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GlobalisierungEuropa

Portugal: Streit um Lithium-Abbau geht weiter

Jochen Faget
27. Januar 2026

In Portugal gibt es große Lithiumvorkommen. Ein geplantes Bergwerk im Norden des Landes bleibt jedoch umstritten. EU und Regierung sind dafür, die Anwohner wehren sich - seit sieben Jahren.

Portugal Covas do Barroso 2019 | Landschaft mit Bergen, Feldern und Wäldern beim geplanten Lithiumtagebau
Felder, Wälder und Berge bei Covas do Barroso, wo ein großes Lithium-Tagebaubergwerk entstehen sollBild: Jochen Faget/DW

Lithium für 500.000 oder gar eine Million E-Auto-Batterien pro Jahr. Nicht irgendwo in Südamerika oder Asien, sondern im EU-Land Portugal. Keine Lieferunsicherheiten, sondern problemlos vor der Haustür der eigenen Autoindustrie. Wer möchte da nicht ins Schwärmen geraten?

Europas angeblich größtes Lithiumvorkommen liegt in der nordportugiesischen Region Trás-os-Montes. Übersetzt heißt das "Hinter den Bergen" und lässt an das Märchen von Schneewittchen denken, auch wenn dort keine fleißigen sieben Zwerge das Erz abbauen.

Stattdessen wehren sich die Bürger seit Jahren gegen das, was sie ein schweres Umweltverbrechen nennen: ein geplantes, gigantisches Bergwerk, wo im Tagebau auf fast 600 Hektar lithiumhaltiges Gestein abgebaut werden soll.

"Das Projekt wird weder vom Landkreis, noch von der Bevölkerung, den örtlichen Organisationen oder der Gemeinde unterstützt", erklärt Nelson Gomes von der Bürgerinitiative, die vor sieben Jahren gegen das Bergbauprojekt gegründet wurde. "Für dieses Bergwerk gibt es keine soziale Akzeptanz, wie sie für solche Projekte gefordert wird."

Dafür aber gibt es Aufruhr in dem kleinen Dorf Covas do Barroso, wo die Mine entstehen soll. Selbst für Probebohrungen des Betreibers Savannah Resources, eine britische Aktiengesellschaft, wollten die Anwohner die Arbeiter nicht auf ihre Grundstücke lassen. Der Zugang musste per Regierungsverordnung erzwungen werden.

Landwirt Nelson Gomes ist Mitgründer der Bürgerinitiative, die den Lithiumabbau verhindern willBild: Jochen Faget/DW

Im Augenblick ruhen wieder alle Arbeiten, weil die Verordnung abgelaufen ist. Den Kaufangeboten von Savannah Resources widersetzen sich die meisten Anwohner, darum ist jetzt von Enteignungen die Rede. "Wir lassen unser Land nicht zerstören", sagt der Landwirt Nelson Gomes. "Wir werden weiter gegen das Projekt Lithiumbergwerk kämpfen, wir geben nicht auf."

Korruptionsvorwürfe und mangelnde Transparenz

Allerdings hat die EU-Kommission Quoten für den innereuropäischen Abbau kritischer Rohstoffe wie Lithium festgelegt. Und sie hat das Lithiumbergwerk hinter den portugiesischen Bergen zu einem "strategischen Projekt" erklärt.

Schon vorher hatte die portugiesische Regierung die Mine als "von nationalem Interesse" eingestuft. Das bedeutet vereinfachte Genehmigungsabläufe, Anwohner oder betroffene Kommunen haben praktisch kaum noch Mitbestimmungsrechte.

Doch die damalige Regierung ist 2023 über Korruptionsvorwürfe gestürzt, die auch die Lizensierung des Lithium-Bergwerks betrafen. Auch verstieß sie gegen die sogenannte Aarhus-Konvention der Vereinten Nationen (UN), die Standards für den Zugang zu Informationen und Beteiligung der Öffentlichkeit in Umweltfragen festlegt.

Vor zwei Jahren erklärte die portugiesische Staatsanwaltschaft, die vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsstudien seien illegal entstanden, weil Behörden den Beteiligten wichtige Informationen vorenthalten hatten. Kurz und gut, es wurde selbst für portugiesische Verhältnisse extrem viel gemauschelt.

Für Probebohrungen wurden Schneisen in die Landschaft geschlagenBild: Jochen Faget/DW

Mit dem ursprünglich geplanten Abbaustart 2025 wurde es nichts. Die Betreibergesellschaft musste ihre Pläne mehrmals ändern und vor allem beim Umweltschutz deutlich nachbessern. Trotzdem bestehen noch immer Zweifel an der Umweltverträglichkeit des Projekts: "Wir haben Studien von international anerkannten Fachleuten, dass Abraum und Abwasser bei einem Unfall die Wasserläufe weiträumig verschmutzen könnten", sagt Nelson Gomes von der Bürgerinitiative.

Bevölkerung nicht eingebunden

Am meisten empört die Bevölkerung jedoch das Verhalten von Regierung und Bergwerkbetreiber. "Keiner von denen hat sich bis jetzt bei mir gemeldet, um über Vor- und Nachteile des Projekts zu sprechen", klagt der Landrat Guilherme Pires in der Kreisstadt Boticas. "Niemand nimmt die Sorgen der Bevölkerung ernst."

Guilherme Pires, Landrat der Region, kritisiert die Bergbau-PläneBild: Jochen Faget/DW

Die Regierung habe der Region das Lithiumprojekt aufgezwungen, ohne Rücksicht auf die bäuerlichen Traditionen, die durch das Bergwerk zerstört würden. "Dabei haben die UN die Region wegen ihrer Besonderheiten als landwirtschaftliches Welterbe klassifiziert", so Pires.

Statt in regionale Produkte wie zertifiziertes Rindfleisch, Würste oder biologischer Honig zu investieren, unterstütze die Regierung nur die Minenbetreibergesellschaft: "Ich habe aus der Presse erfahren, dass die Regierung ihnen 110 Millionen Euro schenken wird. Einfach so, als Beihilfe", schimpft Landrat Pires.

Auch die Umweltschutzorganisation Zero übt scharfe Kritik. "Der ganze Prozess des Lithium-Bergwerks ist von Anfang an undurchsichtig und zweifelhaft", fasst Nuno Forner zusammen. Durch das Bergwerk laufe die ohnehin stark vernachlässigte Region Gefahr, ihre Besonderheiten zu verlieren. Und die Bevölkerung sei nach wie vor gegen das Projekt, sagt Landrat Pires. "Auch wenn gewisse Kreise jetzt versuchen, das anders darzustellen."

Einige Bürger wollen das Bergwerk

Mit den "gewissen Kreisen" meint Pires die Betreiberfirma Savannah Resources. Die will mit Hochglanzbroschüren und Werbeveranstaltungen die Bevölkerung auf ihre Seite ziehen. Dabei arbeitet Savannah Resources eng mit einer neu gegründeten Bürgerinitiative zusammen, die "Zukunft für Barroso" heißt. Die will, so ihr Vorsitzender José Moura, so viele Vorteile für die Region wie möglich aus dem Projekt herausholen.

José Moura von der Bürgerinitiative "Zukunft des Barroso" unterstützt die Pläne für ein BergwerkBild: Jochen Faget/DW

"Das Bergwerk bedeutet Fortschritt und wirtschaftliche Vorteile", sagt Moura. Der Landrat solle, statt zu klagen, lieber mit der Betreibergesellschaft zusammenarbeiten.

Greenwashing für den Bergbau?

"Wir sehen den Versuch, den Bergbau als grün, nachhaltig und umweltfreundlich darzustellen", sagt dagegen Nik Völker von der Nicht-Regierungsorganisation (NGO) MiningWatch Portugal. "Es soll der Eindruck entstehen, dass Bergwerke ohne oder mit so gut wie keinen Umweltschäden betrieben werden können. Vor allem, wenn es um sogenannte strategische Projekte wie das Lithiumbergwerk in der Barroso-Region geht."

Die Betreiberfirma Savannah Resources betont in diesem Zusammenhang in einer Email, wie wichtig ihr die Mitarbeit der Bevölkerung sei. Ein Interview wollte sie trotz mehrmaliger Anfragen nicht geben. Auch die EU-Kommission teilte auf Anfrage mit, die Beteiligung der Bevölkerung an strategischen Bergbauprojekten und deren Akzeptanz seien wichtig und nötig.

Beides gebe es im Fall des Lithiumbergwerks aber nicht, sagt der Landrat Guilherme Pires. Es scheint, dass sich hinter den Bergen nicht einmal sieben Zwerge für das Projekt begeistern wollen. Trotzdem soll es weiter durchgezogen werden. Als Jahr für den Abbaubeginn, der bereits mehrmals verschoben wurde, ist jetzt 2028 geplant.

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