Razzien bei Zuckerfirmen
17. Mai 2013
Im Auftrag der EU-Kommission durchsuchten Fahnder die Geschäftsräume verschiedener Zuckerproduzenten, und das schon am 23. April, wie jetzt bekannt wurde. Dabei haben die Beamten Akten und Computer beschlagnahmt. Die Kartellwächter gehen dem Verdacht nach, dass der Zuckerpreis in Europa durch rechtswidrige Kartellabsprachen künstlich hochgehalten worden ist - zum Nachteil der Verbraucher, die so für Zucker und Zuckerprodukte einen überhöhten Preis gezahlt hätten.
Nach Ermittlungen gegen Bierbrauer, Kartoffelproduzenten und Firmen der Ölbranche ist dies der vierte Fall mutmaßlicher Kartellbildung innerhalb kurzer Zeit, dem die EU-Kommission nachgeht.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte es für die betroffenen Zuckerproduzenten teuer werden. Bei Verstößen gegen das Kartellrecht drohen Strafzahlungen, die bis zu einem Zehntel des Jahresumsatzes eines Unternehmens betragen können. Die Razzien, so die Kommission in einer Stellungnahme, seien "ein erster Schritt" und keineswegs bereits ein Hinweis darauf, dass die betroffenen Unternehmen sich schuldig gemacht hätten.
"Kooperation in vollem Umfang"
Wie in solchen Fällen üblich, machte die EU-Kommission keine Angaben darüber, welche Firmen durchsucht worden sind. Branchenkenner gegen davon aus, dass es sich dabei um sechs große europäische Produzenten in verschiedenen Ländern handelt. Die Fahnder, so die EU-Kommission in Brüssel, gingen Fällen von fragwürdiger Preisgestaltung bei "weißem Zucker in seinen verschiedenen Formen" nach.
Am Donnerstag hatte Europas größter Zuckerproduzent, Südzucker, die Razzia bestätigt: "Auch bei uns waren sie", gab Südzucker-Chef Wolfgang Heer bei der Bilanzpresskonferenz seines Unternehmens in Mannheim zu. Er könne zu dem Grund für die Razzia nichts sagen, so Heer, sei aber sicher, "dass die Untersuchung keine Folgen haben wird".
Das Konkurrenz-Unternehmen Nordzucker im niedersächsischen Braunschweig ist am 23. April ebenfalls durchsucht worden, wie das Unternehmen am jetzt bestätigte. Ein Firmensprecher versicherte, sein Unternehmen "kooperiere in vollem Umfang mit den Behörden".
dk/qu (dpa/afp)