Nach der enttäuschenden Fußball-WM mit dem vorzeitigen Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay zieht der DFB die Reißleine. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss gehen. Wird Jürgen Klopp sein Nachfolger?
Nach etwas mehr als 1000 Tagen im Amt des Bundestrainers ist für Julian Nagelsmann SchlussBild: Peter Cziborra/REUTERS
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Eine Nacht lang hat Julian Nagelsmann sich mit seiner Entscheidung Zeit gelassen, jetzt nimmt der bei der Fußball-WM mit dem DFB-Team gescheiterte Coach seinen Hut und tritt als Bundestrainer zurück. Das bestätigte der Deutschen Fußballbund (DFB) am Freitagmittag. Zuvor hatten bereits übereinstimmend mehrere Medien, darunter die TV-Sender Sky und RTL sowie die "Bild"-Zeitung, berichtet.
Einen Tag nach einem Krisentreffen mit der Führung des DFB am Donnerstag stimmte der 38-jährige Nagelsmann der "gesichtswahrenden Lösung", die ihm angeboten wurde, zu und zog damit die Konsequenzen aus dem frühen WM-Aus gegen Paraguay.
"Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht", wird Nagelsmann in der Mitteilung des Verbands zitiert. "Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient."
Mit seinem Rücktritt kam Nagelsmann offenbar einer Entlassung zuvor. Direkt nach dem Spiel hatte er noch im TV-Interview gesagt: "Ich bin keiner der wegläuft. Ich stehe zur Verfügung und mache bis zur Europameisterschaft 2028 weiter." Bis dahin lief Nagelsmanns Vertrag, der angeblich mit sieben Millionen Euro pro Jahr dotiert ist. Ein Jahresgehalt soll der scheidende Bundestrainer als Abfindung erhalten.
Seine letzten Worte als Bundestrainer richtete er an die Fans: "Ihr habt uns getragen, ihr habt uns vertraut, ihr habt uns Energie gegeben, selbst in schwierigen Phasen. Es tut mir von Herzen leid und weh, dass wir euch enttäuscht haben und euch keine weiteren Fußballnächte bei dieser WM bescheren konnten. Ihr hättet viel mehr verdient gehabt!"
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Jürgen Klopp als "Heilsbringer"?
Nachfolger soll Jürgen Klopp werden. Der ehemalige Erfolgstrainer von Borussia Dortmund und des FC Liverpool ist aktuell noch als "Head of Global Soccer" bei Red Bull angestellt. Klopps Vertrag dort läuft bis 2029, es soll aber mindestens eine mündliche Zusage geben, wonach er bei einem DFB-Angebot aussteigen kann.
Steht offenbar als Nachfolger bereit: Jürgen KloppBild: Markus Ulmer/Ulmer/Teamfoto/IMAGO
Dass Klopp übernehmen werde, sei "so sicher wie das Amen in der Kirche", wird im Magazin "Der Spiegel" ein "einflussreicher Topmanager eines Spitzenklubs" der Bundesliga zitiert.
Der DFB bestätigte zudem, dass er mit Blick auf die Neubesetzung das Gespräch mit Klopp suchen werde. Dieser habe "bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert".
Der 59-Jährige, der bereits bei den letzten Wechseln auf der Position des Bundestrainers von Joachim Löw zu Hansi Flick und von Flick zu Nagelsmann als Kandidat gehandelt wurde, wird dann im September in der Nations League gegen die Niederlande den Neustart der Fußball-Nationalmannschaft moderieren.
Der Artikel wurde nach der Bestätigung des Rücktritts von Julian Nagelsmann durch den DFB aktualisiert.
Das wichtigste Traineramt im deutschen Fußball wird nicht mehr von Julian Nagelsmann bekleidet. Er war seit 2023 der zwölfte Bundestrainer in der Historie der deutschen Nationalelf.
Bild: Marvin Ibo Güngör/GES/picture alliance
Otto Nerz (1926 - 1936)
Obwohl die deutsche Nationalmannschaft seit 1908 Länderspiele austrägt, gibt es erst 1927 die erste Partie mit hauptamtlichem Trainer: Otto Nerz (3.v.l.), Arzt, Pädagoge und früher selbst Fußballer, führt die Nationalmannschaft zu ersten Erfolgen: So holt das DFB-Team 1934 bei der WM in Italien einen überraschenden dritten Platz.
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Sepp Herberger (1936 - 1942 /1950 - 1964)
Sepp Herberger ist schon in der Nazi-Zeit sechs Jahre lang Reichstrainer der Nationalmannschaft. Fünf Jahre nach Kriegsende wird er erster Bundestrainer. Seine Mannschaft um Kapitän Fritz Walter gewinnt 1954 überraschend die Weltmeisterschaft - das "Wunder von Bern". An diesen Erfolg kann Herberger, der "Chef", der der Welt viele Fußball-Weisheiten hinterlässt, später aber nicht mehr anknüpfen.
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Helmut Schön (1964 - 1978)
Herberger übergibt das Amt an seinen langjährigen Assistenten. Schön (r.) führt anders als sein Vorgänger: Die Spieler werden einbezogen und dürfen mitbestimmen. Sie danken es ihm durch gute Ergebnisse. Deutschland wird 1966 Vize-Weltmeister, 1972 Europameister, 1974 Weltmeister (Foto) und 1976 Vize-Europameister. "Der Mann mit der Mütze" ist der einzige Bundestrainer, der WM und EM gewinnen kann.
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Jupp Derwall (1978 - 1984)
Nach der Ära Schön, die nach der WM 1978 endet, wird erneut der vorherige Assistent als Chef installiert. Jupp Derwall startet mit 23 Spielen ohne Niederlage und gewinnt gleich sein erstes Turnier, die EM 1980. Bei der WM 1982 kommt er mit dem DFB-Team ins Finale. Doch als sich nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 1984 die Boulevardpresse auf ihn stürzt, tritt "Häuptling Silberlocke" entnervt zurück.
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Franz Beckenbauer (1984 - 1990)
Es übernimmt Boulevard-Liebling Franz Beckenbauer - allerdings als Teamchef, weil er keine Trainerlizenz besitzt. Bundestrainer unter dem "Kaiser" sind zunächst Horst Köppel, später Holger Osieck. Beckenbauer erreicht 1986 in Mexiko das WM-Finale, enttäuscht 1988 bei der Heim-EM mit dem Halbfinal-K.o. gegen die Niederlande - und krönt seine Amtszeit schließlich mit dem Weltmeister-Titel 1990.
Bild: picture-alliance/dpa/M. Hellmann
Berti Vogts (1990 - 1998)
Der Ex-Gladbacher bekommt ein schweres Erbe mit: "Deutschland wird auf Jahre unschlagbar sein", prophezeit Vorgänger Beckenbauer. Vogts muss einen Mix aus BRD- und DDR-Spielern finden. Nach dem EM-Finale 1992 (1:2 gegen Dänemark) enttäuscht das Team mit dem Viertelfinal-Aus gegen Bulgarien bei der WM 1994. Der EM-Titel 1996 versöhnt die Fans. Die WM 1998 endet wieder zu früh - und Vogts hört auf.
Bild: Oliver Multhaup/dpa/picture alliance
Erich Ribbeck (1998 - 2000)
Bin ich Bundestrainer oder du? Die Verpflichtung von Erich Ribbeck (l.) verläuft holprig. Der DFB kann sich nicht entscheiden. Erst wird Paul Breitner ausgewählt, die Idee aber schnell wieder verworfen. Der spätere Co-Trainer Uli Stielike (r.) sagt zu und ist dann überrascht, dass nicht er Bundestrainer ist, sondern Ribbeck. Erfolgreich ist die kurze Ära auch nicht: Vorrunden-Aus bei der EM 2000.
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Rudi Völler (2000 - 2004)
Nach Ribbeck geht das Chaos weiter: Christoph Daum soll Bundestrainer werden, stolpert aber über eine Kokain-Affäre. Rudi Völler springt als Teamchef ein - Bundestrainer ist Michael Skibbe - und führt das DFB-Team 2002 ins WM-Finale. "Es gibt nur ein'n Rudi Völler", singen die Fans. Fußballerisch ist das DFB-Team nicht brillant. Nach dem frühen EM-Aus 2004 stellt Völler sein Amt zur Verfügung.
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Jürgen Klinsmann (2004 - 2006)
Danach weht ein frischer Wind. Jürgen Klinsmann sorgt für Aufbruchstimmung: junge Spieler, rote Trikots, mutiger Fußball. Die Mannschaft überzeugt beim Confed-Cup 2005 und schreibt ein Jahr später mit Platz drei bei der Heim-Weltmeisterschaft das "Sommermärchen". Deutschland feiert sein Team - das hat es lange nicht gegeben. Doch im Moment des Erfolgs tritt Klinsmann auch schon wieder ab.
Bild: Ulmer/imago images
Joachim Löw (2006 - 2021)
Klinsmann-Nachfolger Joachim Löw führt den gemeinsamen Stil fort und feiert Achtungserfolge: EM-Finale 2008, WM-Dritter 2010. Allerdings steht Löw nach dem Halbfinal-Aus bei der EM 2012 gegen Italien in der Kritik und auf der Kippe. Löw bleibt und wird 2014 in Brasilien Weltmeister. Nach dem WM-Vorrunden-Aus 2018 in Russland wird es erneut eng. Vor der EM 2021 kündigt Löw seinen Rücktritt an.
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Hansi Flick (2021 - 2023)
Im Mai 2021 wird Hansi Flick Nachfolge Löws, dem er 2014 als Co-Trainer in Brasilien Weltmeister wird. Flicks Vertrag beginnt nach der EM 2020 und läuft bis zur Heim-EM 2024. Doch sein erstes großes Turnier, die WM in Katar, ist bereits nach der Vorrunde beendet. Nach schlechten Ergebnissen im Jahr 2023 zieht der DFB die Reißleine und entlässt den einstigen Erfolgstrainer des FC Bayern.
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Julian Nagelsmann (2023 - 2026)
Nach Flicks Ausscheiden dauert es nicht lange, bis der DFB mit dem Ex-Bayern-Trainer seinen Wunschkandidaten verpflichtet. Der mit 36 Jahren jüngste Bundestrainer der Verbandshistorie erfüllt seine erste Mission und spielt eine erfolgreiche EURO 2024 im eigenen Land. Sein Vertrag wird mehrfach verlängert: zuletzt bis zur EM 2028. Allerdings erfolgt nach der WM-Pleite 2026 jäh das Aus.