AfD will in Sachsen-Anhalt regieren - aber wie?
7. September 2026
Die Alternative für Deutschland (AfD) hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit rund 44 Prozent der Wählerstimmen ein Rekordergebnis eingefahren und alle anderen Parteien weit abgehängt. Allerdings fehlt der Partei zum Regieren eine eigene Mehrheit. Weil die AfD in dem kleinen Bundesland vom Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextrem" beobachtet wird, hatten alle anderen Parteien vor der Wahl eine Regierungskoalition ausgeschlossen. Deswegen steht die Regierungsbildung in dem ostdeutschen Bundesland vor einigen Schwierigkeiten.
Der AfD-Spitzenkandidat und große Wahlgewinner Ulrich Siegmund kündigte am Wahlabend im ARD-Fernsehen an: "Als Demokrat werde ich allen Kräften die Hand ausstrecken, die mit uns eine grundsätzliche politische Kehrtwende herbeiführen möchten." Gleichzeitig betonte er, dass er derzeit keine politischen Kräfte sehe, die für ein gemeinsames Regieren in Frage kämen.
Dazu zählt er vor allem auch die Christdemokraten (CDU), die in Sachsen-Anhalt und auch in ganz Deutschland in Koalitionen die Regierung stellen. Siegmund, wie auch die gesamte AfD-Parteispitze, erklärten deren Politik der Abgrenzung von der AfD für gescheitert. Im ZDF-Fernsehen kritisierte die AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel deren Brandmauer zur AfD scharf: "Die CDU wird keine Wahl mehr gewinnen, keine Bundestagswahl. Und damit leitet sich ein ganz klarer Regierungsauftrag an die AfD ab. Weil wir Demokraten sind, wir ziehen keine Brandmauern hoch."
Ulrich Siegmund betonte am Wahlabend, dass ihm die Umsetzung der AfD-Programmatik wichtiger sei als Machtoptionen: "Es wird mit mir keine Verbiegerei geben." Noch vor der Wahl hatte der 35-Jährige AfD-Spitzenkandidat immer wieder angesagt, dass er nur alleine regieren wollen, um in Deutschland einen fundamentalen Politikwechsel einzuleiten.
Radikales AfD-Regierungsprogramm
Und das Regierungsprogramm der AfD sorgt in Deutschland seit Monaten für heftige Debatten. Denn die Partei fordert radikale Verschärfungen in der Asyl- und Einwanderungspolitik. Sie will Abschiebungen von illegalen Asylbewerbern forcieren und eine generelle Arbeitspflicht für alle anderen Asylsuchenden einführen. Vor allem aber will sie Sachsen-Anhalt sowie Deutschland für Einwanderer unattraktiver machen und fordert eine "migrationspolitische Kehrwende um 180 Grad". In ihrem Wahlkampf machte sie Migranten immer wieder für Kriminalität in den deutschen Innenstädten oder für den Wohnungsmangel verantwortlich.
Und mehr noch: Die AfD plant einen radikalen Gesellschaftsumbau: Sie sagt dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk den Kampf an, will Demokratieprojekten die Gelder streichen, will eine Art Bürgerwehr gegen Migranten aufstellen und die gesellschaftliche Vielfalt bekämpfen - all das hält sie in ihrem Programm fest. Und Ulrich Siegmund betont im ARD-Interview: Die Themen seien nicht verhandelbar.
Bei der Frage nach Partnern für die radikale Programmatik scheint die Partei zunächst abwarten zu wollen. Je nachdem wie die konkreten Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl aussehen, bringt sie verschiedene Modelle ins Gespräch. Die Rede ist auch von einer Minderheitsregierung durch die AfD, in der sie sich für ihre Politik wechselnde Mehrheiten besorgen könnte. Im ZDF-Fernsehen stellt die AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel dabei den Regierungsauftrag ihrer Partei in den Mittelpunkt: "Wer es letztendlich macht, vielleicht auch durch eine Tolerierung oder auch durch eine Koalition, das wird sich noch zeigen."
Für die CDU schloss die Generalsekretärin der Christdemokraten, Franziska Hoppermann, eine Koalition rundweg aus: "Es wird keine Zusammenarbeit mit Linksextremen und Rechtsextremen geben."
Entscheidet eine kleine Partei über die Regierung?
Größte Unbekannte im Poker um die Macht ist das Bündnis Sahra Wagenknecht, BSW, für den Fall, dass es in den neu-gewählten Landtag einzieht. Die kleine Partei wirbt vor allem mit einer linken Wirtschaftspolitik für sich und - ähnlich wie die AfD - mit der Forderung nach einer russlandfreundlicheren Außenpolitik. In der Vergangenheit hatte sich die Parteigründerin und Linken-Abtrünige Sahra Wagenknecht immer wieder offen für eine inhaltliche Zusammenarbeit mit der AfD gezeigt.
Allerdings gilt die Partei in Kreisen der AfD aus ideologischen Gründen nicht als besonders attraktiver Partner.
Einige AfD-Landespolitiker kündigen in den Stunden des Triumphes und noch vor dem Ende der Auszählungen an, im Zweifelsfall so lange in der Opposition bleiben zu wollen und die anderen Parteien vor sich herzutreiben, bis es bei Wahlen zu einer eigenen Mehrheit reicht. So zum Beispiel der Co-Vorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner: "Sollten wir als Opposition hinter dem Rednerpult stehen, dann wird das grausam für die anderen werden", drohte er im Livestream der AfD.