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Rheinland-Pfalz: Landtagswahl wird zur Richtungsentscheidung

21. März 2026

In Rheinland-Pfalz wird gewählt. Das hat auch für die Bundesregierung Bedeutung. Doch nicht nur politisch lohnt sich ein Blick auf das Bundesland.

Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026 | Wahlplakate von SPD & CDU am Rheinufer in Erpel. Zu sehen sind die beiden Spitzenkandidaten. Alexander Schweitzer (SPD) mit der Bildunterschrift "Der Richtige für Rheinland-Pfalz". Gordon Schnieder (CDU) mit der Bildunterschrift "Jetzt gilt's!"
Vor der Landtagswahl sieht es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU ausBild: Marc John/Bonn.digital/picture alliance

Die größte US-Airbase außerhalb der USA liegt in Ramstein in Rheinland-Pfalz. Aus dem Bundesland im Südwesten Deutschlands stammen zudem die Vorfahren von US-Präsident Donald Trump. Hier gibt es den mit 60 Metern weltweit höchsten Kaltwasser-Geysir und dann ist da noch der Wein. Knapp drei Viertel der deutschen Weinproduktion kommen aus den Anbaugebieten an Rhein, Mosel, Nahe und Ahr.

Luftaufnahme der Burgruine Landshut über der MoselBild: Martin Moxter/imageBROKER/picture alliance

Kein Wunder, dass in der Landeshauptstadt Mainz das bundesweit einzige Ministerium steht, das ausdrücklich auch für Weinbau zuständig ist.

Geführt wird es von der FDP. Die Liberalen sind der kleinste Partner in einer Koalition mit SPD und Grünen, die in Rheinland-Pfalz seit 2016 regiert. Es ist die letzte sogenannte Ampel-Regierung in Deutschland, benannt nach den Parteifarben rot gelb und grün. Die SPD regiert sogar noch länger in dem Bundesland im Südwesten der Republik, nämlich seit 35 Jahren.

Das Ende der Ampel steht schon fest

Kann die SPD ihre Mehrheit verteidigen? Die Landtagswahl am 22. März sieht nach einer Richtungsentscheidung aus. Laut einer letzten Vorwahl-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap, veröffentlicht zehn Tage vor der Wahl, liegt die CDU mit 29 Prozent knapp in Führung vor der SPD, die auf 28 Prozent käme.

Während die SPD deutlich mehr als sieben Prozent verlieren würde, könnte sich die CDU über ein kleines Plus von gut einem Prozent freuen. Doch der Vorsprung der Christdemokraten zur SPD war vor Monaten noch viel größer, er ist zuletzt immer weiter geschrumpft. Aktuell deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen und damit ein Wahl-Krimi an.

FDP nicht mehr im Landtag, AfD verdoppelt sich

Was aller Voraussicht nach bereits feststeht: Um den Weinbau muss sich künftig eine andere Partei als die FDP kümmern. Die Meinungsforscher sehen die Liberalen mit unter drei Prozent der Stimmen nicht mehr im Landtag. Für die Grünen sieht es nach leichten Verlusten aus, sie stehen in den Umfragen bei acht Prozent. Erstmals im Landtag vertreten könnte die Linkspartei sein, die bei fünf Prozent liegt.

Auch in Rheinland-Pfalz könnte der große Wahl-Gewinner aber die in Teilen rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) werden. Aktuell liegt sie in den Umfragen bei 19 Prozent, das wäre mehr als doppelt so viel wie 2021.

Zwei große Männer wollen an die Macht

Da keine Partei mit der AfD zusammenarbeiten will, deutet viel darauf hin, dass die nächste Regierung eine Koalition der beiden größeren Parteien sein wird. Die Frage ist allerdings, wer sie führen wird. Der amtierende SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer oder sein Herausforderer von der CDU, Gordon Schnieder.

Alexander Schweitzer (SPD, li.) und Gordon Schnieder (CDU): Wer wird der nächste Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz?Bild: Hannes P. Albert/dpa/picture alliance

Abgesehen von ihrer politischen Heimat haben die Männer einiges gemeinsam. Beide sind Anfang fünfzig, dreifache Väter, wirken bodenständig und sind sehr groß. Schnieder misst 1,94 Meter und Schweitzer ist mit seinen 2,06 Metern der aktuell größte Ministerpräsident in Deutschland. Echte Gegensätze sehen anders aus und das zeigte sich auch im Wahlkampf. Nur selten griffen sich die Kontrahenten wirklich an. Meistens gingen sie ausgesprochen höflich miteinander um, ihr Verhältnis gilt als gut.

Schweitzer ist beliebter

Doch es gibt natürlich auch Unterschiede. Weniger wichtig: Alexander Schweitzer lebt vegan, Gordon Schnieder liebt Tafelspitz und Schnitzel. Möglicherweise entscheidend hingegen sind die unterschiedlichen Sympathie-Werte. Gäbe es eine direkte Wahl zwischen dem SPD- und dem CDU-Kandidaten, dann würde Schweitzer auf 41 Prozent kommen, Schnieder von der CDU nur auf 23 Prozent.

Dass Schweitzer mit seiner Persönlichkeit punkten kann, Schnieder aber nicht, könnte der SPD auf den letzten Metern möglicherweise entscheidend nutzen, sagen die Wahlforscher.

Gespannter Blick aus Berlin

Die Wahl in Rheinland-Pfalz ist nach Baden-Württemberg die zweite von fünf Landtagswahlen, die in diesem Superwahljahr 2026 in Deutschland stattfindet. Interessant nicht nur, weil die Bundesländer ein großes Mitspracherecht in der Bundesrepublik haben. Landtagswahlen sind immer auch ein Gradmesser für die Bundesparteien.

CDU und SPD brauchen beide in Rheinland-Pfalz dringend einen Erfolg. Seit zehn Monaten koalieren sie zusammen im Bund. Eine nur kurze Zeit, in der die Beliebtheitswerte bereits dramatisch gesunken sind. In Nachwahlbefragungen in Baden-Württemberg sagten viele Menschen, sie seien von der Bundesregierung enttäuscht. Sie habe viel versprochen, aber kaum etwas umgesetzt. Diese Unzufriedenheit wirkt sich nach Ansicht der Meinungsforscher deutlich auf die Landtagswahlen aus.

Baden-Württemberg war enttäuschend

Bei der ersten Landtagswahl in die Jahr, in Baden-Württemberg, fuhr die SPD mit 5,5 Prozent das historisch schlechteste Ergebnis in ihrer Nachkriegsgeschichte ein. Seitdem steht die Partei unter Schock. Würde die SPD in Rheinland-Pfalz nun nach 35 Jahren auch noch das Ministerpräsidentenamt verlieren, würde das für enorme Unruhe bei den Sozialdemokraten sorgen. Die Debatte über eine wieder mehr linke Neuausrichtung der Partei würde an Fahrt gewinnen. Das wäre schlecht für die Koalition mit der Union.

Blicken gespannt nach Rheinland-Pfalz: Markus Söder (l-r), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales und SPD-Parteivorsitzende, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), und Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, Vizekanzler und SPD-BundesvorsitzenderBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Würde die CDU verlieren, dann würde sich die Schmach von Baden-Württemberg wiederholen. Dort galt sie lange als selbstverständlicher Sieger, verlor dann aber auch den letzten Metern knapp gegen die Grünen. Wird ihr das in Rheinland-Pfalz gegen die SPD wieder passieren? In diesem Fall muss auch CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz eine Debatte über die politische Ausrichtung fürchten.

Die Gegensätze in der Bundesregierung könnten sich verstärken

Merz hatte seinen Anhängern versprochen, wieder mehr konservative Politik durchzusetzen. Viele CDU-Wähler, aber auch Parteimitglieder sind enttäuscht, dass das in einer Koalition mit der SPD bis jetzt nicht möglich ist. Von Merz würde dann mehr Durchsetzungsvermögen gegenüber der SPD verlangt.

Das aber würde mit einer SPD, die möglicherweise wieder stärker nach links schwenken wird, enorme Probleme geben. Fraglich wäre dann, wie lange die schwarz-rote Koalition im Bund überhaupt durchhalten könnte.

Wie die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ausgehen wird, bleibt spannend. Laut infratest-dimap hatten sich zehn Tage vor der Wahl bei weitem nicht alle Wahlberechtigten bereits entschieden. Jeder achte Wahlberechtigte (12 Prozent) gab an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte.

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