Rechtsextremismus: Prozess gegen "Sächsische Separatisten"
23. Januar 2026
Die Angeklagten nannten sich "Sächsische Separatisten", kurz "SS". Eine Anspielung auf den Nationalsozialismus. Damals, während der Terror-Herrschaft unter Adolf Hitler von 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945, stand "SS" für "Schutzstaffel". Sie war ein zentrales Herrschaftsinstrument und sowohl bei der Planung als auch der Durchführung des Holocaust und anderer Völkermorde von entscheidender Bedeutung.
Militant, rassistisch, antisemitisch und apokalyptisch
75 Jahre nach dem Ende der Nazi-Zeit bereiteten sich die "Sächsischen Separatisten" nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft darauf vor, die Demokratie in Deutschland zu stürzen. Den Ermittlungen zufolge wurde die mutmaßlich rechtsextremistische Terror-Gruppe 2020 nahe Leipzig in der Kleinstadt Brandis (Sachsen) gegründet.
"Hierbei handelte es sich um eine aus zuletzt etwa zwanzig Personen bestehende militante Gruppierung, deren Ideologie von rassistischen, antisemitischen und in Teilen apokalyptischen Vorstellungen geprägt war."
Razzia in Deutschland, Österreich und Polen
Acht Männer der "Sächsischen Separatisten" wurden im November 2024 bei einer internationalen Razzia in Deutschland, Österreich und Polen festgenommen. Sie befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess gegen sie beginnt am Freitag (23.01.2026) vor dem Oberlandesgericht in der sächsischen Hauptstadt DresdenDie
Laut Anklage waren die Angeklagten davon überzeugt, dass Deutschland vor dem Kollaps steht und an einem zu erwartenden "Tag X" der staatliche und gesellschaftliche Zusammenbruch eintreten wird: "Die Mitglieder der Vereinigung waren fest entschlossen, bei dieser Gelegenheit mit Waffengewalt möglichst große Gebiete in Sachsen zu erobern, um dort einen eigenständigen, an der Ideologie des Nationalsozialismus ausgerichteten Staat zu errichten."
Liquidierungen und Vertreibungen
Hierzu sei die Liquidierung von Vertretern der bisherigen staatlichen Ordnung der Bundesrepublik geplant gewesen. Ebenso hätten unerwünschte Menschengruppen, insbesondere Angehörige ethnischer Minderheiten und politische Gegner, durch sogenannte ethnische Säuberungen aus der Gegend "entfernt" werden sollen.
Seit ihrer Gründung sollen sich die "Sächsischen Separatisten" kontinuierlich auf den aus ihrer Sicht unausweichlichen Systemsturz vorbereitet haben. Als Rädelsführer betrachtet die Bundesanwaltschaft den Angeklagten Jörg S. Er habe die Kommunikation der Mitglieder untereinander hauptverantwortlich administriert und paramilitärische Trainings geleitet.
Ein Angeklagter wurde bei der Festnahme angeschossen
"Nahezu alle von ihnen übten auf Schießständen in Deutschland, Polen oder Tschechien den Umgang mit scharfen Schusswaffen und sorgten zudem für die Beschaffung von Ausrüstungsmaterial." Dem Angeklagten Kurt H. wird vorgeworfen, er habe bei seiner Festnahme mit einem Gewehr auf einen Polizisten schießen wollen. Um das zu verhindern, habe der Beamte Schüsse auf H. abgegeben, die ihn im Gesichts- und Schulterbereich getroffen und handlungsunfähig gemacht hätten.
Nach Berichten mehrerer Medien sollen H. und zwei weitere Angeklagte in der Alternative für Deutschland (AfD) aktiv gewesen sein. Die Partei wird vom Verfassungsschutz in Sachsen als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Aus Sicht des deutschen Inlandsgeheimdienstes stehen die "Sächsischen Separatisten" exemplarisch dafür, wie eng Neonazis mit der AfD vernetzt sind.
AfD-Abgeordneter beschäftigte "Sächsische Separatisten"
Die Festnahme der mutmaßlichen Rechtsterroristen hatte im März 2025 Folgen für den sächsischen AfD-Abgeordneten Alexander Wiesner: Der Landtag stimmte mit absoluter Mehrheit dafür, ihn vom Vorsitz des Ausschusses für Verfassung, Recht und Europa abzuberufen. Ihm wurde vorgeworfen, zwei mutmaßliche Mitglieder der "Sächsischen Separatisten" beschäftigt zu haben: die jetzt Angeklagten Kurt H. und Kevin R.
Die AfD hat inzwischen beide Männer aus der Partei ausgeschlossen, außerdem den ebenfalls vor Gericht stehenden Hans-Georg P. Der jetzt gegen sie und fünf weitere Männer beginnende Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden könnte auch Aufschluss über die internationale Dimension des gewaltbereiten Rechtsextremismus geben. Die Ermittler haben dafür zahlreiche Anhaltspunkte gefunden.
Das Gericht hat sich auf einen entsprechend langen Prozess eingestellt: Bis Dezember 2026 wurden bereits 67 Verhandlungstage terminiert.