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KonflikteMali

Machtkampf im Sahel: Russland verdrängt USA in Westafrika

4. Februar 2026

Die Trump-Regierung ändert ihren Kurs gegenüber den Juntas in Mali, Niger und Burkina Faso. Die Gründe sind vielschichtig. Sicherheitsfragen, Rohstoffe und Russlands wachsender Einfluss könnten eine Rolle spielen.

Menschenmenge, Mann hält Schild mit Aufschrift AES und Fahnen von Mali, Niger und Burkina Faso hoch
Unterstützer der Allianz der Sahel-Staaten (AES) in MaliBild: GOUSNO/AFP via Getty Images

Nick Checker ist der neue Leiter des Büros für afrikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium - und damit eine der zentralen Figuren in der US-Afrika-Strategie. Anfang dieser Woche wurde er von Malis Übergangspräsidenten General Assimi Goïta in der Hauptstadt Bamako empfangen und kündigte dort einen "neuen Kurs" an: In seiner Rede betont Checker ungeachtet vielfacher Kritik an der Militärregierung die "Achtung der Souveränität Malis".

Die Formulierung steht im Gegensatz zum klassischen westlichen Ansatz, der auf demokratischen Bedingungen basiert - ist aber im Einklang mit der Position von Massad Boulos, dem Sonderberater von Donald Trump für Afrika: Die Demokratie werde weiterhin "geschätzt", erklärte Boulos in einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Monde im Oktober 2025 - aber sie sei kein Kriterium mehr für einen Bruch der Beziehungen: "Die Bevölkerungen sind frei, das System zu wählen, das ihnen am besten passt."

Diese Haltung beunruhigt Menschenrechtsaktivisten wie den renommierten ungarisch-amerikanischen Anwalt Reed Brody: "Leider sind es nicht Demokratie oder Menschenrechte, die für die Regierung von Donald Trump von Bedeutung sind", sagt er der DW. "Die Freilassung von (Nigers) Präsident Bazoum, für den ich als einer der Anwälte in Niger tätig bin und der seit mehr als 900 Tagen im Präsidentenpalast festgehalten wird - die USA äußern sich nicht mehr dazu. Das ist bedauerlich, denn selbst wenn es nicht perfekt war, haben die USA früher zumindest Interesse an Demokratie und Menschenrechten gezeigt."

Das US-Außenministerium hatte angekündigt, dass die USA "in gemeinsamen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen" auch die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Burkina Faso und Niger vorantreiben wollten. "Politische Fehltritte der Vergangenheit" sollen korrigiert werden, heißt es.

Rubio, Trump, Hegseth: Was sind ihre Pläne für die Sahelzone?Bild: Andrew Caballero-Reynolds/AFP

USA: "Politische Fehltritte der Vergangenheit" korrigieren

"Es ist klar, dass die Amerikaner sich derzeit nicht um die Demokratie in der Sahelzone kümmern", sagt Ulf Laessing, Leiter des Sahel Programms der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Sitz in Mali. "Sie haben eine pragmatische Haltung eingenommen." Zwischen 2020 und 2023 waren die gewählten zivilen Präsidenten in Mali, Burkina Faso und Niger durch Staatsstreiche gestürzt worden, woraufhin die Biden-Regierung die Zusammenarbeit stark einschränkte.

Mali, Niger und Burkina Faso hatten ihrerseits die Beziehungen zur Ex-Kolonialmacht Frankreich und anderen westlichen Partnern reduziert oder abgebrochen - und sich Russland zugewandt. Sie trennten sich auch von ihren westafrikanischen Nachbarn (durch ihren Austritt aus dem Staatenbund ECOWAS) und schlossen sich zu einem eigenen Block zusammen, der Allianz der Sahelstaaten (AES).

"Wir sollten es begrüßen, dass Amerika den AES-Ländern, die Frankreich und die EU als Paria darstellen wollten, eine Gelegenheit zu Verhandlungen bietet", sagt Gnaka Lagoke, Dozent für Geschichte und Panafrikanische Studien an der Lincoln University in Pennsylvania, gegenüber der DW. "Der zweite Vorteil ist, dass dies - etwa in der Debatte zwischen dem Westen und den BRICS-Staaten - den afrikanischen Ländern immer eine Wahl lässt. Die USA wollen die Spannungen mit den EU-Ländern natürlich nutzen, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen - was den AES-Ländern zugutekommen könnte."

Die Staatschefs von Mali (Assimi Goita), Niger (Abdourahamane Tiani) und Burkina Faso (Ibrahim Traore) beim 1. Gipfeltreffen der Allianz der Sahelstaaten (AES) in Niamey, Niger (06.07.2024)Bild: Mahamadou Hamidou/REUTERS

Die drei Militärregierungen "erfreuen sich einer gewissen Beliebtheit - zumindest bei der sehr jungen Bevölkerung, die nicht zu den alten Eliten zurück will", so Ulf Laessing (KAS). "Leute haben das als WhatsApp-Profilbild. Man sieht das als Eigenes an, das man selbst geschafft hat - also es hat schon Identität geschaffen."

Auflösung der politischen Parteien in Burkina Faso

Dass die Junta in Burkina Faso gerade die Auflösung aller politischen Parteien angekündigt hat, ändert daran offenbar wenig. "Die Vielzahl der politischen Gruppierungen hat sich als völlig unvereinbar mit den tatsächlichen Bestrebungen des Volkes und den strategischen Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Sicherheit, erwiesen", sagte Verwaltungsminister Émile Zerbo kürzlich der DW. Seit dem Staatsstreich 2022 waren den Parteien ohnehin sämtliche Aktivitäten verboten.

Moussa Diaw, emeritierter Politikwissenschaftler an der Universität Gaston Berger in Saint-Louis im Senegal, überrascht der Schritt nicht: "Ausnahmezustände akzeptieren keine Widersprüche und dulden es nicht, dass politische Gruppierungen ihr Programm umsetzen können. Mali und Niger verfolgen die gleiche Logik." Die demokratischen Strukturen - für ihn ein bloßes Alibi.

Dschihadistische Angriffe in Niger und Mali

Das bitterarme Mali befindet sich seit 2012 in einer Sicherheitskrise. Das Militär kämpft gegen terroristische Gruppierungen, vor allem gegen die westafrikanische Zweigstelle des sogenannten Islamischen Staates (ISWAP) und die mit Al-Kaida verbundene Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM). Die Junta hatte versprochen, den dschihadistischen Aufstand einzudämmen, konnte jedoch bislang nur geringe Erfolge erzielen.

Der Besuch von Nick Checker erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Russland seinen Einfluss in der Region ausbaut - unter anderem durch die Entsendung von Söldnern seines Afrika-Korps. Beispiel: der Angriff auf den Flughafen der nigrischen Hauptstadt Niamey vergangene Woche, zu dem sich der ISWAP bekannte. Er wurde "durch die gemeinsamen Bemühungen des Afrika-Korps und der nigrischen Streitkräfte abgewehrt", erklärte das russische Außenministerium. Laut der Regierung in Moskau trägt das Korps zur "Stärkung der regionalen Stabilität" in der Sahelzone bei. Es hat auf dem gesamten Kontinent die Aufgaben der Söldner-Gruppe Wagner übernommen.

Auch in Mali gab es jüngst einen dschihadistischen Überfall, ausgeübt von der JNIM-Gruppe: Bei einem Angriff auf einen Tanklastzug-Konvoi wurden mindestens 15 Fahrer getötet, wie lokale Quellen berichteten. Es sei offenbar eine Strafe dafür gewesen, dass die Fahrer trotz einer bestehenden Blockade Treibstoff in die Hauptstadt Bamako gebracht hatten. Die JNIM will mit der Kraftstoffblockade Engpässe erzwingen und so die Wirtschaft des Binnenstaats zum Kollaps bringen.

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USA in Afrika: Handel statt Hilfe

"Die Vereinigten Staaten sehen, wie sich die Dschihadisten in der Sahelzone niederlassen", sagte ein Diplomat der US-Botschaft in Bamako der Nachrichtenagentur AFP. Checker sei "gekommen, um den AES-Ländern seine Dienste anzubieten", ergänzte ein malischer Diplomat. Und weiter: "Zu den Bedingungen für ein Engagement der USA gehören die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung und die Beendigung des Vertrags mit dem Afrika-Korps."

Was genau das heißt, muss sich erst noch zeigen. Washington werde "weiterhin mit den drei Ländern zusammenarbeiten", hatte Generalleutnant John Brennan, Co-Kommandeur des US-Afrika-Kommandos Africom, bereits letzten Monat erklärt. "Wir haben tatsächlich Informationen mit einigen von ihnen ausgetauscht, um wichtige terroristische Ziele anzugreifen."

Donald Trumps Afrikapolitik setzt auf Handel statt Hilfe. Die US-Auslandshilfen wurden massiv gekürzt, die Agentur für internationale Entwicklung (USAID) abgeschafft. Die AES-Staaten sind reich an Bodenschätzen: Gold und Lithium in Mali, Uran im Niger, Gold in Burkina Faso.

Man könne sich kaum vorstellen, dass Donald Trump keine Gegenleistung haben wolle, sagt Ulf Laessing (KAS). "Aber ob man das jetzt so direkt mit einer Anti-Terror-Hilfe verbinden kann? Nach dem Motto 'Gib mir dein Gold, du kriegst dafür Waffen oder Satellitenaufklärung'? Das glaube ich nicht." Wegen der Korruption und der Unsicherheit durch die Dschihadisten hätten US-Bergbauunternehmen bislang einen großen Bogen um die drei Länder gemacht.

Brüssel schaut nur zu

Und was macht die EU in der Sahel-Region? Die Lage sei "sehr komplex", sagt Julian Bergmann vom German Institute of Development and Sustainability (IDOS) in Bonn. "Beispiel Mali: Während sich Frankreich militärisch aus Mali zurückgezogen hat, ist es entwicklungspolitisch nach wie vor präsent." Auch andere EU-Mitglieder, darunter Deutschland, seien noch vor Ort engagiert. Schweden habe sich dagegen zurückgezogen.

Letzte Woche sollte die EU eigentlich über ein Hilfspaket von 195 Millionen Euro für die drei Sahel-Länder entscheiden - doch es kam nicht dazu. Nur wenn die EU eine gemeinsame Strategie umsetze, könne sie wieder mehr Einfluss nehmen, so Bergmann. Dafür sei allerdings der politische Wille aller EU-Mitgliedstaaten notwendig. "Und ob dies vor dem Hintergrund des derzeitigen Fokus auf Sicherheitspolitik in Europa - Stichwort Ukraine - realistisch ist, ist offen."

"Leider ist Europa im schlechten Zustand", ergänzt Ulf Laessing. "Die großen Krisen finden ohne die EU statt." Ob nun Russland oder die USA - oder ein ganz anderer Player - in den Sahel-Staaten das Rennen macht, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Mitarbeit: Eric Topona, Alida Tapsoba, Kossivi Tiassou, Sandrine Blanchard

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