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Rekordsperre gegen US-Dressurreiter Parra wegen Tierquälerei

7. August 2025

Wegen schwerer Misshandlung seiner Pferde wird Cesar Parra mit einer Rekordstrafe belegt, die faktisch lebenslang gilt. Olympiasiegerin Charlotte Dujardin nimmt dagegen wieder an Turnieren teil.

Dressurreiter Cesar Parra auf seinem Pferd Van The Man im Jahr 2012
US-Dressurreiter Cesar Parra darf 15 Jahre lang nicht als Reiter, Trainer oder Betreuer in Erscheinung treten (Archivbild)Bild: Icon SMI/IMAGO

Der Pferdesport-Weltverband FEI hat den US-Dressurreiter Cesar Parra mit einer ungewöhnlich langen Sperre belegt - mit gravierenden Folgen für dessen Karriere und berufliches Umfeld.

15 Jahre lang darf der gebürtige Kolumbianer weder an Turnieren teilnehmen noch FEI-registrierte Pferde trainieren oder andere Reiterinnen und Reiter betreuen. Er muss zudem eine Geldstrafe von 15.000 Schweizer Franken zahlen (knapp 16.000 Euro) sowie die Gerichtskosten von 10.000 Franken tragen.

"Wiederholt schwere Misshandlungen"

Grund für die bislang längste Sperre in der Geschichte des internationalen Pferdesportverbands sind nach FEI-Angaben Verstöße gegen die Grundsätze des Tierschutzes. Sie basiert auf drei Anklagepunkten: der Misshandlung von Pferden, dem Verhalten, das dem Ruf der FEI und des Pferdesports schadet, und einem Verstoß gegen den FEI-Tierschutzkodex. Die Vorwürfe waren durch umfangreiches Video- und Fotomaterial dokumentiert.

Parra habe über mehrere Jahre hinweg "wiederholt und vorsätzlich die meisten, wenn nicht sogar alle Pferde, die er besaß und trainierte, wiederkehrenden und schweren Misshandlungen ausgesetzt", hieß es von Seiten des US-Reitsportverbands USEF.

Offener Brief an FEI von Isabell Werth und Co.

Der Fall Parra und weitere Fälle von Misshandlungen und Tierquälerei im Dressursport hatten im Frühjahr 2024 dazu geführt, dass internationale Top-Dressurreiterinnen und -reiter einen offenen Brief an die FEI sendeten, um auf die schwerwiegenden Auswirkungen solcher Skandale hinzuweisen. Zu den Initiatorinnen gehörte auch die deutsche Ausnahmereiterin Isabell Werth.

Dressurreiterin Isabell Werth mahnt einen besseren Umgang mit den Pferden an Bild: Malte Ossowski/Sven Simon/IMAGO

Die Bilder seien "sehr hässlich" und müssten Konsequenzen haben, sagte Werth damals. Gleichzeitig plädierte sie für eine differenzierte Diskussion, die zwischen schlechtem Reiten und tatsächlicher Tierquälerei unterscheide. Sie warnte davor, dass die Kontroverse den Sport spalten könnte, obwohl alle Beteiligten die Liebe zu den Pferden eine.

Hinter allem stand vor allem die Sorge, dass die Zukunft des Dressurreitens als Disziplin der Olympischen Spiele aufgrund der Vorkommnisse gefährdet sein könnte. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner forderten die FEI daher auf, entschlossen durchzugreifen, um das Vertrauen in den Pferdesport wiederherzustellen und das Wohl der Pferde konsequent zu schützen.

Faktisches Karriereende für Parra

Im Fall Parra hat der Weltverband das nun getan. Der gebürtige Kolumbianer war bereits seit dem 2. Februar 2024 vorläufig suspendiert.

Er hatte seit 1998 an internationalen Wettkämpfen teilgenommen, zunächst für sein Heimatland Kolumbien, unter anderem bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Nach dem Wechsel der Staatsangehörigkeit im Jahr 2008 trat Parra für die Vereinigten Staaten unter anderem bei den Panamerikanischen Spielen 2011 an.

Da Parra bereits 62 Jahre alt ist, bedeutet die Sperre faktisch das Ende seiner aktiven Laufbahn, sollte das Urteil Bestand haben. Allerdings hat er noch die Möglichkeit, beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) innerhalb von 21 Tagen Berufung einzulegen.

Charlotte Dujardin nach Sperre zurück

Die dreimalige Dressur-Olympiasiegerin Charlotte Dujardin hat dagegen nach Ablauf ihrer Sperre ihr Comeback im Turniersport gegeben. Mit ihrem neuen Pferd Special Effect gewann Dujardin bereits am Sonntag mit deutlichem Vorsprung zwei Prüfungen im englischen Cirencester. Die Teilnahme der britischen Topreiterin war allerdings vorher nicht öffentlich angekündigt worden.

Dujardin war wegen Misshandlung eines Pferdes für ein Jahr gesperrt gewesen. Kurz vor den Olympischen Spielen von Paris war ein altes Video öffentlich geworden, auf dem Dujardin einem Pferd im Training immer wieder mit einer Peitsche auf die Beine schlägt.

Olympiasiegerin Charlotte Dujardin fügte ihrer Reputation durch den Misshandlungsfall schweren Schaden zuBild: Stefan Lafrentz/IMAGO

Im Dezember hatte der Weltverband FEI das Strafmaß verkündet. Die Sperre begann rückwirkend ab dem 23. Juli 2024, dem Datum ihrer vorläufigen Suspendierung. Zudem musste Dujardin eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Schweizer Franken (ca. 10.700 Euro) zahlen.

Ein Sprecher des britischen Reiterverbands British Equestrian hatte gegenüber einer deutschen Nachrichtenagentur zuletzt bestätigt, dass Dujardin "wieder an Wettkämpfen teilnehmen und im Rahmen von British Dressage [offizieller Verband für den Dressursport in Großbritannien - Anm. d. Red.] trainieren kann".

Ihre weiteren Pläne kommentierte der Verband aber nicht - auch das Management Dujardins und die Reiterin selbst machte keine Angaben dazu. Ob und wann sie auf internationale Turniere zurückkehren wird, bleibt offen.

Ihre Spitzenpferde Kismet und Imhotep hatte Dujardin während ihrer Suspendierung verkauft. Die Stute Kismet wurde für einen nicht bekannten Preis von der deutschen Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl gekauft.

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