Massive Drohnenangriffe auf Moskau - Raketen auf Kyjiw
16. August 2026
Die Ukraine hat Russland in der Nacht zum Sonntag mit einer besonders großen Anzahl von Drohnen attackiert. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin waren rund 600 Drohnen auf die Hauptstadt gerichtet. Etwa 200 seien in der Region Moskau zerstört worden, viele weitere bereits beim Anflug.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte später, landesweit seien 822 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Wie viele insgesamt gestartet wurden oder ihre Ziele erreichten, wurde in Moskau nicht mitgeteilt. Die Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen.
Der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, sprach von einem der größten Angriffe der vergangenen Zeit. Ein 83-Jähriger sei getötet worden, als eine Drohne auf sein Grundstück stürzte. Mehrere Menschen wurden verletzt.
Brände und Schäden rund um Moskau
In Podolsk, rund 40 Kilometer von Moskau entfernt, gab es ebenfalls Verletzte. Zudem brach in einem Lager des Online-Händlers Wildberries ein Feuer aus. Die Mitarbeiter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Videos zeigten eine große Rauchwolke über dem betroffenen Lager in Koledino.
Die Ukraine hat Wildberries zuletzt wiederholt angegriffen und wirft dem Unternehmen vor, Militärgüter zu vertreiben. Wildberries bestätigte den Angriff und erklärte, die Arbeit werde über andere Standorte abgewickelt.
In Domodedowo geriet zudem ein Medikamentenlager in Brand. Mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt, auch aus anderen Orten wurden Schäden an ziviler Infrastruktur gemeldet, darunter an einer Schule. Der "Kyiv Independent" berichtete außerdem von Treffern auf Industrieanlagen.
Im südrussischen Gebiet Rostow am Don kamen nach Behördenangaben mindestens drei Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff ums Leben, ein weiterer wurde verletzt.
Ballistische Raketen auf Kyjiw
Parallel dazu griff Russland erneut mehrere ukrainische Städte an. In Kyjiw waren Explosionen zu hören. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte auf Telegram, die Hauptstadt werde mit "ballistischen Raketen" angegriffen, und forderte die Bevölkerung auf, Schutzräume aufzusuchen.
Herabfallende Trümmer lösten in einem Gewerbegebiet einen Brand aus, mehrere Autos standen in Flammen. Ein weiteres Feuer brach südlich des Stadtzentrums aus. Sowohl in Kyjiw als auch im Umland wurden Menschen verletzt.
Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj erklärte: "Die Rettungsdienste sind an den Orten der morgendlichen und nächtlichen russischen Angriffe im Einsatz". Die Brände seien rasch gelöscht worden. "Überall, wo die Russen mit ihren Raketen hinreichen, greifen sie die zivile Infrastruktur an", erklärte Selenskyj und warnte vor einer weiteren Angriffswelle.
Selenskyj fordert mehr Flugabwehr
Nach Darstellung Selenskyjs feuerte Russland allein in dieser Woche mehr als 1550 Drohnen, fast 1560 Bomben sowie 62 Raketen und Marschflugkörper auf die Ukraine ab. Der Präsident forderte die westlichen Verbündeten erneut auf, zusätzliche Flugabwehrraketen bereitzustellen.
"Wenn nordkoreanische Raketen hier in Europa die Infrastruktur zerstören und Menschenleben fordern, darf nicht zugelassen werden, dass europäische Abfangraketen einfach in den Lagern liegen bleiben", sagte Selenskyj. Er hatte Russland zuletzt vorgeworfen, von Nordkorea gelieferte Raketen einzusetzen. "Russland muss gestoppt werden."
Besonders ballistische Raketen sind wegen ihrer hohen Geschwindigkeit schwer abzufangen. Als besonders wirksam gelten US-amerikanische Patriot-Systeme. Die Ukraine verfügt über mehrere davon, hat aber nicht genügend Abfangraketen.
NATO-Jet schießt Drohne über Rumänien ab
Der Drohnenkrieg wirkte sich zugleich erneut auf einen NATO-Staat aus. Ein spanischer F-18-Kampfjet schoss im Rahmen der NATO-Luftraumüberwachung eine Drohne über Rumänien ab.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde sie um 04:44 Uhr bemerkt, als sie aus dem moldauischen Luftraum nach Rumänien eindrang. Um 05:01 Uhr wurde sie abgeschossen. Die Trümmer seien vermutlich im Bezirk Galati über unbewohntem Gelände abgestürzt. Zur Herkunft der Drohne machte das Ministerium keine Angaben.
Rumänien grenzt an die Ukraine und Moldau. Im Grenzgebiet wurden bereits mehrfach Trümmer russischer Drohnen gefunden. Ende Mai hatte eine russische Drohne in Galati ein Hochhaus getroffen.
Erneuter Zwischenfall an der NATO-Ostflanke
Auch andere NATO-Staaten haben Luftraumverletzungen durch russische oder fehlgeleitete ukrainische Drohnen registriert. Erst am Freitag hatte ein italienischer Eurofighter über Lettland eine Drohne abgeschossen.
Größere NATO-Staaten unterstützen Rumänien bei der Luftraumüberwachung. Im Baltikum übernehmen Bündnispartner abwechselnd den Schutz des Luftraums über Estland, Lettland und Litauen, die keine eigenen Kampfjets besitzen.
pgr/wa (dpa, afp, rtr)
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