Peru: Parlament setzt Übergangspräsident José Jerí ab
18. Februar 2026
75 der 102 anwesenden Abgeordneten in Perus Parlament stimmten in der Sondersitzung dem Misstrauensantrag gegen José Jerí zu. Der Kongress in der Hauptstadt Lima debattierte dabei sieben verschiedene Anträge, in denen dem Präsidenten vorgeworfen wurde, seines Amtes nicht würdig zu sein. Es geht um den Verdacht der Korruption. Jerí weist die Anschuldigungen zurück. Zu der Debatte war er nicht eingeladen worden.
Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass sich Jerí mehrmals inoffiziell mit chinesischen Geschäftsleuten getroffen hatte. Außerdem geriet der 39-Jährige wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Einstellung von Frauen in Regierungsposten unter Druck. Die Staatsanwaltschaft leitete im Januar in zwei Fällen Vorermittlungen ein.
Jerí erst seit Oktober im Amt
Als damaliger Parlamentspräsident hatte Jerí im Oktober die Regierungsgeschäfte nach der Absetzung von Präsidentin Dina Boluarte übernommen. Boluarte war vorgeworfen worden, nicht ausreichend gegen die in dem südamerikanischen Land herrschende Gewalt und Kriminalität vorzugehen. Als Übergangspräsident sollte Jerí das Amt bis zu den für den 12. April 2026 geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fortführen. Trotz der Ausrufung des Ausnahmezustands in Lima hat sich die Sicherheitslage im Land nicht verbessert.
Peru durchlebt eine tiefe politische Krise, die durch fehlende Regierungsstabilität, aufeinanderfolgende Korruptionsskandale und mangelndes Vertrauen in die Politik geprägt ist. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Estudios Peruanos" vom Januar 2026 glauben nur elf Prozent der Befragten, dass sich durch die Wahlen im April die Situation des Landes deutlich verbessern wird.
Neuer Präsident an diesem Mittwoch
Schon an diesem Mittwoch bestimmt das Parlament einen neuen Übergangspräsidenten. Gewählt wird ein neuer Parlamentspräsident, der bis zum Amtsantritt des nächsten gewählten Präsidenten übergangsweise an der Spitze des Staates steht.
Als Kandidaten treten vier Kongressabgeordnete aus verschiedenen Parteien an. Als Favoritin gilt die ehemalige Parlamentspräsidentin María del Carmen Alva.
se/haz (epd, afp, dpa, ap, rtr)