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Pete Hegseth: Wer ist Trumps "Kriegsminister"?

18. März 2026

Er selbst sieht sich als christlicher Patriot, Kritikern gilt Pete Hegseth als rechtsextremer Scharfmacher. Für US-Präsident Trump ist der ehemalige Soldat und Fernsehkommentator vor allem ein loyaler Kriegsminister.

USA Washington D.C. 2026 | US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei Pressekonferenz
US-Verteidigungsminister Hegseth am 2. März 2026 im Pentagon über den Militäreinsatz im Iran: "Keine dummen Einsatzregeln, kein Sumpf des Nation-Building, keine Demokratieübungen, kein Kampf um die Herzen und Köpfe"Bild: Brendan Smialowski/AFP

Für markige Worte ist US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schon lange bekannt. Das war schon so, als er noch als Journalist beim konservativen US-Fernsehsender Fox News Donald Trumps Ernsthaftigkeit und politische Instinkte feierte. Vor allem bei Trump und den Anhängern seiner MAGA-Bewegung ("Amerika wieder stark machen") kommt das gut an.

Doch inzwischen ist Hegseth Chef der stärksten Armee der Welt und nennt sich - auf Trumps Geheiß - "Kriegsminister". Da lässt es weltweit aufhorchen, wenn er Worte wählt, die an der Grenze des internationalen Rechts entlangschrammen. In einer Pressekonferenz zum Krieg gegen den Iran Anfang März bezeichnete er die Einsatzregeln für US-Soldaten als "bescheuert" ("stupid"). Damit zog er Regeln in Zweifel, die im Kern Zivilisten schützen und Kriegsverbrechen verhindern sollen. Mitte März legte er nach und kündigte "no quarter, no mercy for our enemies" im Iran an, auf Deutsch etwa: kein Pardon, keine Gnade für unsere Feinde. 

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Aus der Militärsprache übersetzt heiße dies, man werde auch diejenigen töten, die sich ergeben haben, erklärt die Völkerrechtlerin Jacqueline Hellman von der Universidad Complutense de Madrid: "Die Aussage spielt auf eine ausdrücklich verbotene Praxis an." Als reine Rhetorik sei dies nicht strafbar, der Satz könne aber als Kriegsverbrechen eingeordnet werden, wenn er als Befehl formuliert entsprechende Handlungen durch die Streitkräfte nach sich ziehe.

Hadert Hegseth mit dem Völkerrecht?

Es ist nicht das erste Mal, dass Kritiker Hegseth in Verbindung mit Kriegsverbrechen bringen. Bei einem der - ohnehin umstrittenen - Angriffe des US-Militärs auf mutmaßliche Schmugglerboote aus Venezuela hatte es zwei Überlebende gegeben, die dann durch einen zweiten Schlag getötet wurden. Zunächst berichteten Medien, dies sei geschehen, weil Hegseth befohlen habe, niemanden überleben zu lassen. Der Verteidigungsminister wies das von sich. Auch der befehlshabende Admiral Frank "Mitch" Bradley sagte aus, er habe die Entscheidung selbst getroffen.

Beim Abschuss eines mutmaßlichen "Drogenboots" soll Hegseth befohlen haben, dass "keiner überleben" soll. Der Verteidigungsminister streitet das abBild: US Southern Command/AFP

Gleichwohl gibt es weitere Hinweise darauf, dass der Hegseth mit den Genfer Konventionen und dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs fremdelt. Im Podcast des ehemaligen Elitesoldaten Shawn Ryan nahm er drei ehemalige US-Soldaten in Schutz, die wegen Kriegsverbrechen verurteilt und 2019 von Trump begnadigt worden waren. Er bezeichnete die Einsatzregeln als "unmöglich" und sagte, sie seien "geschrieben, um zu verlieren, um unsere Jungs in Handschellen" zu legen. Als Beispiel nannte er die Regel, dass US-Soldaten erst dann auf bewaffnete mutmaßliche Feinde schießen dürfen, wenn diese auf sie anlegten. Im Irak habe er seinen Untergebenen gesagt: "Jungs, das machen wir nicht!"

Der Frontsoldaten als Kriegsminister

Pete Hegseth, geboren 1980, wuchs in einem Vorort des Ballungsraums Minneapolis/Saint Paul in Minnesota auf. Nach der High School studierte er Politik an der Eliteuniversität Princeton, wo er als Herausgeber des "Princeton Tory" zu einem konservativen Wortführer der Uni avancierte.

Nach dem Abschluss meldete er sich 2003 zum Militärdienst. Während seines aktiven Dienstes absolvierte er Einsätze im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba, im Irak und in Afghanistan, erhielt mehrere Auszeichnungen und erreichte den Rang eines Majors. 2014 wechselte Hegseth in die Reserve der Nationalgarde.

Gleichzeitig begann er seine Arbeit bei Fox News als Kommentator und Moderator, die ihn einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte. Hegseth inszenierte sich zunehmend als erfahrener Frontsoldat mit gestähltem Körper und eisernem Kampfeswillen für konservative Werte - unter anderem mit nacktem Oberkörper in Social-Media-Posts und Büchern wie "Modern Warriors" (Moderne Krieger) und "American Crusade" (Amerikanischer Kreuzzug). 

Extremismusvorwürfe gegen den Verteidigungsminister

Bis 2024 blieb Hegseth Reservist der Nationalgarde, schied dann aber auf eigenen Wunsch aus, nachdem ihn Kameraden aus seiner Einheit als möglichen Extremisten angezeigt hatten. Grund dafür sollen Social-Media-Posts und seine Tätowierungen sein, wie er im Podcast "Shawn Ryan Show" sagte. Auf seiner Brust prangt das sogenannte Jerusalem-Kreuz, das erstmals als Zeichen der Kreuzfahrer dokumentiert ist, auf seinem Bizeps der lateinische Schriftzug "Deus Vult" (Deutsch: Gott will es), der nicht nur ein Schlachtruf der Kreuzfahrer war, sondern auch in rechtsextremen Milieus populär ist. 

Neben seiner Identifikation mit Kreuzrittern gibt auch seine Kirchenmitgliedschaft Hinweise auf sein Glaubenssystem: Hegseth gehört der Communion of Reformed Evangelical Churches (CREC) an - einer Bewegung, deren Anführer aus den USA einen christlichen Gottesstaat machen möchte.

Kontroversen um die fachliche Eignung

Als bekannt wurde, dass Trump Hegseth zum Verteidigungsminister ernennen wollte, regte sich auch in der eigenen Partei Widerstand. Viele hätten einen klassischen Verteidigungspolitiker bevorzugt. Doch Trump setzte sich durch und erklärte seine Wahl unter anderem so: "Pete ist hart, klug und ein überzeugter Anhänger von 'America First'." 

Hegseths Loyalität schien wichtiger zu sein als seine Eignung für das Amt - denn politische Erfahrung hatte er kaum vorzuweisen: 2012 trat er der Republikanischen Partei bei, um in Minnesota für den US-Senat zu kandidieren, zog die Kandidatur aber alsbald zurück. Weitere Kontakte in die Politik knüpfte er als Präsident der Organisation "Concerned Veterans of America" (Deutsch: Besorgte Veteranen Amerikas). Als Trump ihn 2016 als Minister für Veteranenangelegenheiten in Erwägung zog, protestierten mehrere Veteranenorganisationen.

Zweifel an Hegseths Eignung für sein Amt wuchsen im März 2026. Der demokratische Kongressabgeordnete Jason Crow spricht über geheime Informationen über Militäreinsätze im Jemen, die Hegseth in einem Signal-Chat unter Beteiligung eines Journalisten preisgabBild: Kayla Bartkowski/Getty Images/AFP

Dennoch berief ihn Trump 2025 zum Verteidigungsminister in sein Kabinett. Während des Bestätigungsverfahrens im US-Senat musste er sich kritischen Fragen stellen. Die Republikanerin Joni Ernst etwa, selbst Irak-Veteranin, befragte ihn ausführlich zu seinem Verständnis über die Rolle von Frauen im Militär. Hegseth hatte sich zuvor gegen den Kampfeinsatz von Frauen und Diversität im Militär ausgesprochen. Dem Senat gegenüber relativierte er einige dieser Positionen, betonte aber, dass Effektivität im Militär wichtiger sei als Gleichstellungspolitik. 

Hinzu kamen Zweifel an seiner charakterlichen Eignung: Eine Frau hatte nach einer außergerichtlichen Zahlung ihren Vorwurf fallen lassen, Hegseth habe sie im Jahr 2017 sexuell genötigt. Als designierter Minister betonte er, dass die Affäre einvernehmlich gewesen sei, bezeichnete sie aber als schweres Fehlverhalten gegenüber seiner damaligen Ehefrau. Auch Vorwürfe von unterschiedlichen Seiten, er habe ein Alkoholproblem, stritt Hegseth ab.

"Das Kriegerethos wiederherstellen"

Die entscheidende Abstimmung im Senat ging unentschieden aus - auch drei Republikaner hatten gegen ihn gestimmt. Verteidigungsminister wurde Hegseth, weil ihn JD Vance als Vizepräsident, dem in solchen Fällen die entscheidende Stimme zukommt, seine Ernennung befürwortete.

Hegseth heizt führenden Militärs am 30. September 2025 in Quantico, Virginia, ein, um "das Kriegerethos wiederzuherstellen"Bild: Andrew Harnik/Getty Images/dpa/picture alliance

Seither hat Hegseth seine Pläne, Diversität aus den US-Streitkräften als Kriterium zu verbannen, weiterverfolgt. Einige Beobachter ordnen die Entlassung und Degradierung einiger langjähriger Generäle in diesen Zusammenhang ein.

Im März 2025 geriet er wegen geleakten Geheiminformationen unter Druck, die er wohl versehentlich in Chats mit Journalisten und anderen nicht berechtigten Personen preisgegeben hatte.

Für Aufsehen sorgte der Verteidigungsminister im September 2025, als er Hunderte US-Generäle - einige davon in laufenden Missionen rund um die Welt - zu einem Treffen auf der Marine Base in Quantico (Virginia) beorderte, um sie gemeinsam mit Donald Trump auf seinen Kurs einzuschwören. Der bedeutet nach Hegseths eigenen Worten vor allem, "das Kriegerethos wiederzuherstellen".

Jan D. Walter Jan ist Redakteur und Reporter der deutschen Redaktion für internationale Politik und Gesellschaft.
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