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Polen fordert weiterhin Entschädigung von Deutschland

Zweiter Weltkrieg | 28.10.2018

Deutschland Berlin Polens Präsident Andrzej Duda

In einer Woche fliegt Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Polen - schon jetzt mahnt Polens Präsident Andrzej Duda erneut Reparationen an. Die Schäden des Zweiten Weltkriegs in seinem Land seien nie ausgeglichen worden.

Knapp eine Woche vor den geplanten deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in Warschau spricht sich der polnische Staatspräsident Andrzej Duda weiter für Kriegsentschädigungen von Deutschland an sein Land aus. "Nach meiner Auffassung sind die Reparationszahlungen kein erledigtes Thema", sagte Duda der "Bild am Sonntag".

Er verwies auf Gutachten des früheren Präsidenten Lech Kaczynski, der 2010 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Diese belegten, "dass die angerichteten Kriegsschäden in Polen nie ausgeglichen wurden". Dabei geht es insbesondere um die Zerstörung der Hauptstadt Warschau, die von deutschen Truppen dem Boden gleich gemacht worden sei. "Auch die Zwischenergebnisse des Expertenteams des Parlaments bestätigen, dass unsere Verluste nicht entschädigt wurden. Es ist dies also eine Frage von Wahrheit und Verantwortung", so Duda.

Nach der Befreiung: das zerstörte Warschau am Ende des Zweiten Weltkriegs

Aktuell prüft den Angaben zufolge eine Expertengruppe des polnischen Parlaments Reparationsforderungen gegenüber Deutschland. Das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel will am kommenden Freitag zu Regierungskonsultationen nach Warschau reisen. Duda hatte sich erst am vergangenen Dienstag in Berlin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel getroffen.

Gemeinsames Gedenken in Polen

Die Staatsoberhäupter von Deutschland und Polen planten im kommenden Jahr eine gemeinsame Gedenkveranstaltung anlässlich des Beginns des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren, hieß es. Duda kündigte an: "Mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe ich verabredet, dass unsere Länder des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges, der durch den Angriff des mit der Sowjetunion verbündeten Deutschlands auf Polen ausgelöst wurde, gemeinsam gedenken."

Besuch in Berlin: Polens Präsident Duda bei Bundespräsident Steinmeier im Schloss Bellvue Anfang der Woche

Die Vorbereitungen dafür liefen seit einigen Monaten. "Vorläufig haben wir uns darauf geeinigt, dass wir in der polnischen Stadt Wielun die große Gedenkveranstaltung abhalten wollen. Genau auf diese Stadt fielen die ersten deutschen Bomben, die große Opfer unter der Zivilbevölkerung verursachten", sagte Duda.

Kritik an AfD

Harsche Kritik übte der polnische Präsident an der AfD. Mit Blick auf die "Vogelschiss"-Äußerung von Parteichef Alexander Gauland und die Forderung des AfD-Politikers Björn Höcke nach einer "180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur", sagte Duda: "Kein ehrlicher, aufrichtiger Deutscher, der die Geschichte ernst nimmt, sollte so etwas sagen."

Die Verantwortung von Hitler-Deutschland für den Ausbruch des Krieges, den Holocaust und die Millionen Toten sei offensichtlich. "Die Tatsache, dass bislang keine deutsche Partei die deutsche Schuld in Frage gestellt hat, hat den großen Aussöhnungsprozess zwischen Polen und Deutschland ermöglicht. Dass wir heute so gute Beziehungen haben, verdanken wir der Tatsache, dass wir an die Vergangenheit denken und sie uns eine Mahnung ist", sagte Duda.

jmw/AR (kna, dpa, rtr)