Russland und Ukraine melden massive nächtliche Angriffe
14. November 2025
Bei russischen Angriffen auf Kyjiw sind nach Angaben des ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj mindestens vier Menschen getötet worden. Die russische Armee habe rund 430 Drohnen sowie 18 Raketen abgefeuert, teilte Selenskyj mit.
Es habe sich um eine gezielte Attacke gehandelt, "die dazu diente, den Menschen und der zivilen Infrastruktur maximalen Schaden zuzufügen". Es handle sich um einen "hinterhältigen Beschuss", sagte Selenskyj.
Mindestens 24 Menschen wurden nach Angaben der Kyjiwer Polizei am Freitagmorgen verletzt, darunter eine Schwangere und ein zehnjähriges Kind. 15 der Verletzten werden im Krankenhaus behandelt. In neun Stadtteilen wurden demnach 30 Wohngebäude beschädigt. Rettungskräfte brachten mehr als 40 Menschen aus brennenden und teils eingestürzten Häusern in Sicherheit.
In den frühen Morgenstunden waren an diesem Freitag zahlreiche Explosionen in der Hauptstadt zu hören. Laut der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine meldeten nahezu alle Stadtbezirke Schäden, in mehreren Wohngebäuden brachen Brände aus.
"Die Luftabwehrkräfte sind in Kyjiw im Einsatz. Ein massiver Angriff des Feindes auf die Hauptstadt", so Bürgermeister Vitali Klitschko auf seinem Social-Media-Kanal.
Teile des Heizungsnetzes seien beschädigt, in einigen Gebäuden falle die Wärmeversorgung aus. Auch Strom- und Wasserversorgung könnten beeinträchtigt sein.
Selenskyj fordert erneut Sanktionen
Kyjiw war Präsident Selenskyj zufolge das Hauptziel der Attacke, aber auch die Region um die Hauptstadt und die Gebiete Charkiw und Odessa wurden getroffen. Bei einem Angriff auf einen Markt in der Region Odessa starben laut Regionalverwaltung zwei Menschen, mindestens sieben wurden verletzt. In der Region Sumy sei nach vorläufigen Angaben eine russische Hyperschall-Rakete vom Typ Zirkon zum Einsatz gekommen.
In mehreren Gebieten der Ukraine ist es zu Stromausfällen gekommen. Betroffen seien Teile der Regionen Kiew, Odessa und Donezk, teilt das Energieministerium mit. Die russischen Streitkräfte hätten Energieanlagen angegriffen, worauf die Stromversorgung teilweise unterbrochen wurde.
Selenskyj forderte einmal mehr weitere Sanktionen gegen Russland. Die Ukraine brauche außerdem eine Verstärkung der Flugabwehr mit zusätzlichen Systemen und Abfangraketen, forderte er erneut.
Russland, das im Februar 2022 den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hatte, hat seine Luftangriffe in den vergangenen Monaten weiter intensiviert. Ziel sind vor allem Energieanlagen und das Eisenbahnnetz - zunehmend aber auch Wohngebiete.
Russland fängt ukrainische Drohnen ab
Die russische Armee wiederum meldete, in derselben Nacht mehr als 200 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben. "In der vergangenen Nacht haben russische Luftabwehreinheiten 216 unbemannte ukrainische Luftfahrzeuge abgefangen und zerstört", erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Allein 66 Drohnen seien über der Schwarzmeerregion Krasnodar niedergegangen, 45 über der weiter nördlich gelegenen Region Saratow.
Und offenbar kamen nicht nur Drohnen bei den ukrainischen Angriffen zum Einsatz, sondern auch Marschflugkörper vom Typ "Neptun" - eine Eigenentwicklung der Ukraine. "Über Nacht haben unsere Krieger erfolgreich 'Long Neptunes' gegen ausgewählte Ziele auf russischem Territorium eingesetzt - und das ist unsere vollkommen gerechte Antwort auf Russlands anhaltenden Terror“, so Selenskyj in einem englischsprachigen Social-Media-Post. "Ukrainische Raketen erzielen praktisch jeden Monat zunehmend bedeutende und präzise Ergebnisse."
Im russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk in der Region Krasnodar ist das Containerterminal nach Angaben des Betreibers von Trümmern einer abgefangenen ukrainischen Drohne getroffen worden. Ein daraufhin ausgebrochenes Feuer sei inzwischen wieder gelöscht worden. Es gebe weder Verletzte noch Tote. Der Betrieb laufe normal, so die Betreibergesellschaft.
Russland erhält Hilfe aus Nordkorea
Zudem bestätigte das russische Verteidigungsministerium den Einsatz nordkoreanischer Minenräumer in der Region Kursk. Nachdem Spezialeinheiten aus Nordkorea zuvor "einen wichtigen Beitrag zur Niederlage des Feindes" geleistet hätten, seien nun Minenräumer an der Grenze zur Ukraine im Einsatz, berichtete die offizielle Militärzeitung "Krasnaja Swesda".
Demnach wurden die nordkoreanischen Minenräumer in Russland ausgebildet. Nach der Vertreibung der ukrainischen Truppen aus Kursk befänden sich in der Region weiterhin "hunderte" Minen.
Russland hatte bereits im Juni angekündigt, mehrere tausend nordkoreanische Minenräumer und Arbeiter zum Wiederaufbau nach Kursk zu entsenden. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden seit September rund 5000 nordkoreanische Soldaten in die Region verlegt. Die ukrainische Armee hatte dort zuvor mehrere Monate einen kleinen Teil des Gebiets gehalten.
Verteidigungsminister beraten in Berlin
Die Lage in der Ukraine ist auch Thema an diesem Freitag in der deutschen Hauptstadt: Die Verteidigungsminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Polens beraten in Berlin über die Sicherheitslage in Europa und den Krieg in der Ukraine. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nimmt teil. Der ukrainische Verteidigungsminister Denys Schmyhal soll zugeschaltet werden.
Die sogenannte Group of Five (GoF) war vor einem Jahr vom deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius ins Leben gerufen worden. Das Treffen in Berlin ist bereits das sechste.
pgr/AR (dpa, rtr, afp)