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Politik

Polizei räumt Wahllokale in Katalonien

1. Oktober 2017

Zum Auftakt des umstrittenen Unabhängigkeitsreferendums hat die spanische Polizei damit begonnen, Wahlurnen und Stimmzettel zu beschlagnahmen. Vor den Wahllokalen warten viele Menschen auf eine Chance zur Stimmabgabe.

Spanien Referendum Katalonien Polizei
Bild: Getty Images/AFP/P. Barrena

Die Polizei habe in Barcelona erste Abstimmungsunterlagen sichergestellt und setze ihren Einsatz fort, erklärt das Innenministerium. In Girona riegelten Polizisten eine als Wahllokal genutzte Sporthalle ab, in der Regionalpräsident Carles Puigdemont seine Stimme abgeben sollte.

Am frühen Morgen hatten sich in mehreren Städten bereits hunderte Menschen vor den Wahllokalen versammelt, um der Polizei den Zutritt zu versperren, aber auch um ihre Stimme abzugeben. Vor einigen Wahllokalen kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Von den gut 2300 Schulen, die als Wahllokale vorgesehen sind, waren bereits am Tag vor der Abstimmung etwa 1300 durch von Madrid geschickte Polizisten abgeriegelt worden.

Bist Du dafür oder dagegen? Diese Frage nach einem unabhängigen Katalonien entzweit nicht nur Katalanen und Spanier, der Riss geht auch quer durch die autonome Gemeinschaft Katalonien. Am Vorabend des umkämpften Unabhängigkeitsreferendums demonstrierten in der Regionshauptstadt Barcelona tausende Menschen für den Erhalt der spanischen Nation. Auch in zahlreichen anderen spanischen Städten fanden am Samstagabend Demonstrationen für die Einheit des Landes statt.

"Auch wir sind Katalanen", riefen die Menschen und schwenkten katalanische, spanische und Europaflaggen. Die Demonstranten forderten Haft für den Regionalpräsidenten Carles Puigdemont. Dessen Unterstützer demonstrieren immer wieder für die Loslösung von Spanien.

Obwohl viele Katalanen eine Abspaltung ihrer Region von Spanien ablehnen, sind solche Demonstrationen von Unabhängigkeitsgegnern eher selten. In einer letzten Umfrage im Auftrag der Regionalregierung sprachen sich 49,4 Prozent der Katalanen gegen eine Unabhängigkeit aus. 41,1 Prozent waren dafür.

Warten auf die WahlBild: Getty Images/AFP/J. Jordan

Bis zur letzten Minute liefern sich die spanische Zentralregierung in Madrid und die katalanische Regionalregierung in Barcelona einen Machtpoker um das Unabhängigkeitsreferendum. Madrid stuft das Referendum als illegal ein. Das spanische Verfassungsgericht verwies auf die gesetzlich verankerte Unteilbarkeit des spanischen Staates. Tausende Polizisten wurden nach Katalonien geschickt, um die Abstimmung zu verhindern und für Sicherheit zu sorgen. Es werden Gewaltausbrüche befürchtet.

"Wir werden nicht auf unsere Rechte verzichten", sagte Regionalpräsident Puigdemont der Nachrichtenagentur AFP. Seine Regierung habe alles vorbereitet, damit die Abstimmung "normal" verlaufen könne. Die Bürger in Katalonien rief der Regionalpräsident zur Gewaltlosigkeit auf.

rb/qu (afp, ap, dpa, rtr)

 

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