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Film

Peter Simonschek erhält Ernst-Lubitsch-Preis

Bettina Baumann
28. Januar 2017

Mit schiefen Zähnen und Zottelperücke spielte er sich als Vater von Workaholic-Tochter Ines in die Herzen der Zuschauer und Kritiker. Für seine komödiantische Leistung in "Toni Erdmann" wird Simonischek erneut geehrt.

Toni Erdmann Filmstill Sandra Hüller
Bild: picture-alliance/dpa/Komplizen Film

"Toni... Toni Erdmann. I am consultant and coach", stellt sich Winfried Conradi mit Perücke auf dem Kopf und großem Gebiss im Mund den Geschäftsfreundinnen seiner Tochter in einem schicken Bukarester Restaurant vor. Unglaubwürdiges Gelächter. Doch dabei bleibt es nicht, sein Alter Ego legt Winfried nicht mehr ab, entlarvt von nun an auf tragisch-komische Art und Weise die Verbissenheit seiner Tochter (Sandra Hüller) und versucht, ihr diese auszutreiben. Urkomisch fanden das Kritiker wie Kinobesucher, aber auch die Jurys der Golden Globes und des Europäischen Filmpreises, mit dem Maren Ades Film gleich fünfmal ausgezeichnet wurde. Im Februar könnte der Film dann sogar den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewinnen.

"Ein moderner Till Eulenspiegel"

Doch zunächst darf sich erst einmal Toni-Erdmann-Darsteller Peter Simonischek nach Erhalt des Europäischen Filmpreises über eine weitere Auszeichnung freuen: Denn am 29. Januar bekommt er im Berliner Babylon Kino den undotierten Ernst-Lubitsch-Preis verliehen, mit dem jährlich die beste komödiantische Leistung im deutschsprachigen Film geehrt wird. "Toni Erdmann ist ein Juwel im deutschen Komödienallerlei. (...) Simonischek gelingt es, hinter der Narrenmaske dieses nur äußerlich tumben Einfaltspinsels eine gelassene Weisheit aufblitzen zu lassen, mit der er wie ein moderner Till Eulenspiegel einer durchgetakteten Geschäftswelt den Spiegel vorhält", schreibt die 20-köpfige Jury in ihrer Begründung für die Preisverleihung. Toni Erdmann sei eine der "faszinierendsten und denkwürdigsten Kinofiguren der jungen deutschen Kinogeschichte".

Die Szene spricht für sich - Tochter Ines (Sandra Hüller) ist vom Alter Ego ihres Vaters mächtig genervtBild: Komplizen Film

Von der Bühne auf die Kinoleinwände dieser Welt 

Für den aus Graz stammenden Peter Simonischek bedeutete die Rolle in "Toni Erdmann" den ganz großen Durchbruch - mit 70 Jahren. Er sei niemand, der mit Zielstrebigkeit auf etwas hinarbeite, sondern eher jemand, der "schaut, was kommt und dann seine Chance ergreift", sagte er der Süddeutschen Zeitung im August 2016. Und so liest sich auch seine Biografie: Denn ehe Peter Simonischek die Kinoleinwand bespielte, war er lange Zeit vor allem für seine Bühnen- und später auch Fernsehauftritte bekannt.

Zu Beginn seiner Karriere spielte der Österreicher am Schauspielhaus Graz und am Stadttheater St. Gallen. Es folgten Stationen in Bern, Darmstadt, Düsseldorf und schließlich an der Berliner Schaubühne, dessen Ensemble er ab Beginn der Spielzeit 1979/80 bis 1999 angehörte. Die Zusammenarbeit in Berlin mit renommierten Regisseuren wie Dieter Dorn, Luc Bondy oder Peter Stein waren prägend für ihn. Doch auch seiner Heimat blieb er treu und kehrte für Engagements bei den Salzburger Festspielen immer wieder dorthin zurück, spielte von der Fachwelt gefeierte Rollen wie Okeanos in Grübers Version von Aischylos und Handkes "Prometheus, gefesselt" oder den Leonid in Tschechows "Der Kirschgarten" unter der Regie von Peter Stein. Schon damals begeisterte Simonischek mit seinem Spiel - noch auf der Theaterbühne - das Publikum in Deutschland wie in Österreich. 

Rekord als "Jedermann"

Mit Beginn der Spielzeit 1999/2000 band sich Simonischek schließlich an das Wiener Burgtheater und damit an eine der wichtigsten Bühnen Europas. Simonischek mutierte zum regelrechten Publikumsmagneten, glänzte unter anderem in Horváths "Der jüngste Tag" und der deutschsprachigen Erstaufführung des Edward-Albee-Stücks "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?" (2004). 

Bis er als Toni Erdmann in Erscheinung trat, dürfte Simonischek jedoch mit kaum einer anderen Rolle stärker verbunden worden sein als mit dem Jedermann. Diesen verkörperte er bei den Salzburger Festspielen in Hugo von Hofmannsthals Stück "Jedermann. Spiel vom Sterben des reichen Mannes" insgesamt acht Jahre lang und 91 Mal. Das ist Rekord in der Geschichte der Festspiele. Für seine beeindruckende Bühnenpräsenz wurde Simonischek 2016 mit dem renommierten österreichischen Ehrentitel "Kammerschauspieler" ausgezeichnet.Anfang der 2000er Jahre machte er sich schließlich auch vor der Kamera einen Namen und bewies in verschiedenen Genres einmal mehr, wie vielseitig er ist: sei es bei seinen Auftritten in der deutschen Krimi-Serie "Bella Block" an der Seite von Hannelore Hoger, im grimmeprämierten Drama "Liebesjahre" (2011), in Historienfilmen ("Geliebter Johann, geliebte Anna", 2009), in Thrillern oder Komödien ("Der Kaktus", 2009). Nun erhält Peter Simonischek den Ernst-Lubitsch-Preis für seine Leistung in "Toni Erdmann".

Peter Simonischek 2004 als Jedermann an der Seite von Veronika Ferres Bild: picture-alliance/AP Photo/A. Schaad

Der Ernst-Lubitsch-Preis ist nach dem gleichnamigen, 1922 in die USA emigrierten Berliner Regisseur benannt, der Komödien-Evergreens wie "Ninotschka", "Ärger im Paradies" und "Sein oder Nichtsein" schuf. Am 29. Januar jährt sich sein Geburtstag zum 125. Mal.

Die Idee, ihm zu Ehren einen Preis zu schaffen, stammt von Billy Wilder. Unter den Preisträgern der seit 1958 vergebenen Trophäe finden sich Gert Fröbe, Katja von Garnier, Heinz Rühmann, Ursela Monn, Loriot, Sophie Rois, Mario Adorf, Christiane Hörbiger, Til Schweiger, Leander Haußmann, Katja Riemann, Dieter Hallervorden und zuletzt Anke Engelke.

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