Wegen schwerer Misshandlung seiner Pferde wird Cesar Parra mit einer Rekordstrafe belegt, die faktisch lebenslang gilt. Olympiasiegerin Charlotte Dujardin nimmt dagegen wieder an Turnieren teil.
US-Dressurreiter Cesar Parra darf 15 Jahre lang nicht als Reiter, Trainer oder Betreuer in Erscheinung treten (Archivbild)Bild: Icon SMI/IMAGO
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Der Pferdesport-Weltverband FEI hat den US-Dressurreiter Cesar Parra mit einer ungewöhnlich langen Sperre belegt - mit gravierenden Folgen für dessen Karriere und berufliches Umfeld.
15 Jahre lang darf der gebürtige Kolumbianer weder an Turnieren teilnehmen noch FEI-registrierte Pferde trainieren oder andere Reiterinnen und Reiter betreuen. Er muss zudem eine Geldstrafe von 15.000 Schweizer Franken zahlen (knapp 16.000 Euro) sowie die Gerichtskosten von 10.000 Franken tragen.
"Wiederholt schwere Misshandlungen"
Grund für die bislang längste Sperre in der Geschichte des internationalen Pferdesportverbands sind nach FEI-Angaben Verstöße gegen die Grundsätze des Tierschutzes. Sie basiert auf drei Anklagepunkten: der Misshandlung von Pferden, dem Verhalten, das dem Ruf der FEI und des Pferdesports schadet, und einem Verstoß gegen den FEI-Tierschutzkodex. Die Vorwürfe waren durch umfangreiches Video- und Fotomaterial dokumentiert.
Parra habe über mehrere Jahre hinweg "wiederholt und vorsätzlich die meisten, wenn nicht sogar alle Pferde, die er besaß und trainierte, wiederkehrenden und schweren Misshandlungen ausgesetzt", hieß es von Seiten des US-Reitsportverbands USEF.
Offener Brief an FEI von Isabell Werth und Co.
Der Fall Parra und weitere Fälle von Misshandlungen und Tierquälerei im Dressursport hatten im Frühjahr 2024 dazu geführt, dass internationale Top-Dressurreiterinnen und -reiter einen offenen Brief an die FEI sendeten, um auf die schwerwiegenden Auswirkungen solcher Skandale hinzuweisen. Zu den Initiatorinnen gehörte auch die deutsche Ausnahmereiterin Isabell Werth.
Dressurreiterin Isabell Werth mahnt einen besseren Umgang mit den Pferden an Bild: Malte Ossowski/Sven Simon/IMAGO
Die Bilder seien "sehr hässlich" und müssten Konsequenzen haben, sagte Werth damals. Gleichzeitig plädierte sie für eine differenzierte Diskussion, die zwischen schlechtem Reiten und tatsächlicher Tierquälerei unterscheide. Sie warnte davor, dass die Kontroverse den Sport spalten könnte, obwohl alle Beteiligten die Liebe zu den Pferden eine.
Hinter allem stand vor allem die Sorge, dass die Zukunft des Dressurreitens als Disziplin der Olympischen Spiele aufgrund der Vorkommnisse gefährdet sein könnte. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner forderten die FEI daher auf, entschlossen durchzugreifen, um das Vertrauen in den Pferdesport wiederherzustellen und das Wohl der Pferde konsequent zu schützen.
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Faktisches Karriereende für Parra
Im Fall Parra hat der Weltverband das nun getan. Der gebürtige Kolumbianer war bereits seit dem 2. Februar 2024 vorläufig suspendiert.
Er hatte seit 1998 an internationalen Wettkämpfen teilgenommen, zunächst für sein Heimatland Kolumbien, unter anderem bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Nach dem Wechsel der Staatsangehörigkeit im Jahr 2008 trat Parra für die Vereinigten Staaten unter anderem bei den Panamerikanischen Spielen 2011 an.
Da Parra bereits 62 Jahre alt ist, bedeutet die Sperre faktisch das Ende seiner aktiven Laufbahn, sollte das Urteil Bestand haben. Allerdings hat er noch die Möglichkeit, beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) innerhalb von 21 Tagen Berufung einzulegen.
Charlotte Dujardin nach Sperre zurück
Die dreimalige Dressur-Olympiasiegerin Charlotte Dujardin hat dagegen nach Ablauf ihrer Sperre ihr Comeback im Turniersport gegeben. Mit ihrem neuen Pferd Special Effect gewann Dujardin bereits am Sonntag mit deutlichem Vorsprung zwei Prüfungen im englischen Cirencester. Die Teilnahme der britischen Topreiterin war allerdings vorher nicht öffentlich angekündigt worden.
Dujardin war wegen Misshandlung eines Pferdes für ein Jahr gesperrt gewesen. Kurz vor den Olympischen Spielen von Paris war ein altes Video öffentlich geworden, auf dem Dujardin einem Pferd im Training immer wieder mit einer Peitsche auf die Beine schlägt.
Olympiasiegerin Charlotte Dujardin fügte ihrer Reputation durch den Misshandlungsfall schweren Schaden zuBild: Stefan Lafrentz/IMAGO
Im Dezember hatte der Weltverband FEI das Strafmaß verkündet. Die Sperre begann rückwirkend ab dem 23. Juli 2024, dem Datum ihrer vorläufigen Suspendierung. Zudem musste Dujardin eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Schweizer Franken (ca. 10.700 Euro) zahlen.
Ein Sprecher des britischen Reiterverbands British Equestrian hatte gegenüber einer deutschen Nachrichtenagentur zuletzt bestätigt, dass Dujardin "wieder an Wettkämpfen teilnehmen und im Rahmen von British Dressage [offizieller Verband für den Dressursport in Großbritannien - Anm. d. Red.] trainieren kann".
Ihre weiteren Pläne kommentierte der Verband aber nicht - auch das Management Dujardins und die Reiterin selbst machte keine Angaben dazu. Ob und wann sie auf internationale Turniere zurückkehren wird, bleibt offen.
Ihre Spitzenpferde Kismet und Imhotep hatte Dujardin während ihrer Suspendierung verkauft. Die Stute Kismet wurde für einen nicht bekannten Preis von der deutschen Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl gekauft.
Die bedeutendsten Pferdesport-Events der Welt
Vom CHIO Aachen über das Kentucky Derby zum Rodeo in Kanada - die wichtigsten Pferdesport-Events der Welt bieten packenden Sport. Manchmal aber geht es neben Rennbahn und Parcours eher um die Etikette als die Reiterei.
Bild: Friso Gentsch/dpa/picture alliance
CHIO Aachen
Wegen seiner langen Tradition, des riesigen Turniergeländes, des anspruchvollen Parcours und des großzügigen Preisgeldes, gilt der deutsche CHIO in Aachen als wichtigstes Reitturnier der Welt - das "Wimbledon des Pferdesports". Besonderes Highlight neben dem Großen Preis der Springreiter, der die Turnierwoche abschließt, ist der Nationenpreis im Springen, der unter Flutlicht ausgeritten wird.
Bild: Friso Gentsch/dpa/picture alliance
Deutsches Springderby
Da soll ich runter? Diese Frage hat sich wohl schon manches Pferd gestellt, das in Hamburg-Klein Flottbek auf dem Großen Wall stand. Der 1230 Meter lange Parcours, der seit 1920 in unveränderter Form geritten wird, gilt als der schwierigste der Welt, weil er neben Kondition und Kraft auch Mut und gegenseitiges Vertrauen von den Paaren verlangt. Viele Top-Reiter treten beim Derby gar nicht an.
Bild: Lukas Schulze/dpa/picture alliance
Melbourne Cup
Im November beim Melbourne Cup steht ganz Australien Kopf - zumindest die Galoppfans. Die Tribünen am Flemington Racecourse sind randvoll, die Pubs auch. Die Australier wetten, was das Zeug hält. Vier Tage lang gibt es Pferderennen und Rahmenprogramm. Der Melbourne Cup ist mit einem Gesamtpreisgeld von über 8 Millionen Australische Dollar das höchstdotierte Langstrecken-Galopprennen der Welt.
Bild: Quinn Rooney/Getty Images
Kentucky Derby
Beim Kentucky Derby, auch "Run for Roses" genannt, treten dreijährige Vollblutpferde gegeneinander an, und 150.000 Zuschauer sehen dabei zu. Derby-Tag in Louisville ist immer der erste Samstag im Mai. Eintrittskarten sind oft ein Jahr im Voraus vergriffen. Der Besucher, der etwas auf sich hält, trinkt rund um die Rennen den traditionellen Derby-Cocktail "Mint Julep" mit Bourbon-Whiskey und Minze.
Bild: Darron Cummings/AP/picture alliance
Englisches Derby
Ob nun Kentucky oder Hamburg - Derby ist der Name für viele namhafte Pferdesport-Veranstaltungen. Das Original-Derby aber wurde 1780 in Epsom ausgetragen. Es heißt Derby, weil der Veranstalter, der Earl of Derby, dem Rennen seinen Namen gab. Bis heute ist es ein Galopprennen für dreijährige Pferde und geht traditionell über 2423 Meter (eine englische Meile, vier Furlongs und ein Yard).
Bild: John Walton/empics/picture alliance
Royal Ascot
Noch älter als das Derby ist die Rennwoche in Ascot. Sie steht seit ihrer ersten Austragung im Jahr 1768 unter Schirmherrschaft der Königsfamilie. Wichtigstes Rennen ist der Ascot Gold Cup für Rennpferde, die vier Jahre und älter sind. Noch wichtiger als die Rennen ist in Ascot allerdings die Kleiderordnung: Rocklänge, Trägerbreite, alles ist minutiös festgelegt. Und Hüte sind Pflicht.
Bild: Adam Davy/empics/picture alliance
Grand National
Beim Grand National in Aintree bei Liverpool geht es deutlich wilder zu als in Epsom oder Ascot. Auf der 6,9 Kilometer langen Hindernisstrecke kommt es oft zu dramatischen Stürzen. Viele Pferde sind hier schon gestorben oder verletzten sich so schwer, dass sie anschließend per Bolzenschuss getötet werden mussten. Tierschützer halten das Rennen daher für unzeitgemäß und wollen es verbieten lassen.
Bild: Nick Wilkinson/epa/dpa/picture-alliance
Prix d'Amerique
Da der Prix d'Amerique, eines der berühmtesten Trabrennen der Welt, immer am letzten Januar-Sonntag in Paris ausgetragen wird, ist das Wetter oft nicht das beste - und die Fahrer werden in ihren Sulkys von oben bis unten eingesaut. Aber es lohnt sich: Die Siegprämie beträgt 400.000 Euro. Doch die Konkurrenz ist stark: Nur Pferde, die bereits mehr als 160.000 Euro gewonnen haben, dürfen teilnehmen.
Bild: KENZO TRIBOUILLARD AFP via Getty Images
Badminton Horse Trials
Die Badminton Horse Trials sind eines der sechs wichtigsten Vielseitigkeitsturniere. Vor der Kulisse des Badminton House, dem Landsitz des Duke of Beaufort in der englischen Grafschaft Gloucestershire, messen sich die Reiter im Springen, der Dressur und im Geländeritt. Mit einer Viertelmillion Zuschauer sind die Trials die bestbesuchte, kostenpflichtige Sportveranstaltung in Großbritannien.
Bild: Actionplus/picture alliance
Offene argentinische Polo-Meisterschaft
Das Campeonato Argentino Abierto de Polo ist das wichtigste internationale Polo-Turnier der Welt. Schon seit 1893 wird es auf dem "Campo Argentino de Polo" in Buenos Aires abgehalten, das bei Einheimischen und Fans den Namen "La Catedral del Polo" (Polo-Kathedrale) trägt. Großer Held der Argentinier ist Adolfo Cambiaso (Foto), der das Turnier 18 Mal gewonnen hat.
Bild: Allen Eyestone/Zumapress/picture alliance
Palio di Siena
In historischen Jockey-Outifits preschen zehn Reiter jedes Jahr am 2. Juli und am 16. August dreimal um die Piazza del Campo mitten in der Altstadt von Siena. Jeder Reiter vertritt einen Stadtteil, als Preis winkt eine bunte Standarte, ein Seidenbanner an einer Hellebarde. Die Rennen, bei denen es oft ruppig zugeht, sind Volksfeste und kulturelle Höhepunkte im Kalender der toskanischen Stadt.
Bild: Peter Giovannini/picture alliance
Calgary Stampede
Planwagenrennen, Rodeoreiten und andere Disziplinen des Western-Reitens - die Calgary Stampede, die alljährlich in der Olympiastadt von 1988 stattfindet, ist die größte Rodeo-Veranstaltung der Welt: Rund 1,5 Millionen Zuschauer kommen an zehn Tagen. Da es bei der Stampede immer wieder zu Unfällen kam, bei denen Reiter und Pferde starben, steht die Veranstaltung bei Tierschützern in der Kritik.
Bild: Alexander Shemetov/Russian Look/picture alliance