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Parteitag der AfD: Ausnahmezustand in Erfurt erwartet

1. Juli 2026

Die Polizei rechnet mit rund 50.000 Gegendemonstranten, wenn die AfD vom 4. bis 5. Juli in Erfurt tagt. Auf dem Parteitag selbst wird ein Machtkampf um Einfluss im Bundesvorstand erwartet.

Am 11.04.2026 protestieren in Magdeburg in Sachsen-Anhalt Menschen gegen den Landesparteitag der AfD. Auf dem Foto sind zahlreiche Menschen zu sehen, die Plakate in die Luft halten. Auf dem Plakat in der Buildmitte steht: "Gib Nazis keine Chance".
Protest gegen die AfD in Deutschland im April 2026Bild: Sebastian Willnow/dpa/picture alliance

Schon vor Beginn ihres Parteitags sorgt die in Teilen rechtsextreme AfD für zahlreiche Schlagzeilen. Die Spannbreite ist groß: Die angekündigten Massenproteste gegen die AfD, Diskussionen um ein mögliches Verbotsverfahren und auch die Machtkämpfe innerhalb der Parteispitze.

Dabei gehen die jüngsten rassistischen Ausfälle von AfD-Funktionären fast unter: Mehrere Politiker äußerten sich in den vergangenen Tagen abfällig über die deutsche Fußballnationalmannschaft: Der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Dominik Kaufner sprach Nationalspielern ab, Deutsche zu sein, weil sie keine "Volksdeutschen" seien.

Der Begriff wurde vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus geprägt, um Juden, Schwarze Menschen, Sinti und Roma als "Nicht-Deutsche" auszugrenzen. Und der einflussreiche AfD-Landesvorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, machte rassistische Witze über Schwarze Menschen in der Nationalmannschaft.

Wegen solcher Äußerungen und der generell ablehnenden Haltung der Alternative für Deutschland, AfD, gegen gesellschaftliche Vielfalt, mobilisieren mehrere Bündnisse zu Protesten gegen den Parteitag in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt.

Angekündigter Protest der Zivilgesellschaft

Dem Bündnis "Zusammenstehen" haben sich Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Menschenrechtsverbände und Sportvereine angeschlossen. Sie mobilisieren bundesweit für friedliche Demonstrationen gegen den Parteitag am 4. und 5. Juli.

Das kleinere Aktionsbündnis "Widersetzen" ruft auch zu Blockaden des Parteitags auf. Laut verschiedener Medienberichte rechnet die Polizei dabei auch mit der Anreise von gewaltbereiten Linksextremisten und wird mit tausenden Einsatzkräften vor Ort sein.

Will Recht auf Versammlungsfreiheit für AfD und friedliche Proteste durchsetzen: Thüringer Innenminister Georg Maier, SPDBild: Martin Schutt/dpa/picture alliance

Der Thüringer Innenminister Georg Maier, SPD, kündigte auf einer Sondersitzung des Landtages an, dass die Polizei das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit durchsetzen werde – sowohl für den AfD-Parteitag als auch für friedliche Proteste.

Auf dem Parteitag selbst wird die AfD einen neuen Bundesvorstand wählen. Die beiden amtierenden Parteivorsitzenden, Alice Weidel und Tino Chruppalla, stellen sich erneut zur Wahl und gelten als gesetzt.

Die Partei- und Fraktionsvorsitzenden der AfD, Alice Weidel und Tino Chrupalla im Deutschen BundestagBild: Liesa Johannssen/REUTERS

Spannend dürften die Wahlen der weiteren Vorstandsmitglieder werden. Sie entscheiden maßgeblich über die Ausrichtung der Partei. Mehrere rechtsextreme Politiker haben ihre Kandidatur angekündigt. Ein aussichtsreicher Kandidat ist Jean-Pascal Hohm, der Vorsitzende der AfD-Parteijugend Generation Deutschland. Er hatte in der Vergangenheit zahlreiche Kontakte zum rechtsextremen Vorfeld der Partei.

Mehr Einfluss für Rechtsextremisten in der Partei?

Auch der mächtige Landesvorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, scheint seinen Einfluss auf die Bundespartei ausbauen zu wollen. Im Mai kündigte einer seiner engsten Vertrauten, sein Co-Vorsitzender im Landesverband Stefan Möller, an, als stellvertretender Bundessprecher zu kandidieren. Der Thüringer AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft, da er zum Beispiel migrantische Deutsche aus muslimisch geprägten Ländern nicht als gleichwertige Staatsbürger betrachtet.

Ein aktuelles Gutachten von deutschen Verfassungsjuristen kommt auch deswegen zu dem Schluss, dass die AfD verfassungsfeindlich ist: "Die AfD richtet sich gegen das Demokratieprinzip, indem sie ihre politischen Gegner unterdrücken will. Und sie richtet sich gegen die Menschenwürde, weil ihr rassistisch geprägtes politisches Konzept unterschiedliche Klassen an Menschen etabliert", erklärte Bijan Moini, der das Gutachten als Projektleiter der Gesellschaft für Freiheitsrechte mitverantwortet hat.

Vorstellung des Gutachtens zur möglichen Verfassungswidrigkeit der AfD: Projektleiter Bijan Moini und Dana-Sophia ValentinerBild: dts Nachrichtenagentur/picture alliance

Infolge der Veröffentlichung des Gutachtens am 25. Juni 2026 forderten zahlreiche Politiker und Verbände die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens. Das müsste durch den Bundestag, die Bundesregierung oder den Bundesrat beschlossen werden. In der Folge würde dann das höchste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, über ein Verbot entscheiden.

Die AfD wehrt sich seit Jahren gegen die Vorwürfe. Sie bezeichnet Angriffe gegen ihre Partei regelmäßig als Versuch, die AfD als politischen Konkurrenten auszuschalten.

In den vergangenen Jahren konnte die Partei bei Wahlen zahlreiche Erfolge erzielen und ist in Ostdeutschland zur stärksten politischen Kraft aufgestiegen. Für die kommenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September 2026 hat die AfD angekündigt, nach den Wahlen die Ministerpräsidenten stellen zu wollen.

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