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Post besiegelt Aus für das Telegramm

29. Dezember 2022

Einst waren Telegramme die schnellste Möglichkeit, Nachrichten zu übermitteln. Doch sie haben sich überlebt und die Post zieht Konsequenzen. Auch ein anderes traditionsreiches Telekommunikationsangebot endet 2023.

Depesche Wilhelms I. an Augusta
Depesche desx Preußen-Königs Wilhelms an Königin Augusta, Sedan, 1. September 1870Bild: akg-images/picture alliance

Es ist das Ende einer Ära: Die Deutsche Post stellt ihren Telegramm-Service zum Jahresende ein. Das Angebot sei zuletzt kaum noch genutzt worden, begründete ein Unternehmenssprecher am Donnerstag den Schritt. Die Post folge damit dem Beispiel vieler anderer Postunternehmen weltweit.

Im 19. Jahrhundert erfunden, war das Telegramm bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine der schnellsten Möglichkeiten, wichtige Informationen zu übermitteln. Der im Post oder Telegrafenamt persönlich oder telefonisch diktierte Text wurde dabei meist per Fernschreiber zu einem Post- oder Telegrafenamt in der Nähe des Empfängers übermittelt und dann per Bote zugestellt.

Telegrammcodes

Da sich der in der Regel recht hohe Preis für ein Telegramm nach der Zahl der Worte richtete, entwickelte sich gar ein eigener Sprachstil mit Kurzformen statt kompletten Sätzen. Eine typische Formulierung war etwa: "Ankomme Samstag 20 Uhr Oma" oder "Ankomme Freitag, den 13." im Lied von Reinhard Mey. Mit der Verbreitung des Telefons und erst Recht mit dem Aufkommen von Internet und Smartphone verlor das Telegramm aber dramatisch an Bedeutung.

Auch Privatestes wurde "telegraphiert", wie es dieses Telegramm des Schriftstellers Yvan Goll an Paula Ludwig zeigtBild: Franziska Kraufmann/dpa/picture alliance

Zuletzt sei es von Privatkunden kaum noch genutzt worden, sagte der Postsprecher. Unternehmen hätten es zuweilen noch für Mahnungen oder als Zeichen der Anerkennung für langjährige Mitarbeiter bei Firmenjubiläen genutzt, aber auch das sei immer seltener geworden.

Das ist allerdings auch kein Wunder: Denn die Preise für ein Telegramm waren trotz des Bedeutungsverlustes weiter gesalzen. Ein Mini-Telegramm mit bis zu 160 Zeichen kostete zuletzt mindestens 12,57 Euro, ein Maxi-Telegramm mit bis zu 480 Zeichen 17,89 Euro - in der einfachen Variante. Mit Schmuckblatt wurden 21,98 Euro fällig.

Auch die Zelle kommt weg

Das Telegramm ist allerdings nicht das einzige in die Jahre gekommene Telekommunikationsangebot, von dem sich die Verbraucher in Deutschland im kommenden Jahr verabschieden müssen. Ende Januar schaltet zudem die Deutsche Telekom ihre letzten öffentlichen Telefone ab, wie sie im Oktober ankündigte.

Auch die Telefonzelle gibt es bald nur noch als Denkmal, wie hier an der Leipziger Straße in BerlinBild: Schoening/Bildagentur-online/picture alliance

Bereits seit Ende November kann man an den rund 12.000 übrigen Geräten nicht mehr mit Bargeld zahlen. Ende Januar endet auch die Möglichkeit, die Telefonsäulen mittels Telefonkarten zu nutzen.

Kein Umsatz - kein Angebot

Der erste "Fernsprechkiosk" war 1881 in Berlin aufgestellt worden. Zu Hochzeiten gab es in Deutschland mehr als 160 000 Telefonzellen. Doch sie verschwanden in den vergangenen Jahrzehnten allmählich aus dem Stadtbild, weil sie spätestens mit der Verbreitung des Mobilfunks kaum noch jemand nutzte.

Fast jedes dritte öffentliche Telefon habe im letzten Jahr keinen einzigen Euro Umsatz gemacht, berichtete die Telekom im Oktober. Auch der Durchschnittserlös je Standort liege nur noch bei wenigen Euro im Monat. Das stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten für den Unterhalt. Bis die letzten Telefonsäulen und Telefonhäuschen abgebaut sein werden, wird es nach Unternehmensangaben aber wohl 2025 sein.

dk/hb (dpa)

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