Kirill Dmitrijew: Russlands Diplomat mit Verbindung zu Trump
1. Dezember 2025
Seit Veröffentlichung des 28-Punkte-Plans des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump für einen Frieden in der Ukraine wird darüber spekuliert, wer diesen Plan tatsächlich verfasst hat. Als einer seiner Autoren gilt weithin Kirill Dmitrijew, der Leiter des russischen Staatsfonds, des Russian Direct Investment Fund (RDIF).
Der Absolvent der Stanford University pflegt nicht nur enge Beziehungen zu Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, sondern auch zu einflussreichen Entscheidungsträgern in der arabischen Welt. Diese Kontakte, seine Erfahrungen in der Unternehmenswelt und seine engen Verbindungen zur Familie des russischen Präsidenten Wladimir Putin machen ihn zur idealen Besetzung für den inoffiziellen Posten des alternativen russischen Unterhändlers.
Diplomatischer Auftrag
Seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hat Dmitrijew für den Kreml weiter an Bedeutung gewonnen. Er ist nicht nur zu einem der wichtigsten Unterhändler bei Friedensgesprächen zur Ukraine geworden, sondern spielt auch bei weiteren Beziehungen zwischen den beiden Ländern eine wichtige Rolle.
Im Februar 2025 war Dmitrijew dabei, als Abgesandte Russlands und der USA erstmals in Riad zusammen kamen. Nur wenige Tage später ernannte Putin ihn zum Sondergesandten des Präsidenten für Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ausland.
Mittlerweile ist Dmitrijew zu einem der wichtigsten Diplomaten Russlands avanciert, so der ehemalige russische Diplomat Boris Bondarew. Während sich der russische Außenminister Sergej Lawrow mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio austauscht, ist Dmitrijew zuständig für den Kontakt zum US-Sondergesandten Steve Witkoff.
"Die Kommunikation mit Witkoff läuft über Dmitrijew", sagt Bondarew. "Der ist das anfällige, ja sogar sehr schwache Glied in der Regierung Trump. Die Regierung hat viele Schwachpunkte, aber Witkoff ist der schwächste. Darum wurde Dmitrijew damit betraut, ihn zu bearbeiten und Russlands Interessen über diesen Schwachpunkt voranzubringen."
Dmitrijews berufliche Anfänge
Geboren wurde Kirill Dmitrijew als Sohn des bekannten Biologen Alexander Dmitrijew in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw. 2021 in einem Interview mit dem russischen Portal "The Bell" wurde er darauf angesprochen; damals insistierte er jedoch, er sei nicht in der Ukraine, sondern "in der Sowjetunion" geboren.
Nach Abschluss seines Studiums an der Stanford University blieb er noch einige Zeit in den USA und arbeitete seiner offiziellen Biografie auf der Website des RDIF zufolge für die Investmentbank Goldman Sachs und für die Unternehmensberatung McKinsey, bevor er beschloss, seine Karriere in Russland und der Ukraine fortzusetzen.
Eine seiner wichtigsten Stationen war bei dem russisch-amerikanischen Unternehmen Delta Private Equity Partners, das etwa 500 Millionen US-Dollar verwaltete. In der Ukraine leitete er einen Fonds, der dem Schwiegersohn des ukrainischen Vizepräsidenten Leonid Kutschma gehörte.
2011 übernahm Dmitrijew die Leitung des russischen Staatsfonds, dessen Aufgabe es ist, westliches Kapital ins Land zu locken. In dieser Rolle landete er nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine auf den Sanktionslisten der USA und Europas.
Verbindungen zur Familie Putin
Es waren jedoch nicht allein seine beruflichen Erfolge, die dazu führten, dass Dmitrijew sich an der Spitze der internationalen Politik wiederfand. Sein wahres Kapital ist sein soziales Netzwerk, ein Netzwerk, das er über viele Jahre hinweg sorgfältig gepflegt hat.
Ilja Schumanow, der ehemalige Leiter von Transparency International Russland, einer regierungsunabhängigen Organisation, die sich die Bekämpfung von Korruption zur Aufgabe gemacht hat, ist überzeugt, dass Dmitrijews persönliche Verbindungen ihm die Türen zu den politischen und wirtschaftlichen Eliten Russlands öffneten.
"Das wichtigste Puzzleteil ist Katarina Tichonowa, die Tochter Putins, mit der Dmitrijews Frau befreundet ist", sagt Schumanow zur DW. Die beiden Familien seien eng miteinander verwoben.
Dmitrijew saß im Vorstand verschiedener großer russischer Unternehmen, darunter auch Unternehmen, an denen der russische Staat bedeutende Anteile hält.
Effektiver Diplomat und Organisator
Kirill Dmitrijews Rolle als Vermittler begann schon während der ersten Amtszeit von Donald Trump. 2020 beschrieb ihn das US-Nachrichtenportal als "Putins Finanzmann mit einer verborgenen Verbindung zu Jared Kushner".
Kushner ist der Schwiegersohn von Donald Trumps, und er war während dessen erster Amtszeit mit außenpolitischen Angelegenheiten betraut. Er hat in der zweiten Amtszeit zwar keine öffentlichen Aufgaben übernommen, war jedoch kürzlich an der Ausarbeitung von Trumps Friedensplan für Gaza beteiligt und nahm an den Friedensgesprächen zur Ukraine in Genf teil.
Während Trumps erster Amtszeit führten Dmitrijew und Kushner Gespräche über mögliche US-amerikanische Investitionen in Russland, die jedoch nicht zu größeren Projekten führten.
Im Dezember 2023 dann, fast zwei Jahre nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, machte sich Dmitrijew wirklich einen Namen und wurde zu einer der wichtigsten Personen in der russischen Außenpolitik, erläutert der politische Analyst und ehemalige Redenschreiber Putins, Abbas Galjamow.
"Nach Beginn des Krieges konnte Putin [wegen eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofes] kaum noch reisen", macht Galjamow deutlich. "Dieses Gefühl der Isolation machte ihm und auch ganz Russland zu schaffen. In diesem Moment trat Kirill Dmitrijew als maßgeblicher Organisator einer Reise nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate auf die Bühne."
Dmitrijew organisierte nicht nur die Reise selbst, ihm und seinem Staatsfonds gelang es auch, Investitionen aus diesen Ländern anzuziehen - eine beachtliche Leistung angesichts der westlichen Kapitalabflüsse. "Mit anderen Worten: Auf der internationalen Bühne erwies er sich als außerordentlich effektiv", so Galjamow.
Unterschiedliche Rollen: Dmitrijew und Lawrow
Im Gegensatz zum russischen Außenminister Sergej Lawrow, der außenpolitisch eine harte Linie fahre, versuche Dmitrijew, Meinungsunterschiede zwischen den USA und Russland durch Kompromisse aufzulösen, meint Galjamow.
"Wenn Putin echte Verhandlungen für erforderlich hält, tritt Dmitrijew auf den Plan", unterstreicht Galjamow. "Doch in vielen Situationen will Putin nicht verhandeln. Das spiegelt Lawrow wider."
Während des jüngsten Moskau-Besuchs des US-Sondergesandten Steve Witkoff ließ sich Putin von Dmitrijew und seinem Berater Juri Uschakow begleiten, wie Galjamow hervorhebt. Lawrow war nicht dabei. Doch vorerst bleibt unklar, inwieweit solche Details auf die zukünftige Ausrichtung der russischen Diplomatie hinweisen.
Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.