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Politik

Quarantäne im Objektiv

30. April 2020

Beruflich fotografiert Theresa Rooney Familien und Paare. Wegen Corona sind ihr die Aufträge weggebrochen. Doch sie hat einen Weg gefunden, kreativ zu bleiben und dabei Familien die Corona-Zeit zu erleichtern.

Fotografin Rooney schenkt Familien in der Coronazeit ein Fotoshooting von aussen
Bild: DW/L. Hänel

Seit über zwei Monaten hat Ana das Haus nicht verlassen. Ihr Mann Mario geht nur zum Einkaufen vor die Tür. Beide haben Vorerkrankungen und müssen sich vor dem neuartigen Coronavirus schützen. An diesem Nachmittag aber haben die zweifachen Eltern etwas Besonderes geplant. Etwas, das auch ihre Kinder für einen Moment vom Corona-Alltag ablenken soll. Die Familie tritt ans Fenster und wartet auf Theresa Rooney. Die ist mit Leiter und Fotoapparat schon auf dem Weg zu ihnen.

Hoch hinaus fürs beste Bild. Theresa Rooney arbeitet mit Kamera und LeiterBild: DW/L. Hänel

Rooney ist Fotografin. Normalerweise begleitet sie Hochzeiten oder veranstaltet Familien-Fotoshootings im Freien. Corona hat auch ihren Kalender leergeräumt. Um trotzdem kreativ zu bleiben, kam die 34-Jährige auf eine ungewöhnliche Idee.

In Nachbarschaftsgruppen und auf Facebook bot sie Familien und Paaren an, sie zu fotografieren: hinter dem Küchenfenster, auf dem Balkon oder der Terrasse. "Alles mit dem nötigen Sicherheitsabstand natürlich", sagt sie der DW. "Die einzige Einschränkung ist, dass ich nur bis zum ersten Obergeschoss fotografieren kann." Nach dem Shooting schickt Rooney den Familien die Fotos zu, alles ist kostenlos. "Für die Familien, die mitmachen, ist es auch eine Erinnerung an diese Zeit, eine Dokumentation der Quarantäne", sagt Rooney.

Schöne Erinnerung an schwere Zeiten: Theresa Rooneys Quarantäne FotosBild: Theresa Rooney

Anweisungen über Telefon

Vor dem Haus der Familie angekommen, ruft Theresa Rooney Ana an. Ana stellt Rooney auf Lautsprecher. Jetzt kann die ganze Familie mithören. Sie versammeln sich am Fenster im ersten Stock, Rooney klettert auf die mitgebrachte Leiter. Übers Telefon motiviert sie, gibt Anweisungen: Mario solle die Tochter doch einmal auf den Arm nehmen, damit man sie besser sehen könne. "Können jetzt alle näher ans Fenster kommen? Perfekt, genau so!"

Die Familie von Ana und Mario ist die 15. Familie, die Rooney innerhalb von nur wenigen Tagen ablichtet. Jede Familie sei individuell, sagt Rooney. Besonders erinnere sie sich aber ein Ehepaar, das sie an deren 48. Hochzeitstag fotografiert habe. "Die haben sich sehr gefreut, dass ich sie an diesem besonderen Tag begleitet habe." Bevor Rooney die Familien und Paare fotografiert, schickt sie ihnen zwei Fragen zu: Wie erleben die Familien die Zeit? Und worauf freuen sie sich, wenn es vorbei ist? "Die meisten vermissen die Umarmung ihrer Freunde", sagt Rooney. "Aber viele sagen auch, dass sie als Familien zusammenwachsen."

Kommunikation mit Sicherheitsabstand: Beim Foto-Shooting wird telefoniert - und gewunkenBild: Theresa Rooney

Austausch mit Fremden

So ist es auch bei Ana und Mario mit ihren Kindern. Sie genössen es, den jüngsten Sohn, der nur wenige Monate alt ist, aufwachsen zu sehen. "Wir verpassen keinen Meilenstein", erzählt Ana später der DW am Telefon. Dennoch vermisse sie es, auch mal mit fremden Menschen zu sprechen. "Ich bin ein sehr offener und gesprächiger Mensch. Vor der Corona-Zeit bin ich viel mit Nachbarn ins Gespräch gekommen", sagt Ana. Deshalb habe ihr auch der Kontakt mit Theresa Rooney so gut gefallen.

Beim Fotoshooting kommunizieren die beiden Frauen viel. Rooney animiert Anas kleine Tochter, die langsam auftaut. Die Dreijährige presst ihre Nase gegen die Fensterscheibe und grinst in die Kamera. Kurz vor Ende des Shootings zieht sich die Familie kurz zurück, um sich umzuziehen. Zurück kommen sie in Karnervalskostümen: Ana und das Baby als Drachen verkleidet, Mario im Ganzkörperanzug mit Maske und die kleine Tochter im Hexenkostüm. "Wir lieben Karneval", sagt Ana am Telefon. Nur eine Woche vor ihrer selbstgewählten Isolation haben sie noch Karneval gefeiert. Nach einem letzten Foto und Winken hinter der Fensterscheibe klettert Theresa Rooney von der Leiter und verstaut ihre Kamera. In ein paar Tagen werden Ana und Mario die Fotos per E-Mail erhalten. "Es war für uns ein großer Spaß", sagt Ana später. Und ein kurzer Moment, an dem sich alles so angefühlt habe wie vor Corona.

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