Russische Angriffe legen ukrainische Energieversorgung lahm
9. November 2025
Die staatlichen Energieversorger in der Ukraine haben nach erneuten massiven Angriffen Russlands auf die Energieinfrastruktur großflächige Stromausfälle angekündigt. An diesem Sonntag werde es in den meisten Regionen des Landes zwischen acht und 16 Stunden keinen Strom geben, erklärte der Stromanbieter Ukrenergo. Der Energieversorger Centerenergo sprach von den "schwersten Angriffen auf die Heizkraftwerke" seit Beginn des Kriegs. Dadurch sei die Fähigkeit zur Stromerzeugung "auf null gesunken", hieß es weiter.
Energieministerin Switlana Grintschuk sagte dem Sender United News, die Nacht auf Samstag sei eine der schlimmsten seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 gewesen. Durch die Angriffe kam es in vielen Städten zu Strom- und Heizungsausfällen sowie Problemen mit der Wasserversorgung. In den Städten Dnipro und Charkiw wurden mindestens vier Menschen getötet.
Warnung für Heizausfällen im Winter
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte die russische Armee in der Nacht zum Samstag 458 Drohnen und 45 Raketen ein. Davon seien 406 Drohnen und neun Raketen abgefangen worden. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel der Attacken seien "Unternehmen des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes sowie Gas- und Energieanlagen" gewesen, die deren Betrieb unterstützen.
In den vergangenen Monaten hat Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur deutlich intensiviert. Fachleute warnen, dass in den bevorstehenden Wintermonaten landesweit weitere Heizungsausfälle drohen könnten.
Stromleitung am größten AKW repariert
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha berichtete zudem, Russland habe zwei Umspannwerke für Atomkraftwerke in der Westukraine mit Drohnen angegriffen. Diese versorgten die AKW Chmelnjzkyj und Riwne. Russland gefährde damit absichtlich die nukleare Sicherheit in Europa, erklärte Sybiha im Onlinedienst Telegram und forderte eine Krisensitzung des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Unterdessen haben die russischen Besatzer des Atomkraftwerks Saporischschja im Südosten der Ukraine die seit Mai defekte zweite Stromleitung repariert. Die IAEA bestätigte die Inbetriebnahme der 330-Kilovolt-Leitung, die für die Stromversorgung des Kraftwerks entscheidend ist. IAEA-Chef Rafael Grossi sprach auf X von einem "wichtigen Schritt für die nukleare Sicherheit". Für die Reparaturarbeiten war unter Vermittlung der IAEA, die Beobachter in dem AKW stationiert hat, eine örtliche Waffenruhe vereinbart worden.
Das mit sechs Blöcken größte Atomkraftwerk Europas ist seit März 2022, unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs, von Moskauer Truppen besetzt. Die Reaktoren sind aus Sicherheitsgründen heruntergefahren, müssen jedoch weiterhin gekühlt werden. Die Kühlsysteme werden nun wieder über die intakten Stromleitungen versorgt. Bei Stromausfällen sichern Dieselgeneratoren die Kühlung der Reaktoren.
pgr/wa (afp, dpa)
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