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Petersberger Klimadialog: "Krise der fossilen Energien"

21. April 2026

Der Bundesumweltminister sieht Rückenwind für saubere Energie - weil der Iran-Krieg die Preise für Öl, Benzin und Gas in die Höhe getrieben hat. Umweltschützer fordern mehr Glaubwürdigkeit.

Deutschland Berlin 2026 | Carsten Schneider spricht beim 17. Petersberger Klimadialog, vor ihm ist sein Bild auf Monitoren zu sehen
"Unabhängiger werden von teurem und unsicherem Öl und Gas": Bundesumweltminister Carsten SchneiderBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Zum Auftakt des Petersberger Klimadialogs hat Bundesumweltminister Carsten Schneider für die Energiewende geworben. Die aktuelle Energiepreiskrise sei eine "Krise der fossilen Energien", sagte er in Berlin vor zahlreichen Amtskollegen aus aller Welt. Fossile Energien lieferten nicht die verlässliche Grundlage, die Menschen, Unternehmen und Volkswirtschaften benötigten. "Wir müssen unabhängiger werden von teurem und unsicherem Öl und Gas.“

Erneuerbare Energien bezeichnete der SPD-Politiker als "Sicherheitsenergien", deren Ausbau wegen der Klima- und Versorgungssicherheit vordringlich sei. Die aktuelle Lage biete eine Chance für klimapolitische Fortschritte, betonte Schneider. Erneuerbare Energien, Elektromobilität und Wärmepumpen seien die richtigen Antworten auf die Entwicklungen in der Straße von Hormus. Eine iranische Blockade der Meerenge am Persischen Golf hatte die Öl- und Benzinpreise weltweit in die Höhe getrieben.

"Kosten-Chaos" durch Iran-Krieg

Der Chef des UN-Klimasekretariats, Simon Stiell, rief die Teilnehmer zur Zusammenarbeit auf, um der Bedrohung durch die Erderwärmung entgegenzuwirken. "Nie zuvor war die Notwendigkeit, das Handeln zu beschleunigen, so offensichtlich wie heute." Stiell erwähnte ebenfalls den Preisanstieg bei fossilen Brennstoffen durch den Iran-Krieg und sprach von einem "Kosten-Chaos". Dies belaste Volkswirtschaften weltweit und schränke den politischen Handlungsspielraum ein. Saubere und bezahlbare Energie könne dagegen die Versorgungssicherheit stärken.

Kompromisse ausloten: Murat Kurum, türkischer Umweltminister (links), neben seinem deutschen Kollegen Carsten SchneiderBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch erklärte, die stark gestiegenen Preise für Öl und Gas beschleunigten in vielen Ländern den Ausbau erneuerbarer Energien. Der Petersberger Klimadialog müsse diese Dynamik aufgreifen und die internationale Klimazusammenarbeit stärken.

Behelmte Aktivisten in Kanus

Greenpeace warf der Bundesregierung vor, mit wenig Glaubwürdigkeit in die Gespräche zu gehen. Sie sei Gastgeberin einer Klimaschutzkonferenz, drossele aber im eigenen Land die Anstrengungen zum Klimaschutz, sagte der geschäftsführende Vorstand Martin Kaiser. Das zeige sich etwa "beim Verbrenner-Aus, der Blockade eines deutschlandweiten Tempolimits oder beim Heizen mit Öl und Gas". Vor dem Tagungsgebäude im Berliner Westhafen demonstrierten mehrere behelmte Aktivisten in Kanus.

"Wenig glaubwürdig": Greenpeace-Protest im Berliner Westhafen gegen die deutsche KlimapolitikBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Der zweitägige Petersberger Klimadialog soll den klimapolitischen Austausch voranbringen und die UN-Klimakonferenz COP31 vorbereiten, die Ende des Jahres in der Türkei stattfinden soll. Am Mittwoch wird Bundeskanzler Friedrich Merz als Redner erwartet. Eingeladen waren Minister aus mehr als 40 Ländern; insgesamt sind rund 400 Teilnehmer angemeldet.

Kompromisse hinter der Bühne

Benannt ist die Konferenz nach dem Petersberg bei Bonn, wo 2010 im dortigen Gästehaus der Bundesregierung der erste Klimadialog stattfand. 2011 zog die Veranstaltung, auf der traditionell auch mögliche Kompromisse im Vorfeld der UN-Klimakonferenzen ausgelotet werden, in die Hauptstadt Berlin.

jj/wa (dpa, afp, epd)

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