte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni vor der Reise mit. "Die Sicherheitslage war bereits seit Monaten bekannt, als die Reise vorbereitet wurde. Schon damals wurden alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen."
Auf die Frage, ob der Papst während des Besuchs im Libanon gepanzerte Fahrzeuge benutzen werde, erklärte Bruni: "Je nach Situation werden die jeweils geeigneten Fahrzeuge eingesetzt". In der Türkei war Leo in geschlossenen Fahrzeugen gefahren und nicht wie sonst in offenen.
Kann der Papst die Hoffnungen erfüllen?
Insbesondere vor dem Hintergrund der angespannten Sicherheitslage wird im Libanon die Reise des Papstes als Zeichen der Hoffnung auf Frieden und Stabilität gesehen. Bereits Wochen vor der Papst-Visite wurden an neu instand gesetzten Straßen Schilder als Willkommensgruß für Leo angebracht. Auf ihnen wird er bereits als "Friedenspapst" gefeiert.
Im Libanon warten auf Leo aber in vielerlei Hinsicht komplizierte Themen: Das Land steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die Machtverteilung zwischen den Konfessionen befeuert Korruption und politische Misswirtschaft. Rund 60 Prozent der Bevölkerung leben in Armut.
Den größten Auftritt in Libanons Hauptstadt Beirut hat Leo XIV. am Dienstagmittag. In der Nähe des Hafens will er vor rund 100.000 Menschen bei einem Gottesdienst unter freiem Himmel predigen. Die Reise in den Libanon und die Türkei ist die erste Auslandsreise seit seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche vor gut einem halben Jahr.
haz/hf (dpa, kna, afp)
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