1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Planet oder nicht, das ist hier die Frage

16. März 2004

Das Sonnensystem zählt nach landläufiger Definition neun Planeten. Forscher haben ein planeten-ähnliches Objekt entdeckt, das zur Nummer zehn werden könnte - wenn sich die Astronomen einigen.

Das ist der StreitpunktBild: AP

Er gilt bereits als der spektakulärste Fund in unserem Sonnensystem seit Sichtung des Planeten Pluto im Jahr 1930: US-Astronomen haben in 13 Milliarden Kilometer Entfernung von der Erde ein "Planeten-ähnliches Objekt" entdeckt, das etwa halb so groß wie unser Mond ist, wie die US-Weltraumbehörde NASA am Montag (15.3.2004) im kalifornischen Pasadena mitteilte. Die US-Wissenschaftler tauften ihn "Sedna", nach der Meeres-Göttin des in der nordamerikanischen Arktis lebenden Inuit-Volks.

So könnte Sedna aus der Nähe aussehenBild: AP

Die heute bekannten Planeten sind von der Sonne aus betrachtet Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Allgemein wird auch Pluto dazu gezählt. Allerdings gibt es 74 Jahre nach der Entdeckung noch immer Himmelsforscher, die Pluto den Status des Planeten nicht zubilligen wollen.

Auf die Bahn kommt es an

Unter den Astronomen ist nach der Entdeckung von Sedna die Debatte über die Eigenschaften von Planeten neu aufgeflammt. Einigkeit herrscht darüber, dass diese nicht von selbst leuchtende große Himmelskörper sind, die sich nach den Keplerschen Gesetzen elliptisch um die Sonne als Zentralgestirn bewegen - und genau die Bahn von "Sedna" birgt nun den Streitpunkt. Nur eine Minderheit der Astronomen bezeichnet "Sedna" bereits als den "zehnten Planeten" unseres Sonnensystems. Der Berliner Planetenforscher Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bleibt dagegen Planeten abwartend. "Das ist eine Definitionsfrage, keine wissenschaftliche", erläutert Kührt. "Es gibt auch viele Astronomen, die nicht einmal Pluto als Planeten ansehen." Die Grenze zwischen Planeten und den Objekten des so genannten Kuiper-Gürtels sei fließend. Der Kuiper-Gürtel in 4,5 bis 7,5 Milliarden Kilometern Entfernung von der Sonne besteht aus schätzungsweise mindestens 70.000 Objekten mit einem Durchmesser von mehr als 100 Kilometern und gilt auch als Ursprung zahlreicher Kometen.

Kalter, weit entfernter Neuling

Mit einem geschätzten Durchmesser von weniger als 1700 Kilometern ist Sedna kleiner als Pluto und drei Mal weiter als dieser von der Erde entfernt. Sedna ist damit der Himmelskörper innerhalb unseres Sonnensystems, der am weitesten von der Sonne entfernt ist. Die Astronomen gehen von einer Temperatur von Minus 240 Grad Celsius in seiner Umgebung aus. Für eine Umkreisung der Sonne braucht "Sedna" den Wissenschaftlern zufolge 10.500 Jahre. Er bestehe halb aus rötlichem Gestein, halb aus Eis, sagte Mike Brown vom kalifornischen Institut für Technologie, einer der Wissenschaftler, die den Planetoiden entdeckt hatten. Er erwarte, dass noch mehr solcher Objekte im Sonnensystem entdeckt würden, so Brown. Die Entdeckung von Sedna stärke die Theorie, dass die Sonne aus einer Ansammlung von Sternen entstanden sei.

In den vergangenen Jahren waren Astronomen bereits auf zwei ähnliche Objekte am Rande unseres Sonnensystems gestoßen, den 1700 Kilometer großen "2004 DW" und den 1250 Kilometer großen Quaoar. Das neue Objekt hat die wissenschaftliche Bezeichnung "2003 VB16" und wurde im November 2003 mit Hilfe des Mount-Palomar-Observatoriums in Kalifornien entdeckt und dann unter anderem mit dem Weltraumteleskop Spitzer untersucht.

(mas)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen