Russische Angriffe legen Stromversorgung in der Ukraine lahm
8. Januar 2026
Russland habe einen "gewaltigen Drohnenangriff auf die Energieinfrastruktur mehrerer Regionen" in der Ukraine ausgeführt, erklärte der staatliche Netzbetreiber Ukrenergo in der Nacht zum Donnerstag. In der Folge seien Verbraucher in den Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja ohne Strom geblieben.
Allein im Gebiet Dnipropetrowsk waren nach Angaben der Behörden am Morgen noch rund 800.000 Verbraucher von der Stromversorgung abgeschnitten. Die Reparaturarbeiten zur Wiederherstellung von Licht- und Wärmeversorgung dauerten an. Der Bürgermeister der Stadt Dnipro, Borys Filatow, verlängerte aufgrund der Lage die Schulferien um zwei Tage. Mehr als eine Million Menschen seien zudem von Ausfällen der Wasserversorgung betroffen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Olexij Kuleba.
Der Chef der Militärverwaltung von Dnipropetrowsk, Wladyslaw Haiwanenko, erklärte, bei den russischen Angriffen sei kritische Infrastruktur der Region beschädigt worden: "Die Situation ist schwierig." Die Reparaturarbeiten würden jedoch beginnen, "sobald die Sicherheitslage es erlaubt", schrieb er im Onlinedienst Telegram.
In der Region Dnipropetrowsk waren außerdem acht Bergwerke von den Stromausfällen betroffen, die dortigen Arbeiter seien jedoch evakuiert worden. Die Reparatur der Wasserversorgung in der Stadt Pawlohrad könne bis zu einem Tag dauern, erklärte der Leiter des Regionalrats, Mykola Lukaschuk.
Wintereinbruch belastet die Ukraine zusätzlich
In der zweiten betroffenen Region, Saporischschja, sei die Stromversorgung inzwischen wiederhergestellt worden, hieß es weiter. Der dortige Gouverneur Iwan Fedorow erklärte, es sei das erste Mal seit Jahren gewesen, dass seine Region einen vollständigen Stromausfall erlitten habe.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe griff Russland mit insgesamt 97 Drohnen an. 70 davon seien von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossen worden, die übrigen 27 hätten an verschiedenen Orten Zerstörungen verursacht. Weitere Details nannte die Luftwaffe nicht.
Das sei Russlands Krieg gegen das ukrainische Volk und das Leben in der Ukraine, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Medien. Ziel sei es, die Ukraine zu brechen. Es gebe keine militärischen Gründe für Angriffe auf den Energiesektor und die Infrastruktur, die die Menschen im Winter ohne Elektrizität und Heizung zurückließen.
Neben den russischen Angriffen belastet auch das Wetter die Energieversorgung des Landes. Dadurch seien Siedlungen in den Gebieten Tschernihiw, Kyjiw, Iwano-Frankiwsk und Transkarpatien ganz oder teilweise ohne Strom, teilte das Energieministerium mit.
Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. Kyjiw drängt bei seinen internationalen Partnern weiterhin auf die Lieferung zusätzlicher Flugabwehrsysteme. Russland hat seine Angriffe auf das ukrainische Energiesystem im mittlerweile vierten Kriegswinter zuletzt wieder verstärkt. Ein für diese Woche erwarteter Kälteeinbruch dürfte die Störungen der Strom- und Wärmeversorgung weiter verschärfen, warnte Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko bereits am späten Dienstagabend.
pgr/gri (dpa, afp, rtr)