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Politik

Russland schlägt USA Gefangenenaustausch vor

1. Juli 2019

Ziel sei es, einen in den USA inhaftierten russischen Piloten nach Hause zurückzuholen. Der Vorstoß aus Moskau löste umgehend Spekulationen aus, ob im Gegenzug der US-Bürger Paul Whelan freikommen könnte.

Russland Moskau - U.S. Bürger Paul Whelan in Moskauer Gericht wird Spionage gegen Russland vorgeworfen
Paul Whelan im Januar in Moskau vor GerichtBild: picture-alliance/dpa/TASS/S. Savostyanov

Russland wolle den seit 2010 in den USA inhaftierten Piloten Konstantin Jaroschenko zurückzuholen, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow laut der Agentur Interfax. Im Gegenzug sei Moskau bereit, einen US-Bürger an Washington zu übergeben. Russland habe verschiedene Varianten eines Austauschs angeboten.

Ob es sich bei dem amerikanischen Staatsbürger, der ausgetauscht werden könnte, um Paul Whelan handelt, wie umgehend spekuliert wurde, ist unklar. Zu dem konkreten Fall des unter Spionageverdacht inhaftierten Whelan sagte Rjabkow, dass hier erst ein Urteil gesprochen werden müsse. Jaroschenko solle nicht so lange warten müssen.

Schmuggel, Spionage und ein langer Streit

Der russische Pilot war 2011 in den USA zu 20 Jahren Gefängnis wegen versuchten Drogenschmuggels verurteilt worden. Er war 2010 in Westafrika bei dem Versuch festgenommen worden, tonnenweise Kokain zu schmuggeln. Die Umstände der Festnahme in Liberia hatten zu diplomatischen Irritationen geführt. Russland kritisierte die Auslieferung seines Staatsbürgers an die USA damals als Verstoß gegen internationales Recht. Jaroschenko klagt seit Jahren darüber, dass sich sein Gesundheitszustand in US-Haft zunehmend verschlechtere.

Konstantin Jaroschenkos Mutter und Ehefrau kämpfen seit Jahren für seine Freilassung (Archivbild aus dem August 2016)Bild: Imago/ITAR-TASS

Der mutmaßliche US-Spion Whelan war Ende Dezember in seinem Moskauer Hotelzimmer festgenommen worden. Er soll nach Darstellung des Inlandsgeheimdienstes FSB als Spion auf frischer Tat ertappt worden sein. Er hatte demnach geheime Daten auf einem USB-Stick bei sich. Whelan, der die Anschuldigungen bestreitet, war nach Angaben seiner Familie privat nach Moskau gereist, um an der Hochzeit eines Freundes teilzunehmen.

Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Auch der ehemalige US-Marineinfanterist beschwert sich über schlechte Haftbedingungen. Die US-Botschaft in Moskau twitterte, Whelans Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Die russischen Behörden hätten den Antrag auf den Besuch eines Arztes abgelehnt.

Bereits kurz nach Whelans Festnahme gab es erste Spekulationen, der einzige Grund für die Inhaftierung des 48-Jährigen sei, dass Russland einen Faustpfand für einen möglichen Gefangenenaustausch haben wolle.

Whelan besitzt neben der US-amerikanischen auch die britische, irische und kanadische Staatsangehörigkeit.

qu/uh (dpa, rtr, ape)