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Gemischte Bilanz: Regimewechsel durch die USA

2. März 2026

Während der Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel eskaliert, zeigt der Rückblick auf Regimewechsel unter anderem in Libyen, dem Irak, Afghanistan, welche Folgen die Interventionen der USA hatten.

USA 2026 | Munitionsbeladung einer F/A-18F auf der USS Abraham Lincoln bei Operation Epic Fury
Operation "Epic Fury": US-Soldaten bewaffnen einen Kampfjet auf dem Deck der USS Abraham Lincoln, um Ziele im Iran anzugreifenBild: Kulani Lakanaria/U.S. Navy/Planet Pix/ZUMA/picture alliance

Die USA und Israel haben von Beginn an klargemacht, was sie mit ihrem Krieg im Iran erreichen wollen: Von Teheran soll keine atomare oder konventionelle militärische Gefahr mehr ausgehen - und das geschwächte Mullah-Regime soll entmachtet werden.

Seitdem haben US-Präsident Donald Trump und andere hochrangige US-Beamte unterschiedliche Gründe für die US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe auf den Iran genannt. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Montag sogar, der aktuelle Konflikt sei "kein sogenannter Regimewechsel-Krieg". Angesichts der US-Geschichte wäre es jedoch nicht überraschend, wenn Trumps ursprüngliche Begründung tatsächlich einer der Beweggründe für die Militärintervention gewesen wäre.

Kein Land hat mehr Erfahrung mit sogenannten "Regime Change"-Operationen als die Vereinigten Staaten: Allein während des Kalten Kriegs (1947-1989) haben die USA laut einer Studie 72 Versuche unternommen, die Machtverhältnisse im Ausland zu ihren Gunsten zu verändern. Dabei handelte es sich überwiegend (in 64 Fällen) um verdeckte Operationen der Geheimdienste, mit einer Erfolgsquote von rund 40 Prozent.

So gelang es der amerikanischen CIA gemeinsam mit dem britischen MI6 im Jahr 1953, den damaligen iranischen Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh zu stürzen. Im Ergebnis wurde jedoch Schah Mohammed Reza zunehmend als "Lakai der USA" angesehen und im Rahmen der Islamischen Revolution 1979 gestürzt. Das damals errichtete theokratische und zunehmend repressive Regime steht nun im Fokus der aktuellen Luftschläge.

Selbst eine kurzfristig erfolgreiche "Regime Change"-Operation kann also im Nachhinein neue Probleme nach sich ziehen. Ein Überblick über ausgewählte verdeckte oder offene "Regime Change"-Operationen mit US-Beteiligung.

Libyen (2011)

Als im Frühjahr 2011 der sogenannte Arabische Frühling in ganz Nordafrika die Hoffnung auf Umbruch nährte, wuchs auch in Libyen der Widerstand gegen Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi. Die USA unter Präsident Barack Obama schlugen sich früh auf die Seite seiner Gegner, den sogenannten Nationalen Übergangsrat. Die USA, Frankreich und Großbritannien verübten Luftschläge, bald unter dem Dach der NATO-Operation "Unified Protector". Im Oktober griffen eine US-Drohne und ein französischer Kampfjet Gaddafis Konvoi an, bevor dieser von Kämpfern des Übergangsrates getötet wurde.

Fast 15 Jahre später ist Libyen immer noch politisch zerrissen und geprägt von massiver Instabilität.

Irak (2003)

Am 1. Mai 2003, wenige Wochen nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein, proklamierte der damalige US-Präsident George W. Bush das vermeintliche Ende des Irak-Kriegs: "Mission Accomplished" (Mission erfüllt) stand auf dem Banner hinter seinem Rednerpult auf dem Deck des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln. "Der Übergang von der Diktatur zur Demokratie wird Zeit brauchen, aber er ist jede Anstrengung wert", sagte Bush. "Unsere Koalition bleibt so lange, bis unsere Arbeit getan ist. Dann werden wir gehen und einen freien Irak hinterlassen."

Mission erfüllt: Später hat George W. Bush eingeräumt, das Banner sei missverständlich gewesenBild: Stephen Jaffe/AFP/Getty Images

Doch in der anschließen Besatzungszeit kehrten keineswegs Frieden oder Stabilität ein: Die staatlichen Institutionen waren geschwächt, und das Nachbarland Iran unterstützte schiitische Milizen, die sich immer heftigere Kämpfe mit sunnitischen Einheiten lieferten. Im Machtvakuum stieg schließlich die Terrormiliz IS zu einem mächtigen Akteur auf und destabilisierte den Irak, Syrien und die gesamte Region weiter.

Aus Sicht des US-Historikers Joseph Stieb saßen die Amerikaner damals der falschen Annahme auf, dass sich in so einer Situation die Werte der liberalen Demokratie durchsetzen würden. "Sie glaubten, dass Regime wie im Irak nach einem Sturz relativ einfach zu ersetzen wären."

Afghanistan (2001)

Noch ein weiterer Krieg mit dem Ziel eines "Regime Change" ist mit George W. Bush verbunden: Bereits vier Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 startete das US-Militär die "Operation Enduring Freedom" in Afghanistan. Das bisherige Taliban-Regime wurde rasch gestürzt - doch auch hier konnte sich die US-gestützte neue Regierung nur eine Zeitlang behaupten.

Der hastige Abzug aus Afghanistan gilt als ein Schwachpunkt der Amtszeit von US-Präsident Joe BidenBild: Saul Loeb/AFP/Getty Images

Nachdem die internationalen Streitkräfte, an denen auch Deutschland beteiligt war, 2014 ihre Truppenkontingente reduzierten, gewannen die Taliban Schritt für Schritt wieder an Boden. Sie verübten Anschläge und schwächten die Einheitsregierung zusehends. Im letzten Jahr seiner ersten Amtszeit vereinbarte Donald Trump mit den Taliban einen Abzug der verbliebenen US-Soldaten; die als Gegenleistung nicht angegriffen werden sollten. Unmittelbar nach dem unter Joe Biden 2021 durchgeführten Abzug der letzten verbliebenen US-Soldaten übernahmen die Taliban wieder die vollständige Kontrolle und kehrten zum vor dem US-Einmarsch gültigen politischen System zurück.

Panama (1989)

In den 1980ern herrschte in Panama der Diktator Manuel Noriega. Er stand jahrelang auf den Gehaltslisten der CIA, bevor er im Strudel der Iran-Contra-Affäre zu einer Belastung für die US-Regierung wurde. Unter seiner Herrschaft war Panama ein Drehkreuz für Drogenhändler; zudem mussten die USA befürchten, beim geplanten Ausbau des Panama-Kanals keine Rolle zu spielen.

Die Operation Just Cause setzte in Panama einen Demokratisierungsprozess in GangBild: Spec. Morland/Everett Collection/picture alliance

Im Mai 1989 siegte der Oppositionspolitiker Guillermo Endara bei der Präsidentenwahl; Noriega erkannte dies jedoch nicht an. Über das Jahr 1989 hinweg schaukelte sich die Situation hoch, bis US-Präsident George H. W. Bush im Dezember die Militäroperation "Just Cause" zur Absetzung Noriegas anordnete. Am 20. Dezember wurde Endara als Präsident eingesetzt; zwei Wochen später stellte sich Noriega. Er saß anschließend verschiedene Haftstrafen in den USA, Frankreich und Panama ab und starb 2017. Die Kosten für den Militäreinsatz wurden später mit 331 Millionen US-Dollar angegeben.

Grenada (1983)

Ab 1979 wandte sich der Karibikstaat Grenada politisch immer eindeutiger der Sowjetunion zu. Als der amtierende Premier Maurice Bishop gegenüber den USA beschwichtigte, wurde er von Militäreinheiten entmachtet und ermordet. In diese Lage hinein startete US-Präsident Ronald Reagan, unterstützt von mehreren Karibikstaaten, eine Invasion - gegen heftigen Widerstand der britischen Regierung, die das Commonwealth-Mitglied als eigene Einflusssphäre sah. Nach dem Abzug der US-Truppen setzte Königin Elisabeth II. eine Übergangsregierung ein.

Dominikanische Republik (1965)

Nach mehreren Putschen drohte die Dominikanische Republik 1965 in einen Bürgerkrieg abzusinken. Nach einer entsprechenden Abstimmung der Organisation Amerikanischer Staaten leitete US-Präsident Lyndon B. Johnson eine Invasion in die Wege. Vordringlich ging es darum, amerikanische Staatsbürger zu schützen - inoffiziell jedoch auch, inmitten des Kalten Kriegs ein "zweites Kuba", also einen sozialistischen Staat in unmittelbarer Nachbarschaft, zu verhindern. Mit bis zu 44.400 Soldaten stellten die USA sicher, dass ein ihnen genehmer Regierungschef die Macht übernahm.

Sonderfall Venezuela

Der jüngste mögliche "Regime Change" liegt erst so kurz zurück, dass eine abschließende Bewertung noch gar nicht möglich ist: Anfang Januar 2026 ließ US-Präsident Trump den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro entführen. Ihm soll in New York der Prozess wegen "Drogenterrorismus" gemacht werden. In Venezuela ist seine bisherige Stellvertreterin Delcy Rodríguez an die Staatsspitze aufgerückt. Obwohl Teil des Maduro-Regimes, hat Trump angekündigt, mit ihr zu kooperieren. Im Gegenzug sollen die USA Zugang zu den gigantischen Ölreserven des südamerikanischen Landes erhalten.

US-Präsident Donald Trump, flankiert von Außenminister Marco Rubio und Pentagon-Chef Pete Hegseth - hat die Operation in Venezuela den US-Präsidenten zu weiteren Militäraktionen ermutigt?Bild: Jonathan Ernst/REUTERS

Doch auch die Friedensnobelpreisträgerin von 2025, die Trump-Unterstützerin María Corina Machado hat kürzlich angekündigt, nach Venezuela zurückzukehren und das Land in die Demokratie führen zu wollen. Zwei Monate nach dem punktuellen Eingreifen der USA scheint noch nicht klar, in welche Richtung sich das Land entwickeln wird.

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