Der frühere Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen verlässt den deutschen Bundestag. Zukünftig wird er an Universitäten tätig sein. Er war eines der bekanntesten Gesichter der Ampel-Koalition.
Macht einen Schnitt: Robert HabeckBild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance
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In einem an diesem Montag veröffentlichten Interview mit der Zeitung "taz" sagte der frühere Bundeswirtschaftsminister und Grünen-Chef, er habe gerade dem Bundestagspräsidium mitgeteilt, dass er zum 1. September sein Bundestagsmandat zurückgeben werde.
"Ich werde das nächste Jahr an verschiedenen ausländischen Forschungs- und Bildungseinrichtungen forschen, lehren und lernen. Das eine ist das Dänische Institut für Internationale Studien in Kopenhagen." Ein weiteres sei die US-Universität Berkeley in Kalifornien. "Aber es wird auch noch andere geben, mit denen ich zusammenarbeiten werde."
Habeck war Kanzlerkandidat der Grünen
Mit dem Abschied von Robert Habeck zieht sich einer der über Jahre hinweg profiliertesten Grünen-Politiker aus der Tagespolitik zurück. Habeck war Vize-Kanzler in der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Bei der vergangenen Bundestagswahl war Habeck Kanzlerkandidat seiner Partei. Die Grünen kamen mit ihm aber nur auf 11,6 Prozent, ein Rückgang um mehr als drei Prozentpunkte.
Bundestagswahl 2025: Was wird aus Scholz, Habeck und Co.?
Einige Politiker sind als strahlende Gewinner aus der Bundestagswahl hervorgegangen, darunter der wahrscheinliche nächste Bundeskanzler, Friedrich Merz von der CDU. Aber die Wahl kennt natürlich auch Verlierer.
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Olaf Scholz (SPD): Das war's mit der Kanzlerschaft
Drei Jahre lang war Olaf Scholz (Mitte) Bundeskanzler. Doch der Sozialdemokrat konnte seine Koalition aus SPD, Grünen und FDP nicht zusammenhalten. Kritiker sagen: Er blieb Erklärungen schuldig, zeigte kaum Emotionen, war keine Führungspersönlichkeit. Scholz tritt als Kanzler ab, wird aber vermutlich einfacher Abgeordneter seines Wahlkreises in Potsdam bleiben.
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Robert Habeck (Grüne): Zurück in die zweite Reihe
Er wollte erster grüner Bundeskanzler werden. Der Wirtschafts- und Klimaschutzminister brachte mit Dreitagebart, offenem Hemd und sanftem Plauderton einen lockeren Stil in die Politik. Das Heizungsgesetz, das den Deutschen ab 2045 Öl- und Gasheizungen verbieten sollte, gestand er im nachhinein als Fehler ein. Nach den Wahlverlusten der Grünen will er einfacher Abgeordneter werden.
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Annalena Baerbock (Grüne): Nur vierte in ihrem Wahlkreis
Die deutsche Außenministerin hatte in ihrem Wahlkreis Potsdam einen sehr prominenten Gegner als Direktkandidaten, nämlich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Der gewann den Wahlkreis trotz deutlicher Verluste. Dahinter lagen die Direktkandidaten von CDU und AfD, erst auf dem vierten Platz landete Baerbock. Ihrer Zukunft in der Bundespolitik dürfte das allerdings keinen Abbruch tun.
Bild: Ian Langsdon/AFP/dpa/picture alliance
Christian Lindner (FDP): Auch der Arbeitsplatz lässt sich ändern
Christian Lindner wurde mit 34 Jahren der jüngste Vorsitzende und unangefochtene Star der liberalen Partei. Unter dem gewandten Redner entwickelte sie sich zu einer vor allem wirtschaftsliberalen Kraft. In der Ampel-Koalition führte das zu wachsenden Konflikten. Den Bruch der Ampel hatte Lindner provoziert und damit Neuwahlen nötig gemacht. Doch die FDP kommt nicht mehr in den Bundestag.
Bild: Volker Witting/DW
Marco Buschmann (FDP): zum Notausgang
Noch ein junger Abgang bei der FDP. Der erst 47 Jahre alte Marco Buschmann war bis zum Bruch der Ampelkoalition im November 2024 Justizminister und seit Dezember Generalsekretär der Liberalen. Den Ministerposten war er ohnehin los, und nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag kündigte er an, als Generalsekretär zurückzutreten.
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Volker Wissing (parteilos): auf dem Abstellgleis
Als die Ampel im November 2024 auseinanderbrach, trat der damalige Verkehrsminister Volker Wissing aus der FDP aus und konnte dadurch als Parteiloser sein Ressort behalten. Was die einen Opportunismus nannten, sah er selbst als Standhaftigkeit, weil er die Ampel gern fortgesetzt sehen wollte. Sein damaliger Schritt rettet ihn aber nicht vor dem politischen Aus nach der Wahl.
Bild: Andreas Arnold/dpa/picture alliance
Sahra Wagenknecht (BSW): Ein Stern, der schon wieder verglüht?
Sie spricht von einem "guten Ergebnis", aber mit "bitterem Nachgeschmack". Mit dem nach ihr benannten Bündnis hatte Sahra Wagenknecht bis dahin einen steilen Aufstieg erlebt. Doch Wagenknecht, die sich erst 2024 von der Linkspartei abgespalten und die Partei ganz auf ihre Person zugeschnitten hat, scheiterte mit dem BSW an der Fünfprozenthürde. Ihr weiteres Schicksal ist unklar.
Bild: Jens Büttner/dpa/picture alliance
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Habeck begründete seine Entscheidung auch damit, dass nicht nur die Ampel-Koalition, sondern auch seine politische Idee abgewählt worden sei, "die Grünen in die gesellschaftliche Mitte zu führen", um angesichts der schrumpfenden beiden Ex-Volksparteien "das Zentrum zu stabilisieren".
Dank von Parteichefs und Fraktionsvorsitzenden
Die Parteichefs der Grünen, Franziska Brantner und Felix Banaszak, teilten mit, Habecks Entscheidung zu bedauern. Er habe Deutschland 2022 durch die Energiekrise gelotst und auch die Energiewende massiv beschleunigt.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann und Katharina Dröge dankten Habeck in einer gemeinsamen Erklärung für seine Verdienste. Sie schrieben, er habe die Grünen in den vergangenen Jahren geprägt wie kaum ein anderer. Habeck habe es möglich gemacht, dass Deutschland seine Klimaziele einhalten könne.