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Katastrophe

Kein Entkommen aus der Flammenhölle

18. Juni 2017

Nach dem mit verheerender Wucht wütenden Waldbrand in Portugal steigt die Zahl der Opfer weiter. Die Behörden sprechen jetzt von mindestens 62 Toten. Viele starben, als sie im Auto fliehen wollten.

Portugal Waldbrände
Bild: Imago/ITAR-TASS/M. Pochuyev

Viele der Opfer in der zentralen Bergregion von Pedrogao Grande seien auf der Flucht vor den Flammen in ihren Autos verbrannt, teilte das Innenministerium mit. "Das fühlt sich nicht wirklich an, nicht von dieser Welt", sagte Bürgermeister Valdemar Alves. "Das ist ein echtes Inferno, so etwas haben wir noch nie gesehen."

Die Brände sind inzwischen zum Teil unter Kontrolle. Zwei der insgesamt vier Feuerfronten habe die Feuerwehr im Griff, heißt es aus dem portugiesischen Innenministerium. 

Das Feuer war am Samstag ausgebrochen, Hunderte Feuerwehrleute kämpften auch am Sonntag noch gegen die Flammen an. Die EU, Frankreich und Spanien boten Löschflugzeuge zur Unterstützung an oder schickten diese auf den Weg. In der Region, rund 200 Kilometer von Lissabon entfernt, herrscht seit Tagen extreme Hitze. Die Polizei schloss nicht aus, dass ein Blitzschlag in einen Baum das Feuer verursacht haben könnte. Starke Winde fachten die Flammen immer weiter an.

Mehr als 20 Dörfer von Feuern umzingelt

Bewohner des Dorfes Nodeirinho berichteten, eine Familie mit zwei Kindern habe ihr Haus verlassen und mit einem Auto fliehen wollen. Der Wagen sei aber von einem "Tornado von Flammen" erfasst worden. TV-Bilder zeigten zudem verkohlte Häuser. Betroffen waren den örtlichen Behörden zufolge mehr als 20 Ortschaften. Hunderte Bewohner wurden zunächst in Not-Zelten untergebracht, viele von ihnen wurden wegen Rauchgas-Vergiftungen behandelt.

"Wir tun alles Mögliche und Unmögliche, um das Feuer zu löschen", sagte Innen-Staatssekretär Jorge Gomes. Allerdings hänge der Rauch über der Region sehr tief. Hubschrauber und Löschflugzeuge könnten deshalb nicht gut arbeiten. Gomes hatte über das Wochenende die Toten-Zahl wiederholt anheben müssen.

Viele wollten mit dem Auto fliehen und starben qualvollBild: Reuters/R. Marchante

Mindestens 59 Menschen wurden zudem verletzt, fünf von ihnen schweben in Lebensgefahr. "Das ist die größte Tragödie, die wir seit Jahren in Portugal erlebt haben", sagte  Regierungschef Antonio Costa nach einem Besuch der Region.

Drei Tage Staatstrauer

Nach dem verheerenden Waldbrand hat die Regierung in Lissabon eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Portugals Fußball-Nationalteam gedachte mit einer Schweigeminute vor der Confed-Cup-Partie gegen Mexiko der Todesopfer. Beim Fußball-Weltverband hatte das Team von Cristiano Ronaldo & Co. beantragt, beim ersten Spiel am Sonntag im russischen Kasan mit Trauerflor aufzulaufen.

Experten zufolge könnte der verheerende Waldbrand durch ein sogenanntes Trockengewitter, bei dem kein Niederschlag fällt, aber Blitze einschlagen, ausgelöst worden sein. Bereits im vergangenen Jahr war das Land von einer Serie schwerer Waldbrände heimgesucht worden, mehr als 100.000 Hektar Land (1000 Quadratkilometer) gingen in Flammen auf.

haz/sc (rtr, dpa, afp) 

 

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