Russland wertet Drohnen-Vorwürfe als "echten Krieg"
6. September 2026
Die von Deutschland gegen Moskau erhobene Anschuldigung, Russland sei für den Drohnenangriff auf dem Flughafen Leipzig verantwortlich, sei "im Großen und Ganzen der Beginn eines echten Krieges", erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow. "Leipzig, Flughafen (...) Da haben sie eine Drohne gefunden. Haben gesagt, dass es eine russische Drohne ist. Geklärt hat das niemand", sagte Lawrow dem Staatsfernsehen.
Deutsche Sanktionen wie die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und des Kulturinstituts in Berlin ("Russisches Haus") erinnerten ihn an den Beginn des Zweiten Weltkriegs, so Lawrow. Offenbar wollten die Deutschen "wieder Krieg", wurde der Chefdiplomat zitiert.
Merz: "Zuordnung ist unbestreitbar"
Am Flughafen Leipzig/Halle war Anfang August eine Drohne mit einem Sprengsatz in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs gefunden worden. Eine Explosion gab es nicht. Später wurden zwei weitere Drohnen entdeckt.
Anfang September schrieb die Bundesregierung den versuchten Anschlag schließlich Russland zu. Die Regierung in Berlin geht davon aus, dass Deutschland wegen seiner Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine Ziel verdeckter Geheimdienst-Operationen ist. Der im ostdeutschen Bundesland Sachsen gelegene Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine.
Bundeskanzler Friedrich Merz berichtete zuletzt mit Blick auf den Drohnenangriff: "Die Zuordnung ist sehr klar, unbestreitbar, auch gerichtsfest." Die Bundesregierung habe sich vier Wochen für die Prüfung Zeit genommen. Nun habe man mit "einer sehr klaren Warnung an Russland" die richtigen Konsequenzen gezogen. "Jeder, der uns angreift, muss wissen: Wir sind fest entschlossen, unseren Rechtsstaat, unsere Demokratie, unsere offene Gesellschaft, auch die Integrität unseres Territoriums zu verteidigen", betonte Merz.
Der Sprengstoff am Leipziger Flughafen sei nur "durch einen kleinen Zufall" nicht gezündet worden, erläuterte der Kanzler. Bei einer Explosion hätte es nach seinen Worten "ein großes Inferno" geben können.
"Cyberdome" gegen hybride Attacken
Innenminister Alexander Dobrindt kündigte derweil den Aufbau eines nationalen "Cyberdome" an. "Russlands hybride Angriffe mit Sprengstoffdrohnen auf Flughäfen, Agenten in unseren Städten, Cyberangriffen auf unsere Netze und Sabotage unserer Infrastruktur sind tägliche Realität", sagte Dobrindt der Zeitung "Bild am Sonntag" (BamS). Diese Angriffe würden noch zunehmen.
Laut BamS soll der "Cyberdome" ein "engmaschiges Netz aus digitalen Sensoren" umfassen, das Angriffsversuche von Hackern erkennen und abfangen kann. "Neue, schnell verlegbare Einheiten" sollen den Luftraum über wichtigen Drehkreuzen, Flughäfen und Bahnhöfen in den strategisch wichtigsten Städten sowie über dem Regierungsviertel in Berlin schützen.
Zudem sollen Unternehmen der sogenannten kritischen Infrastruktur die rechtliche Möglichkeit bekommen, Drohnen selbst abzuwehren. Dazu zählen etwa Wasserwerke, Stromanbieter und auch Rüstungsfirmen.
wa/haz (rtr, dpa, afp)