1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Pergamonmuseum Berlin: Das ist der Stand der Sanierung

Elizabeth Grenier
7. Dezember 2025

Das Museum mit dem berühmten Pergamonaltar ist seit Jahren für die Öffentlichkeit geschlossen. Jetzt steht fest: 2027 wird ein Teil des Museums wiedereröffnet. Ein erster Eindruck.

Der Pergamonaltar im Pergamonmuseum mit Baugerüst, davor Menschen, die sich unterhalten
Der Pergamonaltar während einer nicht-öffentlichen Pressebesichtigung (04.12.2025)Bild: John Macdougall/AFP

Das Pergamonmuseum ist Teil der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Museumsinsel und gehört zu den Sehenswürdigkeiten Berlins, die als "Must See" gelten. Aber das eben ist derzeit nicht möglich: Seit Oktober 2023 ist es wegen Sanierungsarbeiten komplett geschlossen, und viele Teile werden noch für 14 bis 20 Jahre geschlossen bleiben - bis 2037 oder sogar 2043.

Immerhin, einige der wichtigsten Highlights des Museums werden für die Besucher bereits ein Jahrzehnt vor Abschluss der Arbeiten zu sehen sein. Der Nordflügel und der Saal mit dem beeindruckenden Pergamonaltar, nach dem das Museum benannt ist, sollen Anfang 2027 wiedereröffnet werden. Der Saal ist seit 2014 nicht mehr zugänglich.

Ein Presserundgang am 4. Dezember gab einen Einblick in das monumentale Restaurierungsprojekt des Museums. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sprach dabei von einer "Schatztruhe der Menschheitsgeschichte", die nun wieder aufgehe. Er lobte die "weltumspannende Bedeutung" des Museums.

Der Saal bekommt im Rahmen der Sanierungsarbeiten mehr LichtBild: Elizabeth Grenier/DW

Schwer beschädigt im Zweiten Weltkrieg

Das Pergamonmuseum wurde von Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben und von 1910 bis 1930 nach Plänen von Alfred Messel erbaut. Die Restaurierung und Erweiterung des Museums orientiert sich weitgehend an den ursprünglichen Entwürfen des Architekten. Der Bau steht unter Denkmalschutz, bei der Sanierung wurden seine wichtigsten architektonischen Merkmale und ursprünglichen Bautechniken sowie verschiedene Elemente wie beispielsweise die Fenster erhalten.

1930 wurde das Pergamonmuseum eröffnet und im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe und Artilleriefeuer schwer beschädigt. Später verfügte die DDR, auf deren Gebiet sich das Museum befand, nicht über die notwendigen Mittel, um das Gebäude ordnungsgemäß zu renovieren.

Im Rahmen der derzeitigen Sanierungsarbeiten werden verschiedene Spuren der Kriegsschäden als Zeugnisse der Stadtgeschichte erhalten bleiben. Teile, die im Laufe der Zeit auf natürliche Weise verfallen sind, werden wiederhergestellt und die Beleuchtung, die Klimatisierung und die Sicherheitsstandards modernisiert, um die jahrtausendealten Exponate besser zu konservieren. Außerdem wird das gesamte Museum für Menschen mit Behinderungen zugänglich gemacht.

Baustelle Pergamonmuseum: Bis 2043 soll alles fertig seinBild: Joko/picture alliance

Instabiler Boden, hohe Kosten

Aufgrund seiner Lage auf instabilem, sandigem Boden an der Spree musste das Museum erheblich verstärkt werden. Zu diesem Zweck wurde das Fundament mit mehr als 700 Stahlstangen, sogenannten Mikropfählen, verankert. Dies führte zu einer unerwarteten technischen Herausforderung: Beim Bohren von 10 bis 30 Metern in die Erde entdeckte man zwei Pumpstationen der ursprünglichen Baustelle. Diese waren zum Abpumpen von Grundwasser gebaut, jedoch nie vollständig abgebaut worden. Eine Dokumentation gab es nicht, was zu ungeplanten Kosten im Sanierungsprozess führte.

Das Budget für diese erste Phase der Renovierung beläuft sich auf fast 500 Millionen Euro - doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Die Gesamtkosten für das Restaurierungsprojekt werden auf etwa 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Diese Highlights sind bald wieder zu sehen

Welche Schätze werden also 2027 wieder öffentlich zu sehen sein?

Der monumentale Pergamonaltar, der seit 2014 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wurde in den 1870er-Jahren von Carl Humann in der antiken Stadt Pergamon (in der heutigen Türkei) freigelegt. Er hat nach wie vor einen eigenen Raum.

Das Pergamonmuseum wurde um den Altar herum gebautBild: Elizabeth Grenier/DW

Das ursprüngliche Museum wurde speziell um diese Tempelanlage aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. herum erbaut. Der Altar, verziert mit  einem Fries in Hochrelief, der den Kampf zwischen den Giganten und den olympischen Göttern darstellt, wird oft als "Weltwunder der Antike" beschrieben. Der Raum wird nun von Licht durchflutet, da die Glaselemente der Decke komplett erneuert wurden. Er wirkt beeindruckender denn je. Über der Halle wurde eine neue Schutzdachkonstruktion, ebenfalls aus Glas, angebracht.

Da es zu kompliziert gewesen wäre, den Altar während der Renovierungsarbeiten aus dem Gebäude zu entfernen, wurden seine Elemente im Raum belassen und durch speziell für die Restaurierungsphase angefertigte Verkleidungen geschützt. 

"Es ist etwas Außergewöhnliches, im Bestand zu bauen und zu sanieren, auf diesem sehr schwierigen Grund, auf dem wir uns hier befinden und mit dieser unglaublichen Geschichte", erklärte Wolfram Weimer.

Die antiken Elemente müssen sorgfältig geschützt werdenBild: Elizabeth Grenier/DW

Aleppo-Zimmer prachtvoll restauriert

Andere wichtige Exponate wurden jedoch in neue Räume verlegt. So etwa die Mschatta-Fassade, ein Meisterwerk frühislamischer Kunst. Sie entstand zur Zeit des Kalifen al-Walid II. (743–744 n. Chr.) in der Umayyaden-Periode. Die 33 Meter lange Palastfassade wurde um 1840 nahe dem heutigen Amman, der Hauptstadt Jordaniens, freigelegt und 1903 Kaiser Wilhelm II. vom osmanischen Sultan Abdülhamid II. als Geschenk überreicht.

Das Aleppo-Zimmer, eine Reihe fein bemalter Holztafeln, die zu einem Empfangsraum gehören, wurde während der Renovierungsarbeiten ebenfalls vorsichtig demontiert und vom Südflügel in den Nordflügel des Museums verlegt. Die Malereien, die prachtvoll restauriert wurden, verbinden christliche und islamische Ikonografie und wurden 1912 in Aleppo erworben.

Das prachtvolle Aleppo-Zimmer gilt als die älteste vollständig erhaltene Wandverkleidung aus den Gebieten des osmanischen ReichesBild: Elizabeth Grenier/DW

Die Alhambra-Kuppel, eine aufwendig geschnitzte Holzkuppel aus dem 14. Jahrhundert, wurde ebenfalls vorübergehend verlegt. Der nach der Renovierung neu gestaltete Raum wird verschiedene Elemente enthalten, die die Sinne der Besucher anregen sollen, darunter Audioinstallationen mit Gedichten sowie Duftstationen, die Düfte verbreiten, die mit den Ursprüngen der Kuppel aus Zedern- und Pappelholz in Verbindung stehen.

Die Kuppel wurde 1885 aus dem berühmten ehemaligen Palast in der Alhambra, der historischen Zitadelle von Granada, Spanien, erworben. Ursprünglich in einem Privathaus installiert, wurde sie fast ein Jahrhundert später dem Pergamonmuseum gestiftet.

Zeugnis höchster Kunstfertigkeit: die Alhambra-Kuppel Bild: Elizabeth Grenier/DW

Vorfreude auf 2027

Die Sammlung des Pergamonmuseums ist außergewöhnlich, weil sie islamische Kunst und antike griechische Schätze vereint. "Was Sie hier sehen, ist weltweit einmalig: dass sich unter einem Dach Architekturen aus unterschiedlichen antiken Regionen und Zeiten befinden", sagte Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der auch das Pergamonmuseum gehört, auf dem Rundgang.

Dieses Konzept, fügte Ackermann hinzu, sei bereits bei der Gründung des Museums etabliert worden, um darauf hinzuweisen, dass die ausgestellten Antiquitäten in Mesopotamien und dem östlichen Mittelmeerraum ausgegraben worden seien - aus denselben Regionen, in denen sich die islamischen Kulturen entwickelt haben.

"Das zeigt wieder, dass Kulturen nie in Isolierung entstehen, sondern indem sie aufeinander reagieren oder in transkulturellen Prozessen", sagte Ackermann. "Und das ist natürlich auch ein sehr zeitgenössisches und zukunftsgewandtes Denken."

Weltkulturerbe-Fans können sich nun darauf freuen, zumindest einen Teil dieses Berliner Prunkstücks wiederzuentdecken - im Frühjahr 2027.

Adaption aus dem Englischen: Katharina Abel

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen