Fußball-Star Ali Karimi fordert WM-Ausschluss für Iran
28. Januar 2026
Saba Rashtian war Schiedsrichter-Assistentin im iranischen Fußball. Am 9. Januar wurde sie in der Stadt Isfahan während der Proteste gegen das Mullah-Regime von einem Scharfschützen der iranischen Sicherheitskräfte erschossen. Rashtian wurde nur 23 Jahre alt. Sie ist eines von sieben Todesopfern aus dem Bereich des Fußballs, die in einen Brief an Gianni Infantino, den Präsidenten des Weltverbands FIFA, namentlich genannt werden.
"Die FIFA hat die Verantwortung zu handeln, wenn Menschenrechtsverletzungen in direktem Zusammenhang mit Fußballinstitutionen und -Akteuren stehen", heißt es in dem Brief, den der frühere Fußball-Profi Ali Karimi auf Instagram öffentlich machte.
Karimi ist eine iranische Fußball-Legende. Als offensiver Mittelfeldspieler bestritt er 127 Länderspiele für die iranische Nationalmannschaft, in denen er 39 Tore beisteuerte. 2004 war er Asiens Fußballer des Jahres.
Auch im deutschen Fußball ist Karimi ein alter Bekannter. Mit dem FC Bayern München, für den er von 2005 bis 2007 spielte, gewann er 2006 das Double aus deutscher Meisterschaft und DFB-Pokalsieg. 2011 wurde er mit dem FC Schalke 04 zum zweiten Mal Pokalsieger, auch wenn er selbst in diesem Wettbewerb nicht eingesetzt wurde. Karimi beendete seine Karriere 2014 beim Tractor Sports Club in der nordiranischen Stadt Täbris.
Für den aktuellen iranische Fußballmeister Tractor spielte einst auch Mojtaba Tarshiz. Der 47-Jährige Ex-Profi wurde am 8. Januar bei Protesten in der Stadt Andisheh, 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Teheran, von iranischen Sicherheitskräften erschossen, als er sich schützend über seine Frau warf. Auch Tarshiz wird in dem Brief an Infantino namentlich erwähnt - als einer von mehr als 36.000 Menschen, die am 8. und 9. Januar bei den landesweiten Protesten im Iran getötet worden seien: "Die Opfer waren nur Menschen, die nichts anderes wollten als Freiheit", heißt es.
Todesurteil gegen jungen Fußballer
Erwähnt wird auch der Fall von Amirhossein Ghaderzadeh, eines 19 Jahre alten Fußballers aus Isfahan, der zum Tode verurteilt worden sei, "einfach nur für seine Teilnahme an den friedlichen Protesten".
Andere Vertreter des iranischen Fußballs seien bei der Einreise ins Land "festgenommen, verhört und ihrer Reisedokumente beraubt" worden, weil sie ihre persönlichen Ansichten öffentlich geäußert hätten, heißt es in dem Brief.
Die Unterzeichnenden fordern den FIFA-Chef und den Fußball-Weltverband auf, die "Massenmorde an Zivilisten im Iran, darunter auch Mitglieder der Fußballgemeinschaft" öffentlich zu verurteilen, den iranischen Fußballverband sofort zu suspendieren und vorläufig von allen FIFA-Wettbewerben auszuschließen. Ein solcher Schritt würde auch die Fußball-WM 2026 betreffen, für die sich das iranische Team qualifiziert hat.
Die FIFA hat bislang noch nicht öffentlich auf den Brief reagiert. Der asiatische Fußballverband AFC drückte lediglich via Instagram "den Familien der Opfer, den trauernden Freunden und der iranischen Fußballgemeinschaft in dieser sehr schweren Zeit" sein "tiefstes Beileid" aus.
Zu den Unterzeichnenden des Briefs an die FIFA gehören neben Karimi weitere frühere Nationalspieler wie Ex-Verteidiger Mohammad Taghavi und der frühere Nationaltorwart Sosha Makani, außerdem Schiedsrichter wie Mohammadreza Faghani, der Bruder des bekannten FIFA-Referees Alireza Faghani, der 2025 das Finale der FIFA-Klub-WM leitete, sowie bekannte iranische Exil-Journalistinnen und -Journalisten.
Öffentlich genannt wurden nur die Namen von Unterzeichnenden, die sich im Ausland und damit in relativer Sicherheit aufhalten. Ali Karimi lebt seit 2023 im Exil in den USA und unterstützt seit langem die Protestbewegung in seinem Heimatland.
"Wir müssen weiterkämpfen"
Auch in Deutschland leben viele Exil-Sportler aus dem Iran, wie zum Beispiel die iranische Ringerin Sarina Salehi, die Taekwondo-Kämpferin Parisa Farshidi - oder auch die Kanuten Saeid Fazloula und Reyhaneh Amro. Ihre Gedanken sind bei den Protestierenden im Iran, auch bei jenen aus dem Sport. "Sie [die Athletinnen und Athleten - Anm. d. Red.] sind Vorbilder, denen die Menschen zuhören. Natürlich haben die Herrschenden große Angst, dass sie gegen das Regime aufstehen und demonstrieren", sagt Amro der DW.
Selbst im deutschen Exil habe es schon Cyberattacken gegen sie gegeben, so die Kanutin. Man habe versucht, ihre Kontaktdaten auszuspähen. Die iranische Sportlerin will sich davon nicht beeindrucken lassen. "Die haben schon so viele junge Leute getötet", sagt Amro. "Wie könnten wir hier still bleiben? Nein, wir müssen weiterkämpfen, damit sich etwas ändert."
Der zum Tode verurteilte Fußballer Amirhossein Ghaderzadeh heißt mit Vornamen Amirhossein, nicht Amirhassan, wie es zunächst im Text stand. Der Fehler wurde am 30.1. korrigiert.