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PolitikBelarus

Polen öffnet zwei Grenzübergänge nach Belarus

Tatsiana Harhalyk
18. November 2025

Jahrelang waren sie geschlossen, nun hat Polen zwei Grenzübergänge zu Belarus wieder geöffnet. Wie reagieren die Menschen und was erhoffen sie sich? Eine DW-Reporterin war vor Ort.

Polnische Grenzschützerin am wiedereröffneten Grenzübergang Bobrowniki zu Belarus
Der Verkehr rollt wieder: Polnische Grenzschützerin am wiedereröffneten Grenzübergang BobrownikiBild: Agnieszka Sadowska/Agencja Wyborcza.pl/REUTERS

Es ist Punkt Mitternacht. Im Blitzlichtgewitter der Kameras fährt ein Bus der grenzüberschreitenden Linie Bialystok-Grodno erstmals seit Februar 2023 wieder in den polnischen Grenzübergang Bobrowniki ein, der auf belarussischer Seite Berestowiza heißt. Polen hatte den Übergang nach der Verurteilung des Aktivisten und Journalisten Andrzej Poczobut vom "Bund der Polen in Belarus", einer gesellschaftlichen Organisation der polnischen Minderheit in Belarus, geschlossen. Am 17. November 2025 wurde der Übergang nun für Fahrzeuge mit Zulassung aus EU-Ländern, EFTA-Staaten und der Schweiz wieder geöffnet.

Als erstes passierte der Linienbus "Bialystok-Grodno" den offenen GrenzübergangBild: Tatsiana Harhalyk/DW

Polen öffnete zudem den Grenzübergang Kuznica wieder für Pkw. Er war im November 2021 aufgrund der sich zuspitzenden Migrationskrise an der polnisch-belarussischen Grenze geschlossen worden. Eine DW-Reporterin war am wiedereröffneten Grenzübergang, um herauszufinden, was belarussische Autofahrer und Polen, die in der Region leben, von der Wiedereröffnung der Grenze halten und was die polnischen Behörden nun erwarten.

"Wir haben fast drei Jahre lang gelitten"

Lkw-Fahrer, die von Polen nach Belarus unterwegs sind, standen schon Tage vor der Grenzöffnung in Bobrowniki Schlange. Sie alle hoffen, dass mit der Öffnung der beiden Übergänge die langen Wartezeiten, die an den anderen Übergängen nach Belarus herrschen, der Vergangenheit angehören werden. Viele Lkw-Fahrer wollen sich nicht gegenüber Reportern äußern und sich filmen oder fotografieren lassen. Doch ihre Freude ist unübersehbar.

LKW standen in der Nacht am Grenzübergang Bobrowniki SchlangeBild: Tatsiana Harhalyk/DW

"Das ist ein Grund zum Feiern. Wir haben fast drei Jahre lang gelitten", sagt ein belarussischer Lkw-Fahrer. "Das wird unsere Arbeit erleichtern. Alle, die ich gefragt habe, sind glücklich", fügt sein Kollege hinzu.

Ein anderer belarussischer Lkw-Fahrer, der sich als Sergej vorstellt, findet, die Grenze sollte offen bleiben, da viele Menschen, darunter auch er selbst, Verwandte in Polen hätten. "Wir müssen Freunde sein. Handel, Wirtschaft und Tourismus sollten nicht behindert werden", betont er. Auf die Frage, ob Belarus im Gegenzug ebenfalls entsprechende Schritte unternehmen sollte, sagt Sergej, er sei "politisch unparteiisch", aber "vielleicht fällt den belarussischen Behörden ja noch etwas ein".

"Ein Freudentag für die gesamte Region"

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am Vortag der Öffnung der Grenzübergänge, die Entscheidung dazu sei nicht politisch motiviert. Er betonte, sie stehe "in keinem Zusammenhang mit politischen Gesprächen oder Verhandlungen über eine mögliche Freilassung von Gefangenen" in Belarus, sondern sei im Interesse der lokalen Bevölkerung und der Wirtschaft vor Ort getroffen worden.

"Dies ist ein Freudentag für unsere ganze Region", erklärte Jacek Brzozowski, der oberste Verwaltungsbeamte von Podlachien, der polnischen Provinz, in der sich die beiden Grenzübergänge befinden. Er betonte, dass der Grenz- und grenzüberschreitende Handel in dieser Region immer eine sehr wichtige Rolle gespielt habe. "Der Handel war praktisch zum Erliegen gekommen, doch nun besteht Hoffnung, dass wir die Region wiederbeleben", so Brzozowski.

Pkw am Grenzübergang Bobrowniki zwischen Belarus und PolenBild: Tatsiana Harhalyk/DW

Lokale Unternehmer haben drei Jahre für die Öffnung der Grenzübergänge zu Belarus gekämpft. Dies unterstreicht auch Ewelina Grygatowicz-Szumowska, Vertreterin des polnischen Unternehmerverbands "Vereinter Osten". Sie sagt, die Öffnung der Grenzübergänge zeige, dass Polen über gute staatliche Dienste verfüge, die "Sicherheit garantieren können". 

"Als die Grenze offen war, hatten wir mehr Einnahmen"

Sorge vor einer erneuten vermehrten Ankunft von Migranten wie in der zweiten Jahreshälfte 2021 gibt es in der Region nicht. Damals standen der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko und der russische Kremlchef Wladimir Putin im Verdacht, gezielt Migranten aus Asien und Afrika angeworben und dann unter anderem an die belarussisch-polnische Grenze geschickt zu haben, um die Europäische Union zu destabilisieren.

Die Polin Barbara arbeitet in einem Café in der Nähe von Bobrowniki und betont, sie sei froh, dass der Grenzübergang wieder offen sei. "Die Grenze war mehrere Jahre geschlossen. Der Verkehr ging zurück, was man in den Geschäften zu spüren bekam. Als die Grenze offen war, hatten wir mehr Einnahmen", berichtet sie. Sorge vor einer erneuten Zunahme der Migration hat Barbara nicht. "Ich glaube nicht, dass sie Schaden anrichten. Sie suchen einfach eine bessere Welt, ein besseres Leben. Vielleicht würde auch ich danach suchen und über die Grenze fliehen", erzählt Barbara. Sie meint, auch Belarus sollte mit Polen zusammenarbeiten, anstatt Probleme zu bereiten.

Menschen warten am wieder eröffneten GrenzübergangBild: Agnieszka Sadowska/Agencja Wyborcza.pl/REUTERS

Im Vorfeld der Wiedereröffnung der Grenzübergänge meldete das polnische Innenministerium einen deutlichen Rückgang der Versuche, die Grenze zwischen Belarus und Polen illegal zu überqueren - von bis zu 100 auf nur noch einige Dutzend pro Tag. Warschau warnte zugleich, dass die Grenzübergänge bei Sicherheitsbedrohungen aber erneut geschlossen werden könnten.

Belarus begrüßt Grenzöffnung

Minsk begrüßte die Öffnung der Grenzübergänge Kuznica und Bobrowniki und bezeichnete diesen Schritt Polens als "Zeichen einer konstruktiven Haltung" gegenüber den eigenen Bürgern. Auch die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, die in Litauen im Exil lebt, unterstützt die Entscheidung Warschaus, die beiden Grenzübergänge zu öffnen.

Somit sind seit dem 17. November insgesamt fünf Übergänge an der Grenze zwischen Belarus und der EU geöffnet - vier an der Grenze zu Polen und einer an der Grenze zu Lettland. Alle Übergänge zwischen Belarus und Litauen sind mit Ausnahmen für bestimmte Personengruppen noch bis zum 30. November geschlossen.

Adaption aus dem Russischen: Markian Ostaptschuk

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