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Weihnachten im Dauereinsatz

Stephanie Höppner27. Dezember 2013

Krankenbesuche, Single-Treff und Christmette: Pfarrer hatten an Weihnachten Hochbetrieb. Zwischen Pfarrhaus und Kirche blieb deshalb nur wenig Zeit für Privates. Für Oliver Ploch war es dennoch eine besondere Zeit.

Pfarrer Oliver Ploch von der Bonner Thomas-Kirchengemeinde (Foto. Stephanie Höppner/DW)
Bild: DW/S. Höppner

Predigen, Einsame trösten und ganz viele Hände schütteln: An Weihnachten sind Pfarrer Seelsorger und Show-Master in einem. "Es gibt nichts Schöneres, als wenn man spüren darf, dass die Menschen das erwarten und ersehnen, wofür wir stehen", sagt Oliver Ploch. "Aber hinterher ist man schon geschafft." Ploch ist Pfarrer in der evangelischen Bonner Thomas-Kirchengemeinde. Neben dem Kindergottesdienst mit Krippenspiel, der Christvesper am späten Nachmittag und der nächtlichen Christmette hat er an Heiligabend auch noch zum Gottesdienst für Singles und Familienmuffel eingeladen. "Für viele, die alleine leben, ist Weihnachten ein Horrorszenario, besetzt von Erwartungen und Gefühlen", sagt er. "Das dann in Gemeinschaft zu erleben, ist ein besonderes Angebot, das ich mir ausgedacht habe."

Sein Programm an den Weihnachtstagen liest sich wie der durchgeplante Tag eines Top-Managers: Am Vormittag Seelsorge und Besuche im Krankenhaus, am Nachmittag und Abend drei Gottesdienste. Dazwischen: Kirche umräumen, Kollekte einsammeln, aufgeregte Kinder vor dem Krippenspiel beruhigen, stimmungsvolle Musik und Licht mit Kantorin und Küsterin abstimmen und zu guter Letzt - die Menschen begrüßen. Und das sind viele: Der humorvolle Ploch ist bei seiner Gemeinde sehr beliebt, die Gottesdienste sind schon während des Jahres überdurchschnittlich gut besucht. An den Feiertagen ist die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt.

Engel, Stern und mittendrin der Pfarrer: letzte Vorbereitungen für das KrippenspielBild: DW/S. Höppner

Herausforderung Weihnachtsgottesdienst

Viele kommen schon eine Stunde früher, um sich und ihren Familienmitgliedern mit Jacken und Schals Plätze zu reservieren. "Wie in Mallorca", scherzt Ploch. "Aber dass viermal hintereinander die Kirche extrem gefüllt ist, das ist ein Glücksfall." Für ihn ist das volle Gotteshaus eine besondere Herausforderung. Denn gerade die Menschen, die selten kommen, will er ansprechen. "Ich will ihnen etwas mitgeben, wo sie sagen, da hat mich etwas berührt, da will ich noch mal hin." Die Menschen mitreißen - das scheint Ploch zumindest im Kindergottesdienst geschafft zu haben: "Lasst mich mich hier nicht alleine zum Affen machen", ruft er fröhlich. Mit Erfolg: Nach anfänglichem Zögern stimmt die ganze Gemeinde lauthals ein, um auf die Melodie von DJ Ötzis Kneipenhit "Ein Stern, der deinen Namen trägt" mitzusingen.

Lieber eine Stunde früher da - Gemeindemitglieder strömen in die KircheBild: DW/S. Höppner

Auch das Essen an den Weihnachtstagen gibt es stets in Gemeinschaft: Nach dem Single-Gottesdienst Kartoffelsalat und Würstchen, nach Abschluss der Christmette Glühwein. Sein Privatleben muss Ploch in der Zeit deshalb hintanstellen. "Aber in diesem Jahr ist das kein Problem", sagt er. Sein Lebensgefährte ist Altenpfleger und muss über die Feiertage ebenfalls arbeiten. Die gemeinsame Zeit beschränkt sich auf späte Stunden zwischen Dienstschluss und Christmette. Plochs Partner hilft bei den Vorbereitungen. "Das ist dann auch gemeinschaftlich erlebte Zeit." Immerhin: Den 25. Dezember konnte der Pfarrer mit seinen Eltern verbringen.

Alte Erinnerungen

Trotz des Stresses - für Pfarrer Ploch ist Weihnachten auch ein Stück Alltag. "Viele denken ja, der Pfarrer arbeitet an Heiligabend und ein bisschen sonntags und das war es dann", sagt er. "Aber so ist es ja nicht." Auch das restliche Kirchenjahr verlangt viel Vorbereitung - wie etwa der Erntedankgottesdienst, die Konfirmation oder Ostern.

Auch nach den Weihnachtstagen gefragt: Pfarrer PlochBild: DW/S. Höppner

"Doch für viele Menschen hat Weihnachten die intimste und größte Bedeutung", glaubt er. Gerade in diesen Tagen werde den meisten bewusst, dass im Leben nicht immer alles glatt läuft. "Gleichzeitig kommen alte Erinnerungen aus den Kindheitstagen auf." Einsamkeit - das gebe es nicht nur bei alten Menschen, sondern auch bei Studenten, die zum Beispiel weit weg vom Elternhaus das Fest verbringen. Für ihn geht es deshalb auch nach Festtagen weiter - denn viele bräuchten gerade dann einen Ansprechpartner

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