1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Republik Kongo: Sieben Kandidaten und ein sicherer Sieger

13. März 2026

Im Kongo ist die Bevölkerung an diesem Sonntag aufgerufen, die Stimme für den nächsten Präsidenten abzugeben. Doch der steht schon fest - da sind sich Beobachter einig. Denis Sassou Nguesso regiert seit vier Jahrzehnten.

 Denis Sassou Nguesso lässt sich im offenen Auto durch eine Menschenmenge fahren
Präsident Denis Sassou Nguesso beim Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl in Pointe-NoireBild: Glody Murhabazi/AFP/Getty Images

Mehr als vierzig Jahre steht er an der Spitze der Republik Kongo: Denis Sassou Nguesso gehört schon seit den 1960-er Jahren zu einem kleinen Zirkel der Mächtigen in Brazzaville. 1979 stieg er zum Präsidenten auf.

Seither ist Sassou Nguesso - mit einer Unterbrechung in den 1990-er Jahren - die politische Konstante in dem zentralafrikanischen Land. Am Sonntag nun steht der 82-Jährige erneut zur Wahl - gegen eine Reihe von eher unbekannten Herausforderern.

Doch die Bilanz des langjährigen Präsidenten ist mager, findet Darrin McDonald, Politikwissenschaftler an der britischen Leeds-Beckett-Universität. Nennenswerte Fortschritte und wirtschaftliche Entwicklung sehe er nicht, so McDonald im DW-Interview.

"Kongo ist eines dieser Länder, die in einem ständigen Kreislauf massive Schulden bei ausländischen Gläubigern anhäufen und dann Vereinbarungen treffen, um die Schulden umzuschichten, um die Belastung zu verringern, nur um sie innerhalb weniger Jahre wieder zu erhöhen." Die Folge: Eine Jugendarbeitslosigkeit von rund 40 Prozent in einem Land, in dem rund die Hälfte der Bevölkerung unter 18 Jahren alt ist.

Wenn die lange Amtszeit zum Problem wird

Politisch ist Sassou Nguesso zu einer festen Größe inmitten einer konfliktbelasteten Region geworden: Während die Nachbarländer Kamerun, die Zentralafrikanische Republik und die Demokratische Republik Kongo von immer neuen Krisen erschüttert werden, blieb Brazzaville bislang politisch stabil. Damit argumentieren Sassou Nguessos Fürsprecher. Zu ihnen gehört auch Adrien Poussou, ehemaliger Kommunikationsminister in der Zentralafrikanischen Republik.

"Eine lange Regierungszeit sollte nicht mit Illegitimität verwechselt werden", argumentierte Poussou in einer DW-Radiodebatte anlässlich der Wahl. "In manchen Kreisen heißt es, dass es illegal sei, zu lange an der Macht zu bleiben. Es ist nicht illegal und erst recht nicht illegitim. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern die Stabilität und die Kontinuität staatlicher Strukturen."

Republik Kongo: Opposition vor Präsidentenwahl unter Druck

01:21

This browser does not support the video element.

Dem widersprach Paul Akoa, kamerunischer Geopolitik-Experte, der an der Stiftung Paul Ango Ela in Yaoundé forscht. Nicht nur die Stabilität - auch die Leistung sei entscheidend, sagte Akoa: "Wenn die Zeit vergeht und die wesentlichen Zahlen wie das Bruttoinlandsprodukt abstürzen, stellt sich die Frage, ob es geboten ist, mit der gleichen Person oder dem gleichen Team weiterzumachen."

Zudem würden alle Länder in der Region - wie jüngst auch Kamerun - bei Wahlen die gleiche Strategie anwenden: "Jedes Land sieht sich als gut, zumindest weniger schlecht als die Nachbarländer." Mit Verweis auf diese relative Stabilität gelte es, den Präsidenten zu bestätigen.

Vermittlung im Ausland, Probleme daheim

In der Region und international ist Präsident Sassou Nguesso wiederholt als Vermittler aufgetreten - so nach dem Putsch im benachbarten Gabun oder im Konflikt zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda. 2023 forderte er im Rahmen von Vermittlungsbemühungen afrikanischer Staatschefs ein Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine.

Für autoritäre Führer sei das gute Ansehen bei den Nachbarstaaten und in Regionalblöcken eine wichtige Quelle der Legitimität, sagt Politologe Darrin McDonald.

Im Kongo trat Sassou Nguesso wiederholt als Vermittler auf - hier mit dem Präsidenten der DR Kongo, Félix TshisekediBild: Giscard Kusema

Die Tatsache, dass in der Republik Kongo weniger Unsicherheit herrsche als in den Nachbarländern, komme Sassou Nguesso zupass. "Das hilft ihm, sich als starker Mann in der Region zu positionieren, als ruhiger Kopf, der ein wenig Stabilität und Erfahrung bieten kann." Auch bei internationalen Gönnern wie den USA oder China komme das gut an - denn die Stabilität sei in der von Putschen geplagten Region ein wichtiger Faktor.

Gleichzeitig erheben Menschenrechtsaktivisten massive Vorwürfe. Amnesty International meldete in den letzten Jahren hunderte willkürliche Verhaftungen. Auf dem "Freedom of the World"-Index von 2024 kommt das Land bei politischen Rechten und zivilen Freiheiten auf 17 von 100 Punkten; beim Index zur Wahrnehmung von Korruption von Transparency International belegt das Land Platz 153 von 182.

Zwei zentrale Figuren der Opposition, Jean-Marie Michel Mokoko und André Okombi Salissa, sind seit 2018 beziehungsweise 2019 in Haft. Die sei politisch motiviert, befanden schon damals Experten der Vereinten Nationen.

Gute Beziehungen zu China (im Bild: Außenminister Wang Yi) sind eine wichtige Stütze für das RegimeBild: IMAGO/Xinhua

Das bemängelt auch Andréa Ngombet, der das Kollektiv Sassoufit für politischen Wandel gründete - der Name ist ein Wortspiel mit dem Namen des Präsidenten, das an den französischen Ausspruch "Es reicht!" angelehnt ist.

Ngombet kritisierte in der DW-Radiodebatte, die jetzige Regierung habe einen Anfangsfehler: Nachdem Sassou Nguesso 1992 nach einer Wahlniederlage auf öffentlichen Druck die Macht abgegeben hatte, brach ein Bürgerkrieg im Land aus, an dessen Ende sich der frühere Präsident erneut wählen ließ.

"Seine Rückkehr geschah mit dem Gewehr, über die Leichen der Kongolesen." Davon habe sich Sassou Nguesso nie freimachen können, bis heute verstehe sich seine Partei wie eine interne Miliz gegen die Kongolesen, sagte Ngombet. "Jede Form des Widerstands endet entweder im Gefängnis oder im Sarg. Das ist nicht tragfähig."

Die ungeklärte Nachfolge

Eine Frage stellt sich Beobachtern dieser Tage nicht: Das Szenario eines friedlichen Machtwechsels taucht in den Debatten nicht auf. Denn dass Sassou Nguesso gegen seine unbekannten und unterfinanzierten Herausforderer das Rennen machen wird, gilt als sicher. Doch eine andere Frage steht im Raum - mit potenziell dramatischen Folgen: Was passiert, wenn der alternde Präsident eines Tages ausfällt?

"Die drängende Frage für den Kongo ist: Wie lange bleibt Sassou Nguesso, und wer folgt auf ihn?", sagt Politikwissenschaftler Darrin McDonald. "Ich denke, es werden Schritte in der Regierungspartei unternommen: Einige Leute unterstützen seinen Sohn, andere steigen in der Hierarchie auf und bringen sich in Position."

Dass ein Sohn die Macht vom Vater übernimmt, ist eine weitere Konstante in Zentralafrika - so geschehen etwa in Gabun nach dem Tod von Omar Bongo 2009 oder im Tschad, wo Mahamat Idriss Déby 2021 von seinem Vater übernahm.

Im Kongo könnte die Regierungspartei eine ähnliche Rolle wie im Tschad das Militär spielen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, schätzt McDonald. Doch der Weg sei nicht klar: Von einem Demokratisierungsprozess bis hin zum totalen Chaos wäre vieles denkbar. Die Entscheidung über die Zukunft des Kongo hat Präsident Sassou Nguesso mit seiner Kandidatur also auf unbestimmte Zeit verschoben.

Mitarbeit: Eric Topona

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen