Nach frühem Doppelschlag von Erling Haaland für Borussia Dortmund dreht der FC Bayern München angeführt von Torjäger Robert Lewandowski das Spiel. Der Pole ist auf dem besten Wege "ewige Bundesliga-Rekorde" zu knacken.
Robert Lewandowski hat allen Grund zum JubelnBild: Sebastian Widmann/Getty Images
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Erling Haalandwar sichtlich angefressen, als er in der 60. Minute den Platz verlassen musste. Sein Dortmunder Trainer Edin Terzic hätte sein Sturmjuwel sicher gerne weiterspielen lassen, aber die aufreibenden Zweikämpfe mit der Bayern-Abwehr hatten ihre Spuren hinterlassen. Noch auf der Bank wurde seine blutige Ferse vom medizinischen Personal behandelt.
Die Partie zwischen dem Meister und dem letzten Team, das vor den Münchnern im Jahre 2012 den Titel gewonnen hatte, schien schon nach neun Minuten entschieden und ihren Helden gefunden zu haben. Da hatte Haaland, der junge Norweger mit der Wucht eines US-amerikanischen Show-Wrestlers gerade das 0:2 erzielt. Es war der zweite Schuss auf den Kasten von Manuel Neuer, aus kurzer Distanz, und auch diesmal hatte der Welttorhüter keine Abwehrchance. Für das 0:1 war ebenfalls Haaland verantwortlich gewesen, nachdem Jerome Boatengs Schuhsoledem 18-Meter-Schuss noch die entscheidende Wendung verpasst hatte.
Blitzstart des BVB
Der BVB war also gerade dabei, die Bayern von der Tabellenspitze zu schießen, die Stunden zuvor RB Leipzig durch einen Sieg in Freiburg an sich gerissen hatte. Die Bayern mussten sich schütteln, sortieren. Kapitän Neuer war fuchsteufelswild. Das Duell der Top-Torjäger schien sich zu einer One-Man-Show zu entwickeln. Denn wenn Robert Lewandowski an den Ball kam, waren die Flanken und Pässe zu unpräzise. Keine Chance für den Polen, Druck hinter seine Kopfbälle zu bringen oder einen gezielten Schuss anzubringen.
Anfangs ein wenig verzweifelt: Robert Lewandowski sollte aber dennoch Mann des Spiels werdenBild: Andreas Gebert/REUTERS
Es dauerte seine Zeit, bis der Triple-Sieger die Kontrolle über das Spiel erlangte. "So ein Rückstand gehört nicht zu unserem Matchplan, das ist nicht so toll", ärgerte sich Bayerns Weltmeister Thomas Müller anschließend bei Sky, "aber es gehört zu unserer DNA, zu unserm Spirit, so eine Partie noch zu drehen." Und den Anfang machten die Gastgeber in der 26. Minute. Nationalspieler Leroy Sane dribbelte sich rechts durch den Strafraum, sein Ball, halb Schuss, halb Hereingabe, landete kurz vor dem Tor bei Lewandowski, der eiskalt einnetzte.
Bayern dreht das Spiel
In dem Maße, in dem die Zuversicht bei den Roten zunahm, verging Erling Haaland im Dress der Schwarz-Gelben die Lust. Nach verlorenen Zweikämpfen ging der Norweger nicht mehr konsequent hinterher, seine wuchtigen Vorstöße in die Tiefe wussten die Bayern meist schon bei der Ballannahme zu unterbinden. Und auf der anderen Seite war Lewandowski erneut da, als er gebraucht wurde. Mo Dahoud hatte Kingsley Coman ungeschickt am Strafraumeck zu Fall gebracht, den Strafstoß nach Intervention des Video-Schiedsrichters verwandelte der Weltfußballer sicher unten links (44.).
Frustrierendes Ende eines Arbeitstages: Erling Haaland (r.) muss verletzt ausgewechselt werdenBild: Andreas Gebert/REUTERS
Bundestrainer Joachim Löw, einer der wenigen Gäste im sonst leeren Stadion, hatte zur Pause eine "hochintensive, sehr spannende Partie zweier Mannschaften, die ständig nach vorne spielen, ein richtiges Spitzenspiel" gesehen. Wobei die Dortmunder eben nur in der ersten Viertelstunde wirklich nach vorne spielten. Nach dem zwischenzeitlichen 2:0 waren tauchten sie immer seltener gefährlich vor dem Bayern-Tor auf."Wir waren nicht gut genug, haben gut angefangen, und dann nicht mehr versucht, Fußball zu spielen", bemängelte Dortmunds Emre Can nach der Begegnung bei Sky. "Wir hätten mutiger sein müssen."
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Lewandowski auf des Bombers Spuren
Dennoch dauerte es bis zur 88. Minute, bis den Bayern ein weiterer Treffer gelang. Diesmal nutzte Leon Goretzka eine missglückte Abwehr von Thomas Meunier zu einem Flachschuss ins linke Eck. Und kurz nach Wiederanpfiff erhöhte Lewandowski auf 4:2 - sein 31. Saisontor, sein 267. insgesamt. In der ewigen Torjäger-Rangliste fehlt Lewandowski nur noch ein Tor, um mit Klaus Fischer auf Rang zwei gleichzuziehen. Auch der legendäre Rekord von 40 Treffern in einer Spielzeit von "Bomber" Gerd Müller aus dem Jahr 1972 wackelt gewaltig.
Und Robert Lewandowski entschied auch den Kampf der Generationen um die Rolle des besten Torjägers für sich. Auch, weil er fokussierter wirkte als diezwölf Jahre jüngere Urgewalt der Dortmunder. Die gute Nachricht zu Haaland gab's dann nach dem Schlusspfiff von Trainer Terzic: "Haaland hat ein sehr gutes Spiel gemacht, zwei Tore geschossen, und einen kleinen Schlag abbekommen." Die erlittene Verletzung sei aber nicht der Grund für die Auswechslung gewesen, ein längerer Ausfall des Norwegers nicht zu befürchten. "Er spielt seit Wochen jedes Spiel. Da mussten wir ihn schützen."
Die Top-Torjäger der Bundesliga
Tore sind das Wichtigste im Fußball. Stürmer, die oft ins gegnerische Tor treffen, genießen bei den Fans Heldenstatus. Die Bundesliga hat viele große Torjäger erlebt - diese zehn waren am erfolgreichsten.
Bild: Icon Sport/Getty Images
10. Klaus Allofs - 177 Tore
Als Klaus Allofs 1981 aus Düsseldorf zum 1. FC Köln wechselt, bedeutet seine Ablösesumme von 2,25 Millionen Mark (1,15 Millionen Euro) einen Bundesliga-Rekord. Allofs erzielt für die Fortuna, den FC und später für Werder Bremen insgesamt 177 Bundesliga-Tore. In Bremen spielt er am Ende seiner Karriere, nachdem er zuvor einige Jahre in Frankreich war.
Bild: Imago Images
9. Dieter Müller - 177 Tore
Dieter Müller hält bis heute einen Bundesliga-Rekord: Am 17. August 1977 erzielt er beim 7:2-Sieg des 1. FC Köln gegen Werder Bremen sechs Tore. Außer für den FC, ist Müller auch für Offenbach, Stuttgart und Saarbrücken in der Bundesliga aktiv. Zwischen 1977 und 1986 macht Müller insgesamt 303 Bundesliga-Spiele. Für seine 177 Tore benötigt er damit 121 Spiele weniger als Klaus Allofs.
Bild: Imago Images
8. Stefan Kuntz - 179 Tore
Bochum, Uerdingen, Kaiserslautern, noch einmal Bochum und schließlich Bielefeld - Stefan Kuntz spielt nie für einen der großen Bundesliga-Klubs. Trotzdem ist der gelernte Polizist zweimal Torschützenkönig: 1986 in Bochum, 1994 in Diensten des FCK noch einmal. Mit Kaiserslautern feiert Kuntz auch seine größten Erfolge: DFB-Pokalsieg 1990 und Meisterschaft 1991.
Bild: Imago Images
7. Ulf Kirsten - 181 Tore
"Der Schwatte", wie er genannt wird, ist schon bei Dynamo Dresden in der DDR-Oberliga ein gefährlicher Torjäger. 1990 wechselt Kirsten zu Bayer 04 Leverkusen. Er hält der Werkself bis zum Karriereende im Jahr 2003 die Treue und läuft insgesamt 350 Mal für Leverkusen in der Bundesliga auf. Kirsten gewinnt dreimal die Torjäger-Kanone der Liga.
Bild: Imago Images
6. Claudio Pizarro - 197 Tore
1999 kommt der Peruaner als 20-Jähriger zu Werder Bremen. Mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos beim FC Chelsea bleibt "Pizza" der Bundesliga anschließend treu. Zweimal wechselt er von Bremen zum FC Bayern (2001 und 2012). Nach einer Saison in Köln schließt sich der damals 40-Jährige 2019 zum insgesamt fünften Mal dem SV Werder an, wo seine Karriere im Sommer 2020 endet.
Bild: Getty Images/Bongarts/S. Franklin
5. Manfred Burgsmüller - 213 Tore
Zwischen 1967 und 1990 beschäftigt das Schlitzohr "Manni" Burgsmüller die gegnerischen Verteidiger mit seinen Dribblings. Er spielt für Essen, Dortmund, Nürnberg und Bremen in der Bundesliga und ist mit 135 Toren Rekordschütze des BVB. Nach seiner Fußball-Karriere ist Burgsmüller sechs Jahre lang Kicker des American-Football-Teams Rhein Fire. Im Mai 2019 stirbt er im Alter von 69 Jahren.
Bild: Imago Images
4. Jupp Heynckes - 220 Tore
Bevor Heynckes als Trainer große Erfolge feiert, ist er einer der besten deutschen Stürmer. Vierzehn Jahre lang spielt er in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach (1965-1967 und 1970-1978) und Hannover 96 (1967-1970). Heynckes ist mit 195 Toren der Rekordschütze der Mönchengladbacher. Hier erlebt er als Teil der "Fohlen-Elf" seine erfolgreichste Zeit und wird viermal deutscher Meister.
Bild: Imago Images
3. Klaus Fischer - 268 Tore
Fast 40 Jahre lang ist er die Nummer zwei der Bundesliga-Torjäger hinter Gerd Müller. Dann kommt Robert Lewandowski, der für 268 Treffer 190 Spiele weniger benötigt. Am häufigsten trifft Fischer für Schalke 04 (182). Außerdem ist er für 1860 München, den 1. FC Köln und den VfL Bochum aktiv. Fischers Bundesliga-Karriere dauert 20 Jahre (1968 - 1988). Er steht insgesamt 535 Mal auf dem Platz.
Bild: Imago Images
2. Robert Lewandowski - 312 Tore
Meisterschaften, DFB-Pokale, die Champions League und die Auszeichnung zum Weltfußballer - der Pole gewinnt alles und wird zur Institution in der Bundesliga. 2010 wechselt er von Lech Posen zu Borussia Dortmund. Von 2014 bis 2022 trifft er für die Bayern und bricht bis zu seinem Wechsel nach Barcelona Rekorde, zum Beispiel in der Spielzeit 2020/21 mit 41 Saisontoren - eins mehr als Gerd Müller.
Bild: Adam Pretty/Getty Images
1. Gerd Müller - 365 Tore
Der Torrekord des "Bombers" ist und bleibt unerreichbar. Zwischen 1965 und 1979 läuft Müller in der Bundesliga ausschließlich für die Bayern auf. Der Stürmer, der aus jeder Lage ein Tor machen kann, wird viermal Meister und siebenmal Torschützenkönig. In fünf Spielzeiten schießt er mehr Tore, als er Spiele absolviert. Müller erkrankt im Alter an Alzheimer und stirbt im August 2021.