Dressurpferd Diallo: Andere Todesursache als Mäusevirus
6. Januar 2026
"Noch am Wochenende haben wir gemeinsam getanzt, es hat sich alles so leicht angefühlt. Und dann kam diese Krankheit wie ein Sturm, lautlos, gnadenlos und unaufhaltsam, hat sich in Stunden durch deinen Körper gefressen und mir das Herz aus der Brust gerissen."
Mit dieser bewegenden Botschaft auf Instagram hatte sich die viermalige Dressur-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl vor einigen Tagen von ihrem Pferd Diallo verabschiedet. Der elfjährige Wallach war nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) am 5. Januar in die Klinik für Pferde in München gebracht worden und starb dort einen Tag später.
"Wir mussten dich gehen lassen mit gebrochenem Herzen", schrieb von Bredow-Werndl. "Du hast gekämpft. Wir haben gemeinsam gekämpft. Wir mussten dich gehen lassen mit gebrochenem Herzen, weil deins nicht mehr konnte."
Diallo war die Zukunftshoffnung der deutschen Top-Reiterin und sollte in die Fußstapfen der Stute Dalera treten, auf der von Bredow-Werndl 2021 und 2024 ihre Olympiasiege feierte. Dalera war im Januar 2025 im Alter von 18 Jahren aus dem Wettkampfsport verabschiedet worden.
Tödliches Mäusevirus kann ausgeschlossen werden
Als mögliche Todesursache Diallos wurde zunächst das Bornavirus vermutet. "Die Untersuchungen laufen noch, aber der Verdacht liegt auf dem Bornavirus", hieß es auch in von Bredow-Werndls Instagram-Post.
Hätte sich dies bestätigt, wäre höchstwahrscheinlich eine Maus für den Tod des Pferdes verantwortlich. Das Bornavirus wird nämlich von der Feldspitzmaus übertragen, die den Erreger über Kot, Urin, Speichel und Hautzellen verbreitet, selbst aber nicht daran erkrankt.
Allerdings teilte die Reiterin einige Tage nach dem Tod des Pferdes mit, dass das Bornavirus - und alle anderen regional relevanten Viren - als Todesursache ausgeschlossen werden konnten.
Vielmehr, so schreibt von Bredow-Werndl auf Instagram, sei der Wallach an einer "unvorhersehbaren Krankheitsursache" verstorben. "Nach Ausschluss weiterer Differentialdiagnosen ist eine unvorhersehbare Krankheitsursache, wie beispielsweise ein Infarkt im Gehirn eine mögliche Ursache", heißt es auf dem Account.
Zwar bleibt der Verlust Diallos bitter, allerdings dürfte die Tatsache, dass sein Tod nicht auf das Bornavirus zurückzuführen ist, dennoch eine Erleichterung sein, da es schlimme Folgen haben kann, wenn der Erreger, der auch Schafe und Alpakas befallen kann - in einem Pferdestall auftritt.
Schwerer Krankheitsverlauf
Bei Pferden führt eine Infektion zu einer schweren Gehirn- und Rückenmarksentzündung. Nach Fieber und Appetitverlust folgen Koordinationsstörungen, Lethargie, Krämpfe und Zwangsbewegungen. Die Krankheit verläuft meist innerhalb weniger Wochen tödlich.
Eine Übertragung von Mäusen auf Menschen findet nur sehr selten statt, der Krankheitsverlauf ist aber ähnlich dem bei Pferden - ebenfalls meist mit tödlichem Ausgang. Eine zugelassene spezifische Behandlung gibt es nicht. Die Therapie ist rein symptomatisch und intensivmedizinisch, um Hirndruck und Krampfanfälle zu kontrollieren. In Deutschland gab es bislang aber erst wenige registrierte Fälle bei Menschen.
Nur wenige Risikogebiete
Das Virus ist auf kleine, klar abgegrenzte Endemiegebiete beschränkt - überwiegend in Süd- und Ostdeutschland (vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg) sowie vereinzelt in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Von Bredow-Werndl lebt und trainiert mit ihren Pferden auf der Reitanlage Aubenhausen, südöstlich von München.
Zuletzt hatte sie mit Diallo im November beim Weltcup-Turnier in Stuttgart den Grand Prix und die Kür gewonnen. Der Wallach galt auch als Kandidat für die Weltmeisterschaft in Aachen im August.
Der Artikel wurde am 12. Januar aktualisiert.