Meta vor Gericht: Machen Facebook und Instagram süchtig?
13. August 2026
Am US-Bundesgericht in Oakland in Kalifornien hat ein Zivilprozess gegen den Facebook- und Instagram-Mutterkonzern Meta begonnen. 29 US-Bundesstaaten werfen dem Unternehmen vor, seine Plattformen so gestaltet zu haben, dass Kinder und Jugendliche möglichst lange gebunden und abhängig gemacht werden. Zudem soll Meta Daten Minderjähriger unrechtmäßig gesammelt und die Öffentlichkeit über Risiken getäuscht haben.
Zunächst wurden acht Geschworene ausgewählt. Sie haben nur eine beratende Rolle. Die Eröffnungsplädoyers sind für den 18. August geplant. Der Prozess unter Vorsitz von Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers soll sechs bis sieben Wochen dauern. Eine Entscheidung wird Anfang Oktober erwartet.
Geschworene zu Social Media befragt
Rogers fragte die Kandidaten nach ihrer Nutzung sozialer Netzwerke, der Nutzung durch ihre Kinder und möglichen Folgen für die psychische Gesundheit. Auch spielte eine Rolle, ob sich diese vor ihrem 13. Geburtstag ohne Wissen der Eltern angemeldet hatten.
Eine Person verglich den Kick beim Scrollen durch angstauslösende Inhalte mit Kokain. Eine andere äußerte die Meinung, dass die Apps, "die Werte aus den Menschen ziehen".
Endlos-Scrollen im Fokus
Im Prozess geht es vor allem um die Gestaltung von Facebook und Instagram, nicht um einzelne Inhalte. Die Kläger kritisieren Endlos-Scrollen, häufige Benachrichtigungen und sichtbare "Gefällt mir"-Zahlen.
Die Plattformen seien mit dem Wissen entwickelt worden, dass das "sich entwickelnde Gehirn junger User besonders anfällig für bestimmte Formen der Manipulierung" sei. Sie hätten "die psychologischen und sozialen Realitäten einer Generation junger Amerikaner zutiefst verändert" und deren Gesundheit geschädigt, heißt es in der 233 Seiten langen Schrift der Generalstaatsanwälte.
Bis zu 1,4 Billionen Dollar Strafe
Die Kläger verlangen unter anderem Altersbeschränkungen, Begrenzungen der Nutzungsdauer und Änderungen oder die Abschaltung bestimmter Funktionen. Auch Algorithmen und KI-Modelle, die auf Daten Minderjähriger beruhen, sollen gelöscht werden.
Meta drohen theoretisch Zahlungen von bis zu 1,4 Billionen Dollar - etwa so viel wie der Börsenwert des Konzerns. Rechtsexperten halten eine solche Summe allerdings für unrealistisch.
Facebook Files als Ausgangspunkt
Auslöser der Ermittlungen waren die sogenannten Facebook Files. Die frühere Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen veröffentlichte 2021 tausende Seiten interner Dokumente. Sie deuteten darauf hin, dass Meta mögliche Schäden für Minderjährige kannte, entsprechende Warnungen öffentlich aber zurückwies.
"Meta weiß, dass seine Plattformen Kindern und Jugendlichen schaden, sorgt aber weiterhin dafür, dass diese süchtig bleiben", erklärte die Generalstaatsanwältin von New Jersey, Jennifer Davenport. "Unsere Kinder sind keine Datenpunkte, die zu Geld gemacht werden dürfen."
Zuckerberg soll aussagen
Im Prozess sollen voraussichtlich Meta-Chef Mark Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri aussagen. Für Zuckerberg ist Ende September eine rund dreistündige Befragung vorgesehen. Meta scheiterte zuletzt mit dem Versuch, den Prozess zu verschieben.
Der Konzern weist die Anschuldigungen zurück. "Wir haben Eltern zugehört, mit Experten und Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet und eingehende Untersuchungen angestellt, um die wichtigsten Probleme zu verstehen."
Meta argumentiert zudem, psychische Probleme Jugendlicher könnten nicht auf einen einzelnen Onlinedienst zurückgeführt werden. "Social-Media-Sucht" sei keine anerkannte psychische Erkrankung. Bei einigen Funktionen beruft sich der Konzern außerdem auf die Meinungsfreiheit.
Klagewelle gegen Plattformen
In den USA laufen tausende Verfahren gegen Betreiber sozialer Netzwerke. Auch TikTok, Snapchat und YouTube stehen unter Druck. Einer Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge glauben 85 Prozent der US-Amerikaner, dass soziale Medien Kinder abhängig machen können. 61 Prozent befürworten strengere Kontrollen.
Zuletzt wurde Meta in New Mexico wegen Gefährdung von Kindern zu 567 Millionen Dollar Strafe verurteilt. Meta will Berufung einlegen. In Kentucky zahlte der Konzern außerdem 27 Millionen Dollar an einen Schulbezirk, um einen Prozess zu vermeiden, der zum Präzedenzfall für rund 1200 ähnliche Klagen hätte werden können.
Der Prozess in Oakland könnte nun weitreichende Folgen haben: Erstmals steht auf Bundesebene zur Entscheidung, ob Meta zentrale Funktionen von Facebook und Instagram ändern muss.
pgr/wa (afp, epd, rtr)