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Skandal

18. Januar 2007

Mehr als 10.000 Briten haben sich wegen rassistischer Schikane gegen eine Teilnehmerin der beliebten Fernsehshow 'Big Brother' beschwert. Der Skandal hat inzwischen sogar das Parlament erreicht.

Bollywood-Schauspielerin Shilpa Shetty, Foto: AP
"Sie will weiß sein" - rassistisches Mobbing im ContainerBild: AP

Die einstige "Miss Great Britain" war sich sicher, was die schöne dunkelhäutige Schauspielerin Shilpa Shetty aus Indien möchte: "Sie will weiß sein, sie ist eine Hündin", blaffte die britische Ex-Schönheitskönigin Danielle Lloyd live vor einem Millionenpublikum. Zwar gilt das Rausekeln von Mitbewohnern des "Big Brother"-Hauses auch in Großbritannien als Kampfziel des Spiels, doch das ging den vielen Zuschauern doch zu weit, zumal besagte Äußerung nicht der erste gehässige Angriff auf die Inderin war.

Großbritannien: Eine Welle der EmpörungBild: AP

Der Labour-Abgeordnete Keith Vaz sieht in den Beleidigungen Shettys das Grundmuster "eines rassistischen Verhaltens, das nicht hinnehmbar ist". So musste sich die 31-Jährige, die bereits in 51 Bollywood-Filmen zu sehen war, von Jo O'Meara, einst Mitglied der Popband "S Club 7", sagen lassen: "Inder sind so dünn, weil sie ihr Essen nicht richtig abkochen" und daher "dauernd krank sind". Andere im "Big Brother House" wollten nicht mit Shilpa das Essen teilen, weil sich "Leute wie die" angeblich die Hände nicht richtig waschen und machten sich über ihren indischen Akzent lustig.

Welle der Empörung

Innerhalb von 48 Stunden trafen weit mehr als 10.000 Beschwerden wegen "rassistischer Schikanierung" bei der TV-Aufsichtsbehörde sowie beim Sender Channel 4 ein. Die Wogen erreichten nicht nur das Westminster-Parlament, wo ein Abgeordneter eine Untersuchung forderte, sondern sogar Scotland Yard: Die Polizei prüft, ob einige scharf formulierte E-Mails an "die Beleidiger Shilpa Shettys" den Tatbestand der Drohung mit Mord oder Körperverletzung erfüllen.

Selbst Blair musste sich äußernBild: AP

Die Boulevardzeitung "Mirror" brauchte nur zwei Worte, um die Empörung Tausender auf den Punkt zu bringen: "Evict them" stand am Mittwoch in Riesenlettern auf der ersten Seite: "Werft sie raus!" England wäre nicht England, wenn nicht die Buchmacher Wetten anbieten würden, ob und wann die jetzige Containertruppe vorzeitig nach draußen gebeten wird. Große, zumindest moralische Siegerin wäre dann die Frau aus Indien. Von allein werde Shetty auf keinen Fall gehen, schreibt der Autor Hari Kunzru im "Guardian": "Als Tamilin hat sie in Bombay sicher gelernt, mit Diskriminierungen umzugehen."

Blair muss sich äußern

Der Skandal hat mittlerweile sogar das Parlament erreicht: Premierminister Tony Blair sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen und beeilte sich zu sagen, dass er die Sendung zwar nicht gesehen habe, sich jedoch gegen Rassismus in jeder Form wende. Finanzminister Gordon Brown verurteilte auf seiner Indien-Reise die wüsten Angriffe "als schädlich für das Image der Briten im Ausland" und der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone warf der Produktionsgesellschaft Endemol vor, die rassistischen Ausfälle gegen Shetty absichtlich auszustrahlen.

Immer wieder wurde in der britischen Diskussion um "Big Brother" eine Frage aufgeworfen, die auch für den Start der nächsten Staffel in Deutschland relevant ist: Wie wollen die Veranstalter derartige Ausfälle vermeiden? Der Abonnentenkanal Premiere, der die siebte "BB"-Staffel vom 5. Februar an 24 Stunden täglich live übertragen wird, hat bereits verstärkte Kontrolle angekündigt. Künftig werden dort drei statt zwei Redakteure den Verlauf von "Big Brother" überwachen, um bei verbalen Entgleisungen abzuschalten.

Pannen auch in Deutschland

Ob das bei der Dauershow von insgesamt 150 Tagen immer gelingt, bleibt abzuwarten. Mit Grausen erinnern sich viele Fernsehleute daran, wie im Oktober 2004 ein Bewohner des Show-Hauses in Köln während der Live-Übertragung Judenwitze erzählte, ohne dass die Aufpasser es rechtzeitig merkten. Den beiden wurde fristlos gekündigt. (ina)

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