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Corona: Reiche werden reicher

Jörg Bender dpa
7. Oktober 2020

Nein, Corona trifft nicht alle gleich - die Armen werden durch die Pandemie weltweit ärmer, die Reichen aber, die Superreichen, mehren ihren gigantischen Besitz auch in der Krise. Das zeigt eine neue Studie.

Wirtschaft und Finanzen
Bild: picture-alliance/K. Ohlenschläger

Die Corona-Krise hat die Superreichen rund um den Globus noch reicher gemacht. Das Gesamtvermögen der mehr als 2000 Dollar-Milliardäre weltweit stieg bis Ende Juli auch dank der Erholung an den Aktienmärkten auf den Rekordwert von rund 10,2 Billionen Dollar (8,7 Billionen Euro). Das geht aus Berechnungen der Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Vor allem Engagements in schnell wachsenden Bereichen wie Technologie und Gesundheitswesen erwiesen sich der Studie zufolge als Treiber.

Das gewaltige Vermögen verteilt sich demnach auf 2189 Männer und Frauen. Die Summe ist in Euro umgerechnet mehr als doppelt so hoch wie die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung von Deutschland als größter Volkswirtschaft Europas (2019: knapp 3,5 Billionen Euro). Berücksichtigt wurden Bargeld, Immobilien, Luxusgüter sowie Aktien und Firmenvermögen. Verbindlichkeiten wurden abgezogen.

Reichtum in Brasilien - im Jockey Club, Rio de Janeiro (Archivbild)Bild: Getty Images/AFP/Y. Chiba

Und in Deutschland...

In Deutschland stieg das Nettovermögen der Ultrareichen nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie bis Ende Juli auf 594,9 Milliarden Dollar. Bei der letzten Untersuchung (Stichtag März 2019) waren es 500,9 Milliarden Dollar. Der Club der Superreichen wuchs seitdem von 114 auf 119 Mitglieder. Den größten Zuwachs erzielten die deutschen Dollar-Milliardäre nach Ausbruch der Pandemie in den Bereichen Technologie (plus 46 Prozent), Gesundheitswesen (plus 12 Prozent) und Finanzwesen (plus 11 Prozent).

Traditionell habe es in Deutschland bislang relativ wenig Veränderungen innerhalb der hochvermögenden Kreise gegeben, erläuterte Maximilian Kunkel, UBS-Chefanlagestratege für Deutschland. "Covid-19 beschleunigt nun überdurchschnittlich das Vermögenswachstum in den innovationsgetriebenen Bereichen wie dem Technologie- oder Gesundheitssektor und sorgt damit für eine Verschiebung des Vermögens." Unternehmer in diesen Bereichen haben nach seinen Angaben in den letzten Monaten unter anderem davon profitiert, dass sich die kurzfristigen Ertragseinbußen in Grenzen hielten, während sich die langfristigen Perspektiven teilweise deutlich verbessert hätten.

32 Milliarden Euro

Die reichsten Deutschen dürften nach einer jüngst veröffentlichten Rangliste des Manager Magazins die Unternehmerfamilie Reimann mit einem geschätzten Vermögen von 32 Milliarden Euro sein. Auf Platz zwei steht Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit einem geschätzten Vermögen von 30 Milliarden Euro. Als Drittplatzierte werden die Geschwister Susanne Klatten und Stefan Quandt genannt, die fast die Hälfte der BMW-Aktien besitzen. Ihr Vermögen sei infolge der Corona-Krise um 1,5 Milliarden Euro auf geschätzt 25 Milliarden Euro gesunken.

Eine Aufstellung der Welt am Sonntag, veröffentlicht am 20. September, kam dagegen zu dem Ergebnis, dass Lidl-Gründer Schwarz der reichste Deutsche ist - mit einem geschätzten Vermögen von 41,8 Milliarden Euro. Auf Platz zwei folgt die Familie Reimann mit 21,45 Milliarden Euro. Auch bei der Rangliste der Welt am Sonntag handelte es sich nach Angaben des Blattes um Schätzungen.

Reichtum in Russland - im Moskauer Kaufhaus GUM (Archivbild)Bild: DW/A. Klimova

Allerdings bekamen auch die Superreichen die Turbulenzen zu Beginn der Corona-Krise zu spüren, die unter anderem für einen heftigen Kurssturz an den Aktienmärkten sorgte. Vor allem die Wochen unmittelbar nach dem Ausbruch der Pandemie trugen der Studie zufolge dazu bei, dass das weltweite Gesamtvermögen der Milliardäre zwischen März 2019 und April 2020 um rund 6,6 Prozent auf 8 Billionen Dollar schrumpfte. Der Club der Superreichen verlor zeitweise 43 Mitglieder. Ab April setzte dann eine Phase der Erholung ein, in der das Gesamtvermögen bis Ende Juli 2020 um rund 28 Prozent stieg.

 

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