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GesellschaftÄquatorialguinea

Papst punktet in Afrika mit Friedensbotschaften

Martina Schwikowski
23. April 2026

Auf seiner Reise durch vier afrikanische Länder begeistert Papst Leo XIV. seine Anhänger mit einem klaren Appell für Frieden und Zusammenhalt. Er kritisiert Diktatoren und wendet sich gegen Krieg und Spaltung.

Angola Luanda 2026 | Papst Leo XIV. winkt vor dem Einstieg in ein Flugzeug bei seiner Abreise aus Angola
Papst Leo XIV. beim Abschied aus Angola: Seine Botschaften von Frieden und Einheit sind mit Begeisterung aufgenommen wordenBild: Themba Hadebe/AP Photo/dpa/picture alliance

Die erste Afrikareise des Papstes sollte Zeichen setzen, eine klare Friedensbotschaft in die Welt senden. So hieß es aus Kirchenkreisen zu Beginn der Reise von Papst Leo XIV. in vier afrikanische Länder. Heute tritt der Pontifex nach zehn Tagen auf afrikanischem Boden den Rückweg an. Hat er die Menschen in Afrika erreicht?

Im Japoma-Stadium in Douala wird Papst Leo XIV. bei seiner Ankunft zu einer Open-Air-Messe jubelnd begrüßtBild: Guglielmo Mangiapane/REUTERS

Kamerun: Kritik an Kriegsparteien

An vielen Orten, die Papst Leo besuchte, ist er von seinen Anhängern voller Freude begrüßt worden. In Kameruns größter Stadt Douala hielt er eine Messe im Japoma-Stadion. Franck Fokou, Politikwissenschaftler und gläubiger Katholik, zeigte sich erfreut, dass der Papst die schwierigen Fragen der Regierungsführung in Kamerun nicht aussparte: "Wir haben den Appell des Heiligen Vaters als Erinnerung an die Regierung verstanden, die Menschenrechte zu achten. Er hat darauf hingewiesen, dass wir keine Gewalt einsetzen dürfen, um die Bevölkerung zu schikanieren, sondern daran denken müssen, dass die Gewalt dem Frieden dienen muss", sagt er zur DW.

In dem Land regiert der 93-jährige Autokrat Paul Biya in seiner achten Amtszeit. Oppositionelle und Menschenrechte werden unterdrückt. Seit Jahren schwelt ein gewaltsamer Konflikt zwischen Separatisten im englischsprachigen Westen des Landes und der frankophonen Zentralregierung in der Hauptstadt Jaunde. 

Für die Dauer des Papstbesuches in Kamerun hatten die Separatisten eine mehrtägige Waffenruhe verkündet. Scharfe Worte richtete der Papst in seiner Predigt an die Kriegsparteien und erntete viel Applaus: "Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören; dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen."

Frieden, ein Leitmotiv, das besonders zivilgesellschaftliche Organisationen umtreibt. Sophie Estelle Gouleu, Präsidentin des Nationalen Netzwerks der Witwen, sieht es als Fahrplan für die Zukunft: "Der Heilige Vater sagte: Die Welt hat genug von Kriegen. Frauen, Jugendliche und Zivilgesellschaft spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des sozialen Zusammenhalts", hebt sie hervor.

Der kamerunische Priester Daniel Bilong fand die kirchlichen Botschaften eindrucksvoll: "Der Papstbesuch bedeutet für uns in Kamerun viel, nicht nur für die Katholiken, auch die Andersgläubigen", sagt er zur DW. "Besonders die Begegnungen mit Muslimen waren vielversprechend. Unsere Welt kann nicht ohne Dialog leben und für den interreligiösen Dialog ist es sehr wichtig, dass Christen und Muslime in Afrika ins Gespräch kommen können." 

Leo XIV. erinnerte auch an die Besuche seiner Vorgänger: "Johannes Paul II., Bote der Hoffnung; Benedikt XVI., der die Bedeutung der Gerechtigkeit und die moralische Verantwortung der Mächtigen betonte." Und er schlug eine Brücke zur Gegenwart: "Wir können uns daher fragen: Wo stehen wir? Was bleibt noch zu tun?", ermutigte er die krisengeplagte Bevölkerung.

Messe in Annaba: Bei seinem Besuch im muslimisch geprägten Algerien forderte Papst Leo XIV. mehr interreligiösen Dialog zwischen den GlaubensgemeinschaftenBild: Andrew Medichini/AP Photo/dpa/picture alliance

Algerien: Interreligiöser Dialog 

Den Auftakt seiner Vier-Länder-Reise machte der Pontifex allerdings zuvor in Algerien, einem stark muslimisch geprägten Land. Er besuchte die Große Moschee von Algier, die drittgrößte Moschee der Welt, und rief zu gegenseitigem Respekt zwischen Muslimen und Christen auf.

In Kamerun wie auch in Algerien strebte der Papst an, den Dialog zwischen verschiedenen Gemeinschaften und den sozialen Zusammenhalt zu fördern - so der Eindruck von Fredson Guilengue, Politikwissenschaftler bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Südafrika, die politisch der Partei Die Linke nahesteht.

Dabei bleibe die Priorität klar: "Der Besuch des Papstes auf dem afrikanischen Kontinent zielt darauf ab, die Präsenz der katholischen Kirche auf dem Kontinent zu festigen", sagt Guilengue im DW-Interview mit Blick auf die 20 Prozent der 1,4 Milliarden Katholiken weltweit, die auf dem afrikanischen Kontinent leben. "Diese Zahl wächst."

In den Ländern Angola und Äquatorialguinea sieht Guilengue bei Papst Leo XIV. eine "gewisse Ähnlichkeit" zu den Worten, die sein Vorgänger Papst Franziskus bei seinem Besuch 2019 in Mosambik gewählt hatte: "Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Versuch, Frieden und Versöhnung zu fördern", sagt der mosambikanische Wissenschaftler.

Vor allem gehe es dabei jedoch um die Verurteilung von Ausbeutung und Korruption durch die Elite. Das Land ist geprägt von Demonstrationen und Streiks gegen Regierungschef João Lourenço. Die Hälfte der rund 38 Millionen Einwohner gilt als arm, obwohl Angola reich an Rohstoffen wie Erdöl und Diamanten ist. 

Die soziale Ungleichheit in Angola ist groß. Papst Leo XIV. besuchte auch die Bedürftigen, hier in einem Pflegeheim in Saurimo.Bild: Vatican Media/Catholic Press Photo/IMAGO

Angola: Einheit fördern

Frieden und Stabilität könnten in einem Land nicht erreicht werden, in dem nur eine kleine Zahl von Menschen den Reichtum des Landes genießt - so lautete schon in Mosambik die Botschaft von Papst Franziskus, erinnert Guilengue. "Auch in Angola gibt es viel Korruption und Ungleichheit sowie Reichtum, der sich auf eine kleine Minderheit konzentriert. Das ist die zentrale Botschaft auch in Angola."

In Angola hat der Papst Hoffnung geweckt, dass "unsere Regierung über die übermittelte Botschaft nachdenkt und dass diese Überlegungen in konkrete Maßnahmen münden", sagt ein junger Angolaner. "Damit wir in zwei oder drei Jahren auf ein würdiges Leben hoffen können. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass im nächsten Jahr Wahlen stattfinden werden." Der Papst habe den Angolanern viele Leitlinien mitgegeben, sagte auch eine junge Frau: "Wir sind begeistert."

Papst Leo will laut Guilenge nicht nur die Einheit fördern. "Er positioniert die katholische Kirche auch als moralische Stimme gegen Ungerechtigkeit und Spaltungen in der Gesellschaft, nicht nur in Afrika, sondern weltweit unter den Katholiken", sagt er - und sieht einen klaren Unterschied zu seinen Vorgängern: Das sei seine Offenheit gegenüber Staats- und Regierungschefs der Welt. 

Die Mehrheit der Äquatorialguineer sind Katholiken und leben in bitterer Armut. Sie jubelten Papst Leo XIV. bei seiner Ankunft zuBild: Andrew Medichini/AP Photo/dpa/picture alliance

Äquatorialguinea: Kluft zwischen Arm und Reich

Das kam auch in Äquatorialguinea zum Abschluss des Papstbesuches auf dem Kontinent zum Ausdruck: Der Papst ermahnte den diktatorisch regierenden Teodoro Obiang Nguema, Afrikas dienstältesten Staatschef, dass sich die Situation im Land in den letzten Jahrzehnten nicht verändert habe.

Obiang Nuema steht seit 1979 an der Spitze des Landes, das nur 1,7 Millionen Einwohner zählt, davon sind 75 Prozent katholisch. "Die Kluft zwischen einer kleinen Minderheit - ein Prozent der Bevölkerung - und der überwältigenden Mehrheit hat sich dramatisch vergrößert", kritisierte der Papst die Elite, die vom Ölreichtum des Landes profitiert.

Es sei sehr wichtig, dass ein Oberhaupt der katholischen Kirche eine klare Haltung einnehme, wenn es um die Notwendigkeit von Stabilität, insbesondere in Afrika, geht, betont Guilengue. "Wir werden erst in naher Zukunft ein besseres Bild davon haben, was die Menschen in Afrika von diesem Papst erwarten können, aber im Moment scheint er ein sehr politischer Papst zu sein."

Mitarbeit: Henri Fotso (Kamerun) und Braima Darame (Angola)

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