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Refurbished: Weiße Ware fast "wie neu"

Matilda Jordanova-Duda
23. Dezember 2025

Miele testet in den Niederlanden den Verkauf generalüberholter Waschmaschinen, um neue Kundengruppen anzusprechen. Bei anderen Geräten ist das schon üblich.

Deutschland | Sichtung und Reparatur gebrauchter Waschmaschinen | Pressefoto Miele
Rückläufer-Waschmaschinen werden gewartet, repariert und mit neuer Garantie wieder verkauftBild: Miele

Eine Miele-Waschmaschine für wenig Geld: In den Niederlanden verkauft der Gütersloher Premium-Hersteller von Hausgeräten seit drei Jahren auch generalüberholte Waschmaschinen. In dem Refurbishment-Pilotprojekt werden Rückläufer eingesammelt, darunter auch Geräte mit Kratzern oder gut reparierbaren Fehlern. Sie werden dann zentral aufbereitet und online wieder verkauft.

Die Wahl fiel auf die Niederlande, weil die Marke dort sehr beliebt ist und die Verbraucher besonders offen für Refurbishment-Produkte sind. Das Familienunternehmen will mit dem Testballon auch neue Kundengruppen ansprechen. Die gefürchtete Kannibalisierung der eigenen neuen Modelle durch die Refurbished-Geräte blieb aus, wie Max Wagner berichtet, der das Nachhaltigkeitsteam bei Miele leitet.

Wer sich keine neue Miele-Waschmaschine leisten kann, findet bei Refurbished-Geräten unter Umständen eine bezahlbare MaschineBild: Miele

"Wir haben den Kundenkreis um jüngere, digital affine Gruppen erweitern können, die sich aus Kostengründen sonst vielleicht für einen Wettbewerber entschieden hätten", so Wagner. Nachhaltigkeitsüberlegungen wie Ressourcen sparen und die Umwelt schonen seien beim Kauf von Refurbished-Produkten aktuellen Umfragen zufolge eher zweitrangig.

Wiederaufbereitete Elektronikplatinen machen Reparatur günstiger

In einem weiteren Pilotprojekt von Miele werden wiederaufbereitete Elektronikplatinen neu eingebaut. Kunden können bei der Reparatur ihrer Waschmaschine, ihres Geschirrspülers oder ihres Kaffeevollautomaten wählen zwischen einer neuen und einer generalüberholten Platine. Bei älteren Modellen entscheiden sich viele Kunden für die günstigere Variante.

Mit speziellen Geräten werden gebrauchte Elektroplatinen auf ihre Funktionen untersucht und wieder aufbereitetBild: Miele

Miele hat 2024 rund 12.000 Elektronikkomponenten aufbereitet. Das Pilotprojekt läuft in fünf europäischen Ländern, einschließlich Deutschland. Die Bereitstellung von zwei Optionen bedeute etwas mehr Aufwand für den Kundendienst, so Wagner. Die Servicekollegen würden beim Reparaturtermin sowohl neue als auch wiederaufbereitete Elektronikplatinen dabei haben, damit sie die Reparatur gleich beim ersten Besuch je nach Kundenwunsch erledigen könnten.

Warum sich Waschmaschinen für Refurbishment eignen 

Die Waschmaschine eignet sich besonders gut für die Wiederverwendung, weil sie relativ teuer ist und in großer Stückzahl verkauft wird, sodass es genug Rückläufer gibt. Ersatzteile sind lange verfügbar. Kratzer spielen eine kleinere Rolle, da die Maschine meist im Keller steht - im Gegensatz etwa zu Küchengeräten.

Das niederländische Pilotprojekt von Miele soll als Blaupause für andere Gerätegruppen und Märkte dienen. Allerdings benötige ein Refurbishment-System eine eigene Infrastruktur und ausreichend Rückläufer innerhalb eines Landes, um die Nachfrage bedienen zu können, sagt Christoph Wendker, Leiter Nachhaltigkeit und Regulatorik bei Miele. Der Transport ausrangierter Waschmaschinen über Ländergrenzen hinweg sei aufgrund des EU-Abfallrechts nahezu unmöglich.

Wiederaufbereitung bei Smartphones etablierter

Das ist auch einer der Gründe, warum professionell wiederaufbereitete Weiße Ware noch einen sehr geringen Marktanteil hat. Nejc Jakopin von der Technologieberatung A.D. Little schätzt ihn auf weniger als fünf Prozent. Zum Vergleich: In Europa werden ein Viertel der Smartphones auf dem Zweitmarkt erworben.

Alte Smartphones werden an eine Anlage zum Refurbishment von elektronischen Geräten angeschlossenBild: Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Smartphones sind klein, lassen sich leicht verschicken und überprüfen, werden alle zwei bis fünf Jahre gewechselt und haben einen relativ hohen Restwert. Haushaltsgeräte wieder in Umlauf zu bringen, ist dagegen aufwändig: Um eine Waschmaschine abzuholen, braucht es mindestens zwei Personen und einen Wasseranschluss zum Testen der Funktionen.

"Eine professionelle Aufbereitung mit Garantie erfordert eine eigene Logistikkette", erklärt Jakopin. Die erste Schwierigkeit besteht darin, an die gebrauchten, aber noch brauchbaren Geräte überhaupt zu gelangen. "Man muss sie direkt beim Kunden einsammeln oder Annahmestellen schaffen." Premium-Hersteller wie Miele mit eigenen Vertriebskanälen hätten da einen Vorteil.

Auch Händler bieten schon aufbereitete Geräte an

"Andere Produzenten müssen sich überlegen, wie sie mit den Händlern zusammenarbeiten", betont der Experte. Refurbishment sei auch für den Handel ein Thema: "Wenn Rücknahmen in einen Kreislauf münden, generiert das neue Umsätze. Man kann den Kunden den Wechsel zu einem Gerät, das günstig, aber ein bisschen schicker und energieeffizienter als ihr vorheriges ist, schmackhaft machen."

Neue Waschmaschinen von Miele sind teuer. Der Verkauf von Refurbished-Geräte beeinträchtigt nicht den Absatz von neuen MaschinenBild: Friso Gentsch/dpa/picture alliance

Bei MediaMarktSaturn, Europas größtem Elektrofachhändler, werden neben Tausenden Smartphones und Laptops aus zweiter Hand auch rund 260 "wie neue" Haushaltsgeräte angeboten, beispielsweise Dunstabzugshauben, Mini-Kühlschränke und Kochfelder.

Der Star der Haushaltsgeräte auf dem Zweitmarkt ist der Thermomix. Die vielseitige Küchenmaschine des Wuppertaler Unternehmens Vorwerk erzielt auch nach mehreren Dienstjahren noch hohe dreistellige Preise auf Plattformen wie refurbed.de, erneuert.shop oder backmarket.de. Langlebigkeit, lange verfügbare Ersatzteile und eine renommierte Marke begünstigen, ähnlich wie bei Miele, ein weiteres Leben nach der Erstnutzung. Zudem ist ein Küchenautomat leichter zu versenden als eine Waschmaschine.

Und die Gebrauchsspuren...

Inzwischen gibt es Unternehmen, die sich auf die Wiederaufbereitung alter Geräte spezialisiert haben. Dazu gehört I-Project, die Firma hinter erneuert.shop, die Vorwerk-Küchenmaschinen ankauft, prüft, reinigt und wieder verkauft. Das Verfahren ist ähnlich wie bei Smartphones: Das Modell wird auf der Webseite ausgewählt, eine Selbsteinschätzung des Zustands angegeben und ein zunächst unverbindliches Angebot eingeholt. Nach der Prüfung des Gerätes bestätigt oder ändert die Firma den Preis, den sie bereit ist zu zahlen.

Käufer, die einfach neue Ware ohne Schrammen und Vorbesitzer wollen, seien noch deutlich in der Mehrheit, sagt der Technologieexperte Jakopin, aber das Refurbised-Segment wachse.

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