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Protest gegen den Irak-Krieg

27. März 2003

- Kroatische Nicht-Regierungsorganisation gibt Gelder der amerikanischen Regierung in Höhe von 100 000 Dollar zurück

Köln, 26.3.2003, DW-radio / Kroatisch

In Kroatien nehmen die Reaktionen auf den alliierten Angriff gegen den Irak nicht ab. Neben dem täglichen friedlichen Protest vor der Zagreber US-Botschaft haben heute (26.3.) die Mitglieder der Nicht-Regierungsorganisation Multimedia Institut in Zagreb die Öffentlichkeit darüber informiert, dass sie einen Vertrag über eine Schenkung der US-amerikanischen Regierung in Höhe von 100 000 Dollar aufgekündigt haben. Aus Zagreb ein Bericht von Vid Mesaric:

Die Regierung der USA missachte mit ihrem Krieg im Irak internationales Recht, höhle die internationalen Institutionen aus und ignoriere die Meinung der Weltöffentlichkeit. Das erklärten Vertreter von "Multimedia Institut" (Mi2) am Mittwoch (26.3.) in Zagreb. Die Nicht-Regierungsorganisation hat sich während der 1990-er Jahre als Hauptförderer neuer Medien und Technologien, aber auch als treibende Kraft bei der Förderung von Toleranz etabliert. Für mehrere Projekte erhält sie finanzielle Unterstützung von der amerikanischen Regierungsorganisation USAID. Auf dieses Geld wollen die Mi2-Mitarbeiter künftig verzichten. Denn die Militäraktion im Irak sei unvereinbar mit den demokratischen und zivilgesellschaftlichen Prinzipien der kroatischen Organisation, so ihr Vorstandsvorsitzender Teodor Celakovski. "Deswegen nehmen wir die finanzielle Unterstützung der amerikanischen Regierung nicht an und kündigen den Vertrag zur Zusammenarbeit auf."

Celakovski kritisierte, dass die amerikanische Regierung ihre Rechtfertigung für den Krieg gerade mit dem Argument begründe, Demokratie zu verbreiten. "Wir meinen, dass sich die Umstände mit Beginn dieses 'präventiven' Krieges geändert haben. Und wir wollen nicht Teil dieser legitimierenden Fundamente sein, die die globale Ordnung beträchtlich verändern."

Dieser Schritt bedeutet für die kroatische Organisation einen tiefen Einschnitt. Der Wert des aufgekündigten Vertrags mit USAID beläuft sich auf 100 000 Dollar - das ist etwa die Hälfte des gesamten Zwei-Jahres-Haushaltes der Organisation. Der Vertrag war Ende 2002 geschlossen worden und auf zwei Jahre angelegt. Ein Teil der Mittel hat "Multimedia Institut" bereits ausgegeben. Rund 7 000 Dollar sind in die Infrastruktur multimedialer Zentren geflossen, die vor allem auch andere Nicht-Regierungsorganisationen kostenlos nutzen können. Dieses Geld will Mi2 zurückzahlen.

Das darüber hinaus entstehende Loch im Budget soll durch mehr freiwillige Arbeit der Mitglieder, aber auch durch andere Finanzquellen gestopft werden. Man wolle sich an Fonds der Europäischen Kommission und an ausländische Kultur-Einrichtungen in Kroatien, wie das deutsche Goethe-Institut, wenden. Das größte Problem sei, so Celakovski, dass derartige Fördermittel meist ausschließlich für konkrete Projekte bestimmt seien. "Das, was wir vor allem erhalten können, sind Mittel für Programme. Ich glaube, dass das ein allgemeines Problem in unserer Szene ist. Man bekommt nur sehr schwer Mittel für eine Stärkung der Organisation selbst."

Dennoch bleiben Celakovski und seine Mitarbeiter dabei: Auf Ausschreibungen der amerikanischen Regierung werde man sich nicht mehr bewerben. Es sei ohnehin unwahrscheinlich, dass die Organisation nach diesem Schritt überhaupt in Zukunft noch Mittel aus den USA bekommen könne. (md)